Oro- und Hypopharynxkarzinom: S3-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Oropharynxkarzinome nehmen inzidentiell zu, insbesondere durch HPV16-Infektionen, während Hypopharynxkarzinome leicht rückläufig sind.
- •Hauptrisikofaktoren für HPV-negative Karzinome sind chronischer Tabak- und Alkoholabusus.
- •Zur TNM-relevanten Einschätzung der HPV16-Assoziation soll die p16-Immunhistologie durchgeführt werden.
- •Ein populationsweites Screening auf Oro- oder Hypopharynxkarzinome wird nicht empfohlen.
- •Die HPV-Impfung wird für Jungen und Mädchen (9-14 Jahre) empfohlen, hat aber keinen therapeutischen Nutzen bei bestehendem Karzinom.
Hintergrund
Das Oropharynxkarzinom ist das in seiner Inzidenz am stärksten zunehmende Karzinom im Kopf-Hals-Bereich in Deutschland, während die Inzidenz des Hypopharynxkarzinoms stabil bis leicht rückläufig ist. Die anatomische Zuordnung erfolgt nach ICD-10-GM.
| Region | Anatomische Strukturen (Beispiele) |
|---|---|
| Oropharynx | Zungengrund, Gaumenmandeln (Tonsillen), weicher Gaumen, Uvula, Vallecula |
| Hypopharynx | Sinus piriformis, Postkrikoidregion, Hypopharynxhinterwand |
Risikofaktoren
Die Ätiologie unterscheidet sich maßgeblich zwischen den Lokalisationen und Subtypen:
- Noxen-getriggerte Karzinome: Hauptrisikofaktoren für das Hypopharynxkarzinom und das HPV-negative Oropharynxkarzinom sind chronischer Tabak- und Alkoholabusus. Bei Kombination beider Faktoren besteht ein bis zu 30-fach erhöhtes Risiko.
- HPV-assoziierte Karzinome: Beim HPV-assoziierten Oropharynxkarzinom handelt es sich um eine genetisch diverse, eigenständige Tumorentität. Für die Genese spielt fast ausschließlich das HPV16-Virus eine Rolle.
HPV-Diagnostik beim Oropharynxkarzinom
Die Bestimmung des HPV-Status ist für die Klassifikation und Prognoseabschätzung essenziell.
- Zur TNM-relevanten Einschätzung der HPV16-Assoziation soll die p16-Immunhistologie durchgeführt werden.
- Achtung: 5-23 % der p16-positiven Oropharynxkarzinome sind nach Verifikation durch PCR und In-Situ-Hybridisierung tatsächlich HPV16-negativ.
- Der Nachweis von HPV16-mRNA E6*I gilt als sicherste Nachweismethode der definitiven HPV16-Assoziation, ist aber in der Routinediagnostik oft schwer implementierbar.
Prävention und Screening
| Maßnahme | Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Populations-Screening | Soll nicht angeboten werden | Gilt für die Gesamtbevölkerung |
| HPV-Impfung (Prophylaxe) | Soll durchgeführt werden | Für Jungen und Mädchen (9-14 Jahre), Nachholimpfung bis 17 Jahre |
| HPV-Impfung (Therapeutisch) | Sollte nicht angeboten werden | Kein Nutzen bei bestehendem HPV-assoziierten Oropharynxkarzinom |
Ein generelles Screening auf Rachenkrebs wird selbst bei Hochrisikogruppen (starke Raucher und Trinker) gegenwärtig nicht empfohlen, da der Nachweis einer Senkung von Inzidenz und Mortalität fehlt.
💡Praxis-Tipp
Verlassen Sie sich bei der HPV-Diagnostik nicht blind auf p16: Bis zu 23 % der p16-positiven Oropharynxkarzinome sind in der PCR/ISH eigentlich HPV16-negativ. Klären Sie Patienten zudem auf, dass eine HPV-Impfung bei bereits bestehendem Karzinom keinen therapeutischen Nutzen hat.