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Onkopedia/DGHOOnkologie

Akute Lymphatische Leukämie (ALL): Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia/DGHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Knochenmarkpunktion ist obligatorisch zur Diagnosestellung (Blastenanteil >20-25 %).
  • Die Bestimmung der minimalen Resterkrankung (MRD) ist der wichtigste prognostische Faktor und steuert die Therapie.
  • Bei Ph/BCR::ABL1-positiver ALL ist der Einsatz von Tyrosinkinase-Inhibitoren (z. B. Imatinib) Therapiestandard.
  • Im Rezidiv kommen zielgerichtete Therapien wie Blinatumomab, Inotuzumab Ozogamicin oder CAR-T-Zellen zum Einsatz.
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Hintergrund

Die Akute Lymphatische Leukämie (ALL) ist eine seltene maligne hämatologische Erkrankung, die durch die Proliferation unreifer lymphatischer Blasten in Knochenmark und Blut charakterisiert ist. Unbehandelt führt sie innerhalb weniger Monate zum Tod. Der absolute Häufigkeitsgipfel liegt im Kindesalter (< 5 Jahre), ein zweiter Gipfel zeigt sich bei über 80-Jährigen.

Klinisches Bild

Symptome entstehen durch Knochenmarkinsuffizienz und Organinfiltration:

  • Anämie: Blässe, Tachykardie, Dyspnoe, Leistungsminderung
  • Granulozytopenie: Fieber, Infektneigung
  • Thrombozytopenie: Blutungs- und Hämatomneigung, Petechien
  • Organbefall: Lymphknotenvergrößerung (ca. 60 %), Splenomegalie, Mediastinaltumor (häufig bei T-ALL), ZNS-Befall (ca. 7 % initial)

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine ALL ist eine Knochenmarkuntersuchung obligatorisch. Die Abgrenzung zum lymphoblastischen Lymphom (LBL) erfolgt durch den Blastenanteil im Knochenmark (ALL bei > 20-25 % Blasten).

Zur Erstdiagnostik gehören zwingend:

  • Zytologie und Immunphänotypisierung
  • Molekulargenetik (z. B. BCR::ABL1, KMT2A::AFF1)
  • Zytogenetik
  • Lumbalpunktion mit Liquordiagnostik
  • Sicherung von Primärmaterial für die spätere MRD-Diagnostik

Klassifikation und Prognosefaktoren

Die GMALL-Klassifikation basiert primär auf dem Immunphänotyp (B-Linien-ALL ca. 76 %, T-Linien-ALL ca. 24 %).

Ungünstige Prognosefaktoren (GMALL)Kriterium
Hohe Leukozytenzahl> 30 G/l bei B-Vorläufer-ALL
Subtyppro-B, early T, reife T
Späte komplette Remission (CR)> 3 Wochen (nach Induktion II)
Genetikt(9;22) / BCR::ABL1, t(4;11) / KMT2A::AFF1
Minimale Resterkrankung (MRD)MRD > 10^-4 nach Frühkonsolidation oder MRD-Anstieg

Die Persistenz der MRD ist aktuell der ungünstigste Prognosefaktor bei der ALL des Erwachsenen.

Therapie

Die Behandlung sollte notfallmäßig in einem erfahrenen hämatologischen Zentrum erfolgen. Die Therapie gliedert sich in mehrere Phasen:

TherapiephaseMaßnahmen / MedikamenteBemerkung
VorphaseDexamethason, CyclophosphamidVermeidung eines Tumorlyse-Syndroms
InduktionVincristin, Dexamethason, Anthrazyklin, AsparaginaseZiel: Komplette Remission (CR)
KonsolidierungWechselnde Substanzen (z. B. HD-MTX, HD-Cytarabin)Aufrechterhaltung der CR
ErhaltungMTX (wöchentlich), Mercaptopurin (täglich)Gesamtdauer ca. 2,5 Jahre
ZNS-ProphylaxeIntrathekales MTX, ggf. GanzhirnbestrahlungEssenziell zur Vermeidung von ZNS-Rezidiven

Spezifische Therapiesituationen

  • Ph/BCR::ABL1-positive ALL: Kombination aus Chemotherapie und Tyrosinkinase-Inhibitoren (Imatinib). Eine allogene Stammzelltransplantation (SZT) ist bei jüngeren Patienten indiziert.
  • Ältere Patienten (> 55 Jahre): Dosisreduzierte Chemotherapie. Verzicht auf Asparaginase in der Induktion aufgrund erhöhter Toxizität.
  • Reifzellige B-ALL (Burkitt): Kurze, intensive Chemotherapieblöcke kombiniert mit dem CD20-Antikörper Rituximab.

Rezidivtherapie

Ein Rezidiv ist ein medizinischer Notfall. Das Hauptziel ist das erneute Erreichen einer CR und eine anschließende Stammzelltransplantation. Neue zielgerichtete Therapien zeigen hier signifikante Vorteile gegenüber Standard-Chemotherapien:

  • Blinatumomab: Bispezifischer CD19/CD3-Antikörper. Zugelassen auch bei MRD-Persistenz (MRD > 10^-3).
  • Inotuzumab Ozogamicin: CD22-Antikörper-Wirkstoff-Konjugat. Risiko für Veno-occlusive Disease (VOD) beachten.
  • CAR-T-Zellen (Tisagenlecleucel): Zugelassen für Patienten bis 25 Jahre.
  • Nelarabin: T-Zell-spezifisches Purinanalogon für die rezidivierte T-ALL.

💡Praxis-Tipp

Senden Sie bei Erstdiagnose unbedingt natives Knochenmark-Primärmaterial an ein Referenzlabor. Ohne dieses Material kann das individuelle Markerprofil für die essenzielle MRD-Verlaufskontrolle nicht etabliert werden.

Häufig gestellte Fragen

Die Diagnose einer ALL wird ab einem Blastenanteil von > 20-25 % im Knochenmark gestellt. Bei einem geringeren Befall spricht man von einem lymphoblastischen Lymphom (LBL).
Die minimale Resterkrankung (MRD) ist der wichtigste prognostische Faktor. Sie identifiziert Patienten mit hohem Rezidivrisiko und steuert Therapieentscheidungen, wie etwa die Indikation zur allogenen Stammzelltransplantation.
Die Ph+ ALL wird mit einer Kombination aus Chemotherapie und Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI), standardmäßig Imatinib, behandelt. Bei jüngeren Patienten wird in der Regel eine allogene Stammzelltransplantation angestrebt.
Für B-Vorläufer-ALL stehen der CD19-Antikörper Blinatumomab, das CD22-Konjugat Inotuzumab Ozogamicin sowie CAR-T-Zellen zur Verfügung. Bei T-ALL kann Nelarabin eingesetzt werden.

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