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Periphere T-Zell Lymphome: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Periphere T-Zell Lymphome (PTCL) sind seltene, meist aggressiv verlaufende Non-Hodgkin-Lymphome.
  • Aufgrund der diagnostischen Komplexität sollte die histologische Sicherung immer durch ein hämatopathologisches Referenzzentrum erfolgen.
  • Die Standard-Erstlinientherapie für nodale PTCL ist CHOP oder CHOEP, gefolgt von einer autologen Stammzelltransplantation (ASZT) bei Ansprechen.
  • Für CD30-positive anaplastische großzellige Lymphome (ALCL) ist Brentuximab Vedotin (BV) plus CHP der neue Therapiestandard.
  • Im Rezidiv oder bei primär refraktärem Verlauf stellt die allogene Stammzelltransplantation (alloSZT) oft die einzige kurative Option dar.
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Hintergrund

Periphere T-Zell Lymphome (PTCL) umfassen eine heterogene Gruppe aggressiv verlaufender Lymphome mit dem Phänotyp reifer post-thymischer T- oder NK-Zellen. Sie machen in Europa etwa 10-15% aller neu diagnostizierten Non-Hodgkin Lymphome (NHL) aus. Ohne Behandlung sind die meisten PTCL rasch progredient und lebensbedrohlich.

Seit 2022 existieren parallel die WHO-HAEM5 Klassifikation und die Internationale Consensus Klassifikation (ICC). Eine wesentliche Neuerung ist die Zusammenfassung des angioimmunoblastischen T-Zell Lymphoms (AITL) und verwandter Entitäten zur Gruppe der nodalen T-follikulären Helferzelllymphome (nTFH-Lymphome).

Diagnostik und Staging

Die Diagnosestellung ist anspruchsvoll. Wenn möglich, sollte eine komplette Lymphknotenexstirpation erfolgen.

  • Die Diagnose muss zwingend Immunhistochemie (pan-T-Zell Antigene wie CD2, CD3, CD5, CD7, sowie CD30 und ALK) und molekulare Untersuchungen (Klonalitätsnachweis) umfassen.
  • Die Begutachtung durch ein hämatopathologisches Referenzzentrum wird dringend empfohlen.
  • Zum Staging ist eine PET/CT-Untersuchung der internationale Standard.
  • Eine Knochenmarkdiagnostik (Aspirat, Biopsie) wird empfohlen.

Zur Risikostratifizierung werden verschiedene Scoring-Systeme genutzt:

ScoreRelevante ParameterBevorzugter Einsatz
IPIAlter >60, LDH ↑, ECOG 2-4, Stadium ≥III, >1 extranodaler BefallWeltweit am häufigsten genutzt
PITAlter, Performance Status, LDH, KnochenmarkbefallPTCL allgemein
PINKAlter >60, regionale LK, lokale Infiltration, LDH ↑, EBV-DNA ↑NK/T-Zell Lymphome (ENKTL)

Primärtherapie

Der Anspruch der systemischen Primärtherapie ist kurativ. Aufgrund unbefriedigender Behandlungsergebnisse wird die Behandlung im Rahmen klinischer Studien dringend empfohlen.

Nodale PTCL (PTCL-NOS, nTFH-Lymphome)

  • Induktion: CHOP oder CHOP-ähnliche Schemata. Bei geeigneten Patienten unter 60 Jahren wird CHOP oft um Etoposid ergänzt (CHOEP).
  • Konsolidierung: Bei gutem Ansprechen (CR oder gute PR) wird eine primär konsolidierende Hochdosischemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation (ASZT) empfohlen.

Anaplastisches großzelliges Lymphom (ALCL)

ALCL werden in ALK-positive und ALK-negative Subtypen unterteilt. ALK+ ALCL haben bei jüngeren Patienten eine deutlich bessere Prognose.

  • Induktion: Brentuximab Vedotin (BV) plus CHP ist seit 2021 der neue Standard für die Primärtherapie der CD30-positiven ALCL (ALK+ und ALK-), da es CHOP im Gesamtüberleben signifikant überlegen ist.
  • Konsolidierung: Bei ALK- ALCL wird eine konsolidierende ASZT unabhängig vom IPI empfohlen. Bei ALK+ ALCL sollte sie bei einem IPI >2 durchgeführt werden.

Extranodales NK/T-Zell Lymphom (ENKTL)

CHOP-basierte Protokolle sind hier nicht wirksam.

StadiumEmpfohlene TherapieBemerkung
I/IIKombinierte RadiochemotherapieZ.B. Bestrahlung + DeVIC, mSMILE, P-GEMOX oder LVP
III/IVIntensive SystemtherapieAsparaginase-basierte Protokolle wie SMILE oder mSMILE. Ggf. konsolidierende ASZT.

Rezidivtherapie

Etwa 30% der Patienten mit häufigen PTCL-Entitäten zeigen einen primär refraktären Verlauf.

  • Salvage-Therapie: Platin-haltige Kombinationen (ICE, DHAP) oder Monotherapien (Bendamustin, Gemcitabin).
  • Zielgerichtete Therapie: Brentuximab Vedotin ist für rezidivierte/refraktäre ALCL zugelassen.
  • Stammzelltransplantation: Die allogene Stammzelltransplantation (alloSZT) stellt für Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem PTCL-NOS, nTFH-Lymphom und ALK- ALCL die einzige Behandlungsoption dar, die ein Langzeitüberleben (>60%) ermöglicht. Eine Spendersuche sollte umgehend eingeleitet werden.

Besondere Situationen

Brustimplantat-assoziiertes ALCL (BIA-ALCL)

Tritt meist 7-9 Jahre nach Implantation texturierter Brustimplantate als periprothetischer Erguss auf.

  • Therapie frühe Stadien: Vollständige chirurgische Entfernung des Implantats und der Kapsel.
  • Therapie fortgeschrittene Stadien: Systemtherapie (ggf. mit Brentuximab Vedotin) und konsolidierende ASZT.

Hepatosplenisches T-Zell Lymphom (HSTL)

Sehr seltenes, aggressives Lymphom, oft nach Immunsuppression.

  • Therapie: CHOP ist unbefriedigend. Intensive Induktion (ICE, IVAC, ESHAP) gefolgt von alloSZT (oder ASZT) wird empfohlen. Spendersuche direkt bei Diagnose starten.

💡Praxis-Tipp

Sichern Sie die Diagnose eines PTCL aufgrund der hohen Fehlerquote und Komplexität immer durch ein hämatopathologisches Referenzzentrum ab. Leiten Sie bei rezidivierten oder primär refraktären PTCL umgehend eine Spendersuche für eine allogene Stammzelltransplantation ein.

Häufig gestellte Fragen

Der aktuelle Standard für CD30-positive ALCL (sowohl ALK+ als auch ALK-) ist die Kombination aus Brentuximab Vedotin (BV) und CHP, da diese Therapie dem CHOP-Schema im Gesamtüberleben signifikant überlegen ist.
Bei nodalen PTCL (PTCL-NOS, nTFH-Lymphome, ALK- ALCL sowie ALK+ ALCL mit IPI >2) wird die ASZT als konsolidierende Therapie in der Erstlinie empfohlen, sofern der Patient eine komplette oder gute partielle Remission erreicht hat.
Nein, CHOP-basierte Therapien spielen beim ENKTL aufgrund fehlender Wirksamkeit keine Rolle. Es werden Asparaginase- oder Platin-basierte Protokolle (z.B. SMILE, DeVIC, P-GEMOX) in Kombination mit Strahlentherapie eingesetzt.
Das Brustimplantat-assoziierte ALCL (BIA-ALCL) ist ein seltenes Lymphom, das meist durch texturierte Implantate entsteht. In frühen Stadien ist die vollständige chirurgische Entfernung des Implantats mitsamt der Kapsel oft ausreichend.
Die alloSZT ist die wichtigste kurative Option für Patienten mit rezidivierten oder primär refraktären PTCL. Bei besonders aggressiven Formen wie dem hepatosplenischen T-Zell Lymphom (HSTL) sollte die Spendersuche bereits bei Erstdiagnose beginnen.

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