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Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinome: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Hauptrisikofaktoren sind Tabak, Alkohol und HPV-Infektionen (insbesondere im Oropharynx).
  • Die p16-Immunhistochemie ist obligatorisch zur Bestimmung des HPV-Status bei Oropharynxkarzinomen.
  • In frühen Stadien erfolgt primär eine Operation oder alleinige Strahlentherapie.
  • Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren ist die simultane Radiochemotherapie (meist mit Cisplatin) der Standard.
  • In der Palliativsituation haben Checkpoint-Inhibitoren (Pembrolizumab, Nivolumab) die Erst- und Zweitlinientherapie grundlegend verändert.
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Hintergrund

Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinome (HNSCC) entstehen primär im oberen Aerodigestivtrakt (Mundhöhle, Pharynx, Larynx). Die Pathogenese verläuft über zwei Hauptwege:

  • Noxen-assoziiert: Tabak- und Alkoholkonsum (potenzieren sich gegenseitig)
  • HPV-assoziiert: Infektion mit humanen Papillomaviren (v.a. HPV-16), fast ausschließlich im Oropharynx

Klinisches Bild

Die Symptomatik ist stark lokalisationsabhängig. Zu den allgemeinen Symptomen zählen Gewichtsverlust, Schmerzen, Dysphagie, Odynophagie und Hämoptysen.

LokalisationTypische Symptome
MundhöhleNicht heilende Ulzera, Zahnlockerungen, Dysarthrie, Leukoplakie
OropharynxSchlaf-Apnoe-Syndrom, Halsschwellung, Globusgefühl
HypopharynxOtalgie (durch Affektion der Hirnnerven V, VII, IX, X)
LarynxHeiserkeit, Stridor

Diagnostik und Pathologie

Die Basisdiagnostik umfasst Inspektion, Palpation und Spiegeluntersuchung bzw. flexible Laryngoskopie.

MaßnahmeIndikation / Bemerkung
PanendoskopieIn Narkose; zur histologischen Sicherung, Größenbeurteilung und Ausschluss von Zweitmalignomen
CT/MRT HalsBeurteilung der Resektabilität und Lymphknotenmetastasierung
CT Thorax/AbdomenAusschluss von Fernmetastasen bei fortgeschrittenen Tumoren
PET-CTDetektion okkulter Lymphknotenmetastasen oder bei CUP-Syndrom

Pathologische Besonderheiten: Bei Oropharynxkarzinomen ist die p16-Immunhistochemie als Surrogatmarker für HPV obligatorisch (>70% Anfärbung = positiv). HPV-assoziierte Tumoren werden nicht graduiert und haben ein eigenes TNM-Klassifikationssystem, da sie eine deutlich bessere Prognose aufweisen.

Therapie in kurativer Intention

Die Therapieplanung muss zwingend in einer interdisziplinären Tumorkonferenz erfolgen.

  • Frühe Stadien (T1-2 N0 M0): Alleinige Operation oder alleinige Strahlentherapie. Transorale Zugänge (Laser-Mikrochirurgie, Roboter-assistiert) werden wegen geringerer Morbidität favorisiert.
  • Fortgeschrittene Stadien (III, IVa, IVb): Simultane Radiochemotherapie (RCT) ist der therapeutische Standard.

Strahlentherapie: Der kurative Ansatz erfolgt mit mindestens 60 Gy (üblicherweise >66 Gy). Bei simultaner RCT ist Cisplatin (100 mg/m² alle 3 Wochen oder 40 mg/m² wöchentlich) der Standard. Cetuximab ist Cisplatin unterlegen und wird nur bei Kontraindikationen gegen Platin erwogen (alternativ Mitomycin C + 5-FU).

Adjuvante Therapie nach R0-Resektion:

IndikationTherapieKriterien
RisikofaktorenRadiotherapiepT>=3, pN2/3, perineurale (Pn1) oder lymphovaskuläre (V1) Invasion
HochrisikoRadiochemotherapieExtrakapsuläres Wachstum (ECE+) oder knappe/positive Resektionsränder (<5 mm, R1)

Palliative Therapie

Bei Fernmetastasen oder inoperablen Rezidiven (ECOG 0-2) steht die Systemtherapie im Vordergrund. Die Immuntherapie hat hier den Standard verändert.

Erstlinientherapie:

  • CPS >= 20: Pembrolizumab Monotherapie
  • CPS >= 1: Pembrolizumab Monotherapie oder Pembrolizumab + Cisplatin + 5-FU
  • Alternative (unabhängig von PD-L1): TPEx-Schema (Docetaxel + Cisplatin + Cetuximab) bei fitten Patienten mit hohem Remissionsdruck.

Zweitlinientherapie (nach platinhaltiger Vortherapie):

  • Nivolumab: Unabhängig von der PD-L1-Expression
  • Pembrolizumab: Bei PD-L1 TPS >= 50%

Nachsorge

Die meisten Rezidive treten in den ersten zwei Jahren auf.

  • Jahr 1-2: Klinische Kontrolle alle 3 Monate. Schnittbildgebung (CT/MRT) alle 6 Monate bei lokal fortgeschrittenen Tumoren.
  • Jahr 3-5: Klinische Kontrolle alle 6 Monate. Schnittbildgebung jährlich.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie bei jedem Oropharynxkarzinom den p16-Status mittels Immunhistochemie, da dies für die Stadieneinteilung zwingend erforderlich ist. Denken Sie vor Einsatz von 5-FU an die obligatorische Testung auf einen DPD-Mangel.

Häufig gestellte Fragen

Mittels p16-Immunhistochemie. Ein Tumor gilt als positiv, wenn mehr als 70% der Tumorzellen eine nukleäre und/oder zytoplasmatische Anfärbung zeigen.
Cisplatin. Es wird entweder in einer Dosis von 100 mg/m² alle 3 Wochen oder 40 mg/m² wöchentlich verabreicht.
Bei extrakapsulärem Lymphknotenwachstum (ECE+) oder knappen bzw. positiven Resektionsrändern (< 5 mm oder R1).
Abhängig vom PD-L1-Status (CPS) wird Pembrolizumab (als Monotherapie oder mit Chemotherapie) eingesetzt. Alternativ kommt das TPEx-Schema (Docetaxel, Cisplatin, Cetuximab) in Frage.

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