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Rezidiv nach allo-HSZT: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Rezidiv ist die häufigste Ursache für ein Therapieversagen nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation (allo-HSZT).
  • Therapiestrategien werden in prophylaktische (bei hohem Risiko), präemptive (bei MRD-Positivität) und therapeutische (bei manifestem Rezidiv) Ansätze unterteilt.
  • Die Sensitivität für Donorlymphozyten-Infusionen (DLI) variiert stark: Sie ist hoch bei CML und Follikulärem Lymphom, aber niedrig bei ALL und DLBCL.
  • Zielgerichtete Erhaltungstherapien (z.B. TKI bei FLT3-mutierter AML oder BCR-ABL-positiver ALL) können das Überleben signifikant verbessern.
  • CAR-T-Zellen und eine zweite allo-HSZT bieten bei bestimmten Entitäten (z.B. ALL, DLBCL, Multiples Myelom) im Rezidiv kurative Optionen.
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Hintergrund

Das Rezidiv ist aktuell der häufigste Grund für ein Therapieversagen nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation (allo-HSZT). Die Behandlungssituationen nach der Transplantation werden wie folgt definiert:

  • Prophylaktisch: Keine messbare minimal residual disease (MRD) mit Standardverfahren, aber hohes Rezidivrisiko.
  • Präemptiv: Nachweisbare MRD oder inkompletter Spenderchimärismus ohne Kriterien eines klinischen oder hämatologischen Rezidivs.
  • Therapeutisch: Erfüllte Kriterien eines hämatologischen oder klinischen Rezidivs.

Allgemeine Therapieprinzipien

Die Modulation der Immunsuppression und des Graft-versus-Leukämie-Effekts (GvL) ist zentral. Ein alleiniges Reduzieren der Immunsuppression kann bei verschiedenen Neoplasien bereits ein Ansprechen bewirken.

Sensitivität für Donorlymphozyten-Infusionen (DLI)

Die Wirksamkeit von unmanipulierten DLI hängt stark von der Grunderkrankung ab:

SensitivitätErkrankungen
Hohe SensitivitätCML, Myelofibrose, niedrig maligne NHL (z.B. Follikuläres Lymphom)
Intermediäre SensitivitätHodgkin-Lymphom, AML, MDS, Multiples Myelom
Niedrige SensitivitätALL, Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL)

Akute Myeloische Leukämie (AML) und MDS

Eine molekulare Persistenz nach allo-HSZT geht mit einer schlechteren Prognose einher. Ein engmaschiges Monitoring ist essenziell.

InterventionIndikation / SituationEvidenz / Effekt
DLIProphylaktisch (ab Tag ≥120) bei Hochrisiko-AMLÜberlebensvorteil bei zytogenetischer Hochrisiko-AML
SorafenibErhaltungstherapie bei FLT3-ITD/TKDSignifikanter OS- und PFS-Vorteil
GilteritinibErhaltungstherapie bei FLT3-ITDBesseres PFS bei positiver MRD vor/nach allo-HSZT
QuizartinibErhaltungstherapie bei FLT3-ITDVerdopplung des medianen OS
Azacitidin / DecitabinPräemptiv/Therapeutisch (oft + DLI)Gesamtansprechrate ca. 50-70%

Akute Lymphatische Leukämie (ALL)

Der GvL-Effekt ist bei der ALL gesichert, aber weniger effektiv als bei anderen Erkrankungen.

InterventionIndikation / SituationEvidenz / Effekt
TKI (z.B. Imatinib, Dasatinib)Prophylaktisch/Präemptiv bei BCR-ABL+ ALLVerbessertes Überleben, langfristiges Ansprechen möglich
BlinatumomabPräemptiv/Therapeutisch (ab MRD 0,1%)Hohe Remissionsrate, kein erhöhtes GvHD-Risiko
CAR-T-Zellen (z.B. Tisagenlecleucel)Therapeutisch bei CD19+ B-ALLLanganhaltende Remission bei 50-70%, geringes GvHD-Risiko
DLIProphylaktisch bei hohem RisikoMöglicherweise verbessertes Überleben; therapeutisch wenig effektiv

Chronische Myeloische Leukämie (CML) und MPN

Bei der CML und bei Myeloproliferativen Neoplasien (MPN) ist der GvL-Effekt hochwirksam.

  • CML: DLI in eskalierenden Dosen bei positiver MRD oder Rezidiv zeigen eine sehr gute Wirksamkeit (5-Jahres-PFS >50%). TKI sind ebenfalls wirksam.
  • MPN: Präemptive oder therapeutische DLI führen zu hohen Überlebensraten. Eine zweite allo-HSZT ist bei Transplantatversagen eine Option.

Lymphome

Follikuläres Lymphom (FL) und Mantelzell-Lymphom (MCL)

Das FL weist eine sehr hohe Sensitivität für den GvL-Effekt auf (Rezidivrate <20% in 5 Jahren). Therapeutische DLI als Monotherapie erreichen hohe CR-Raten (77%). Beim MCL zeigen DLI ebenfalls gute Wirksamkeit, zudem sind CAR-T-Zellen (Brexucabtagene autoleucel) eine Option.

Hodgkin-Lymphom

Neben DLI kommen zielgerichtete Therapien zum Einsatz. Brentuximab-Vedotin ist hinsichtlich einer GvHD-Induktion unbedenklich. Bei PD-1-Inhibitoren (z.B. Nivolumab) besteht ein stark erhöhtes Risiko für eine GvHD.

Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL)

Das DLBCL hat ein hohes Rezidivrisiko (ca. 30% im ersten Jahr). DLI haben nur eine moderate Wirksamkeit. CAR-T-Zellen bieten hier langfristiges Ansprechen mit ähnlichen Überlebensraten wie bei Patienten ohne vorherige allo-HSZT.

Multiples Myelom

Ein Graft-versus-Myelom-Effekt ist gesichert.

InterventionIndikation / SituationEvidenz / Effekt
LenalidomidErhaltungstherapie (>60 Tage nach HSZT)Verbessertes PFS, aber hohe Rate an akuter GvHD
BortezomibErhaltungstherapie (ab Tag +80)Verbessertes PFS, geringere GvHD-Rate
DLITherapeutisch (ggf. + Chemotherapie)Ca. 50% Remissionen, GvHD ist mit Ansprechen assoziiert
CAR-T-ZellenTherapeutisch nach >2 VortherapienHinweise auf Effektivität ohne relevante Zunahme der GvHD

Zweite allogene HSZT

Eine zweite allo-HSZT kann bei verschiedenen Entitäten erwogen werden. Günstige Voraussetzungen sind:

  • Guter ECOG-Status
  • Kein Nachweis einer GvHD nach der ersten Transplantation
  • Langes Intervall zur ersten allo-HSZT (möglichst >6 Monate)
  • Erreichen einer Remission vor der zweiten Transplantation

Ein Spenderwechsel scheint dabei nicht von Nachteil zu sein.

💡Praxis-Tipp

Reduzieren Sie bei Nachweis einer minimalen Resterkrankung (MRD) oder eines gemischten Chimärismus frühzeitig die Immunsuppression, um den Graft-versus-Leukämie-Effekt (GvL) zu triggern, bevor ein klinisches Rezidiv auftritt.

Häufig gestellte Fragen

Bei Patienten mit hohem Rezidivrisiko (z.B. Hochrisiko-AML) ohne messbare MRD, typischerweise nach Beendigung der Immunsuppression und ohne GvHD.
CML, Myelofibrose und niedrigmaligne Non-Hodgkin-Lymphome (z.B. Follikuläres Lymphom) weisen eine hohe Sensitivität auf.
Sorafenib, Gilteritinib oder Quizartinib können als Erhaltungstherapie eingesetzt werden und verbessern das Überleben.
Bei gutem ECOG-Status, fehlender GvHD nach der ersten Transplantation, langer Remissionsdauer (>6 Monate) und erreichter Remission vor der zweiten allo-HSZT.
Bei CD19-positiver B-ALL bieten CAR-T-Zellen (z.B. Tisagenlecleucel) eine hochwirksame Therapieoption, oft auch ohne Notwendigkeit einer zweiten allo-HSZT.

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