ClariMedClariMed
AWMFS3Onkologie

Speicheldrüsentumoren: Diagnostik & Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Sonografie ist die primäre bildgebende Modalität bei Raumforderungen der großen Speicheldrüsen.
  • Bei Verdacht auf ein Malignom sollte eine kontrastmittelverstärkte MRT mit Diffusionswichtung (ADC) erfolgen.
  • Die Enukleation von Speicheldrüsentumoren ist obsolet; bei benignen Parotistumoren wird die extrakapsuläre Dissektion oder laterale Parotidektomie empfohlen.
  • Die primäre Therapie von Speicheldrüsenkarzinomen ist die chirurgische R0-Resektion (z.B. totale Parotidektomie).
  • Eine therapeutische Neck Dissection ist bei positiven Lymphknoten zwingend, eine elektive bei High-Risk-Tumoren (T3/T4, high-grade) indiziert.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Speicheldrüsentumoren umfassen eine Vielzahl histomorphologischer Entitäten. Die Inzidenz liegt bei 6-8/100.000 Einwohnern, wobei bis zu 20 % der Tumoren maligne sind. Da sich klinisch auch bösartige Tumoren lange wie gutartige verhalten können, ist eine strukturierte Diagnostik und Therapie essenziell. Die S3-Leitlinie behandelt sowohl benigne als auch maligne Tumoren der großen und kleinen Kopfspeicheldrüsen.

Diagnostik

Die Abklärung einer schmerzlosen Schwellung mit Wachstumstendenz oder Malignitätszeichen (z.B. Fazialisparese) erfordert nach dem Primärkontakt die Überweisung in eine spezialisierte Fachklinik (MKG oder HNO).

Bildgebung

ModalitätIndikationEmpfehlungsgrad
SonografiePrimäre Bildgebung bei großen Speicheldrüsen und zervikalen LymphknotenA (Primärtumor) / B (Lymphknoten)
MRT (mit KM)Primärdiagnostik bei Malignomverdacht (inkl. Diffusionswichtung/ADC und Fettsättigung)B
CT (mit KM)Verdacht auf Infiltration knöcherner StrukturenKonsens
PET-CTErgänzende Maßnahme, primär untergeordnete Rolle0

Zytologische und histologische Sicherung

Die Indikation zur Biopsie richtet sich nach dem Malignitätsverdacht und der Lokalisation:

Befund / LokalisationEmpfohlenes VorgehenBemerkung
Große Speicheldrüse (benigne imponierend)Primäre operative EntfernungExzisionsbiopsie (Konsens)
Große Speicheldrüse (Malignomverdacht)Feinnadelaspirationszytologie (FNAC) oder HohlnadelbiopsieHohe Spezifität (Konsens)
Kleine SpeicheldrüsePrimär vollständige ExzisionFalls nicht möglich: repräsentative Biopsie (Konsens)

Chirurgische Therapie: Gutartige Raumforderungen

Glandula parotidea

  • Bei allen Eingriffen an der Parotis sollen Neuromonitoring und Vergrößerungshilfen verwendet werden.
  • Die Enukleation eines Speicheldrüsentumors soll nicht durchgeführt werden, da das Rezidivrisiko inakzeptabel hoch ist.
  • Bei klinisch benignen, oberflächlichen und verschieblichen Tumoren sollte die extrakapsuläre Dissektion einer lateralen Parotidektomie vorgezogen werden (Empfehlungsgrad B).
  • Bei intraoperativem Malignomverdacht soll ein Schnellschnitt erfolgen (Empfehlungsgrad A).

Weitere Lokalisationen

  • Glandula submandibularis: Vollständige Entfernung der Drüse (Submandibulektomie).
  • Kleine Speicheldrüsen: Subperiostale Resektion am Gaumen bzw. Resektion mit knappem Sicherheitsabstand im Weichgewebe.

Chirurgische Therapie: Bösartige Raumforderungen

Die Therapieentscheidung soll in einer interdisziplinären Tumorkonferenz getroffen werden.

Primärtumor der Glandula parotidea

Die primäre Therapie besteht in der chirurgischen Resektion (R0) unter Mitnahme von umgebendem Gewebe bis hin zur totalen Parotidektomie (Empfehlungsgrad A).

Tumorstadium / BefundChirurgisches VorgehenUmgang mit N. facialis
Kleine, niedrig-maligne Karzinome (superfiziell)Laterale Parotidektomie (wenn Saum gesunden Gewebes möglich)Erhalt anstreben (Empfehlungsgrad B)
Fortgeschrittene Karzinome / High-gradeTotale ParotidektomieErhalt anstreben, sofern nicht infiltriert
Adenoid-zystisches Karzinom mit NervinfiltrationSelektive Entfernung infiltrierter Äste oder adjuvante RadiotherapieResektion verbessert lokale Kontrolle

Lymphknotenchirurgie (Neck Dissection)

Die Indikation zur Neck Dissection (ND) richtet sich nach dem klinischen N-Status und den Tumoreigenschaften:

  • Therapeutische ND: Bei positivem zervikalen Lymphknotenbefund soll eine modifiziert radikale Dissektion erfolgen (Empfehlungsgrad A).
  • Elektive ND: Bei High-grade-Histologien, T3/T4-Tumoren oder extraparenchymalem Wachstum soll eine elektive ND erfolgen (Empfehlungsgrad A).

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei benignen Parotistumoren zwingend auf eine Enukleation, da das Rezidivrisiko hoch ist. Nutzen Sie stattdessen die extrakapsuläre Dissektion unter konsequentem Einsatz von Neuromonitoring und Lupenbrille.

Häufig gestellte Fragen

Die Sonografie ist die primäre bildgebende Modalität der Wahl bei Raumforderungen der großen Speicheldrüsen. Bei Verdacht auf ein Malignom sollte ein MRT mit Kontrastmittel und Diffusionswichtung ergänzt werden.
Bei Tumoren der großen Speicheldrüsen mit Verdacht auf Malignität sollte primär eine Feinnadelaspirationszytologie (FNAC) oder Hohlnadelbiopsie erfolgen. Bei benignem Verdacht wird primär die operative Entfernung angestrebt.
Nein. Wenn die Funktion präoperativ intakt ist und intraoperativ keine Infiltration sichtbar ist, sollte der Nerv erhalten werden. Eine Ausnahme bilden infiltrierte Äste, z.B. beim adenoid-zystischen Karzinom.
Eine elektive Neck Dissection wird bei High-grade-Histologien, fortgeschrittener Tumorgröße (T3/T4) oder bei Tumoren mit extraparenchymalem Wachstum empfohlen.

Verwandte Leitlinien