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AWMFS3Onkologie

Oro- und Hypopharynxkarzinom: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Inzidenz des Oropharynxkarzinoms nimmt stark zu, was maßgeblich auf HPV16-Infektionen zurückzuführen ist.
  • Hauptrisikofaktoren für HPV-negative Karzinome sind chronischer Tabak- und Alkoholabusus (bis zu 30-fach erhöhtes Risiko bei Kombination).
  • Zur Einschätzung der HPV16-Assoziation soll primär die p16-Immunhistologie durchgeführt werden.
  • Ein allgemeines Bevölkerungsscreening auf Oro- oder Hypopharynxkarzinome wird nicht empfohlen.
  • Die prophylaktische HPV-Impfung wird für Jungen und Mädchen (9-14 Jahre) empfohlen, hat aber keinen therapeutischen Nutzen bei bestehendem Karzinom.
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Hintergrund

Das Oro- und Hypopharynxkarzinom umfasst maligne Tumoren des Rachens, die zu 95 % als Plattenepithelkarzinome auftreten. Die anatomische Zuordnung und Abgrenzung ist klinisch und epidemiologisch relevant und erfolgt nach der ICD-10-GM Klassifikation.

RegionICD-10 CodeAnatomische Strukturen
HypopharynxC13, C12Sinus piriformis, Regio postcricoidea, Hypopharynxhinterwand
OropharynxC01, C10, C09Zungengrund, Tonsillen, Vallecula, weicher Gaumen, Uvula

Epidemiologie

Die Inzidenzentwicklung der beiden Entitäten verläuft in Deutschland gegenläufig:

  • Oropharynxkarzinom: Die Inzidenz nimmt stark zu. Die geschätzte Inzidenz liegt bei Männern bei 4-16/100.000 und bei Frauen bei 3-7/100.000 Einwohnern. Das Durchschnittsalter beträgt 61 Jahre (Männer) bzw. 66 Jahre (Frauen). (Starker Konsens)
  • Hypopharynxkarzinom: Die Inzidenz ist stabil bis leicht rückläufig. Sie wird aktuell auf 2,3 (Männer) und 1,7 (Frauen)/100.000 Einwohner geschätzt. Das Durchschnittsalter liegt bei 64 Jahren. (Starker Konsens)

Risikofaktoren

Die Ätiologie unterscheidet sich grundlegend zwischen klassischen und virusassoziierten Karzinomen.

Karzinom-TypHauptrisikofaktorenBemerkung
HPV-negativTabak- und AlkoholabususKombination beider Faktoren erhöht das Risiko überadditiv (bis zu 30-fach).
HPV-positiv (Oropharynx)HPV16-InfektionÜbertragung primär durch Sexualverkehr. Gilt als eigene, genetisch diverse Tumorentität.

Diagnostik der HPV-Assoziation

Beim Oropharynxkarzinom spielt fast ausschließlich das Humane Papillomavirus Subtyp 16 (HPV16) eine Rolle für die maligne Transformation.

  • Zur TNM-relevanten Einschätzung der HPV16-Assoziation soll die p16-Immunhistologie durchgeführt werden. (Starker Konsens)
  • Wichtig: 5 % bis 23 % der p16-positiven Oropharynxkarzinome sind nach Verifikation durch PCR und In-Situ-Hybridisierung tatsächlich HPV16-negativ. (Starker Konsens)

Prävention und Früherkennung

Ein allgemeines Screening der Gesamtbevölkerung auf ein Oro- bzw. Hypopharynxkarzinom soll nicht angeboten werden, da der Nachweis einer Senkung von Inzidenz und Mortalität fehlt. (Starker Konsens)

HPV-Impfung

Die STIKO empfiehlt die Impfung zur Reduktion der Krankheitslast durch HPV-assoziierte Tumoren. Es stehen Totimpfstoffe (z. B. Cervarix®, Gardasil®9) zur Verfügung.

  • Jungen und Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren sollen gegen HPV geimpft werden. (Starker Konsens)
  • Eine Nachholimpfung wird bis zum Alter von 17 Jahren empfohlen.
  • Eine prophylaktische HPV-Impfung mit dem Ziel eines therapeutischen Nutzens im Rahmen der Behandlung eines bestehenden HPV-assoziierten Oropharynxkarzinoms sollte nicht angeboten werden. (Starker Konsens)
Alter bei ImpfungImpfschemaBemerkung
9 bis 14 Jahre2 Dosen (Abstand mind. 5 Monate)Bei kürzerem Abstand sind 3 Dosen notwendig.
ab 15 Jahren3 Dosen (0-1-6 oder 0-2-6 Monate)Abhängig vom verwendeten Impfstoff.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei der Diagnostik des Oropharynxkarzinoms nicht blind auf den p16-Status: Da bis zu 23 % der p16-positiven Tumoren tatsächlich HPV16-negativ sind, ist eine Bestätigung mittels PCR oder In-Situ-Hybridisierung (HPV-DNA-Nachweis) in der klinischen Routine sinnvoll.

Häufig gestellte Fragen

Die Hauptrisikofaktoren sind chronischer Tabak- und Alkoholabusus. Liegen beide Faktoren vor, erhöht sich das Erkrankungsrisiko überadditiv um das bis zu 30-Fache.
Nein, laut Leitlinie soll ein Screening der Gesamtbevölkerung nicht angeboten werden, da es keinen Nachweis für eine Senkung der Inzidenz oder Mortalität gibt und die Rate falsch-positiver Ergebnisse zu hoch wäre.
Als Standard-Surrogatparameter soll die p16-Immunhistologie durchgeführt werden. Zur sicheren Bestätigung wird im Anschluss ein HPV-DNA-Nachweis (PCR oder In-Situ-Hybridisierung) empfohlen.
Nein, eine prophylaktische HPV-Impfung mit dem Ziel eines therapeutischen Nutzens bei einem bereits bestehenden HPV-assoziierten Oropharynxkarzinom sollte laut Leitlinie nicht angeboten werden.

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