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Präzisionsonkologie: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Präzisionsonkologie nutzt breite molekulare Tumorcharakterisierung zur personalisierten Therapiesteuerung.
  • Bei komplexen oder nicht durch Leitlinien abgedeckten Befunden ist die Vorstellung in einem Molekularen Tumorboard (MTB) indiziert.
  • Die Indikation zur erweiterten molekularen Diagnostik erfolgt meist nach Ausschöpfen der Standardtherapien.
  • Liquid Biopsy ist eine Alternative bei schwieriger Gewebeentnahme, weist jedoch aktuell noch eine geringere Sensitivität auf.
  • Für die klinische Bewertung von Biomarkern werden standardisierte Evidenzlevel (z.B. nach NCT/ZPM) herangezogen.
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Hintergrund

Der Begriff der Präzisionsonkologie umfasst den Einsatz einer breiten molekularen Tumorcharakterisierung mit dem Ziel einer personalisierten Therapiesteuerung. Während molekulare Testungen für viele Entitäten (z.B. NSCLC, kolorektales Karzinom, Melanom) bereits Standard sind, können auch bei anderen Tumoren durch erweiterte Analysen effektive Therapieoptionen identifiziert werden.

Auswahl der Patienten

Die Indikationsstellung zur molekularen Diagnostik sollte stets eine mögliche klinische Relevanz haben. Bei klarer, leitlinienbasierter Indikation genügt die Vorstellung im Organtumorboard. Bei komplexen Befunden, meist im Rahmen von Rebiopsien in der Rezidivsituation, sollte die Vorstellung in einem Molekularen Tumorboard (MTB) erfolgen.

KriteriumBeschreibung (nach DNPM)
ErkrankungsstatusFortgeschrittene oder seltene Krebserkrankung
VortherapienLeitliniengerechte Therapie absehbar durchlaufen
TherapiefähigkeitNach Einschätzung der klinischen Parameter in der Lage, eine molekular-basierte Therapie zu erhalten
ZustimmungStimmt prinzipiell einer möglichen Therapie auf Basis der molekularen Befunde zu

Materialgewinnung: Rebiopsie vs. Liquid Biopsy

Die Entscheidung für oder gegen eine erneute Probenentnahme muss individuell abgewogen werden:

Analyse aus vorliegendem GewebeErneute Probenentnahme
Tumorgewebe aus aktueller Erkrankungssituation vorhandenTumorgewebe aus anderer Krankheitssituation (z.B. Primarius)
Primäre Resistenz auf letzte Therapielinie ohne erwartbare molekulare VeränderungSekundäre Resistenz auf letzte Therapielinie mit erwartbarer molekularer Veränderung
Geplante molekulare Analyse aus vorliegendem Material möglichGeplante molekulare Analyse aus vorliegendem Material nicht möglich
Erneute Probenentnahme nicht möglich oder risikoreichErneute Probenentnahme einfach und risikoarm durchführbar

Liquid Biopsy-Techniken bieten eine hohe Spezifität, haben aber (noch) eine geringere Sensitivität im Vergleich zu Gewebebiopsien (insbesondere bei Fusionsgenen und Amplifikationen). Sie werden zunehmend in der Rezidivsituation bei schwieriger Biopsieentnahme eingesetzt.

Molekulare Analyseverfahren

Neue Technologien erlauben die gleichzeitige Analyse zahlreicher Biomarker. Die DNA- und RNA-Sequenzierung spielen dabei die wichtigste Rolle.

VerfahrenBeschreibung
EinzelgensequenzierungAnalyse eines einzelnen Genbereichs (meist Sanger-Sequenzierung) ohne parallele Keimbahnanalyse.
Genpanel-SequenzierungParallele Analyse zahlreicher Genbereiche mittels Next-Generation Sequencing (NGS). Erfasst Mutationen, strukturelle Veränderungen und komplexe Biomarker (TMB).
ExomsequenzierungParallele Analyse der proteinkodierenden Regionen mittels NGS (mit Keimbahnanalyse).
GenomsequenzierungParallele Analyse des gesamten Genoms mittels NGS (mit Keimbahnanalyse).

Klinische Annotation und Evidenzlevel

Die klinische Annotation bewertet die gefundene Variante als Biomarker (diagnostisch, prognostisch, prädiktiv, pharmakogenomisch oder prädisponierend). Zur Beurteilung prädiktiver Biomarker werden Evidenzlevel herangezogen, im deutschsprachigen Raum meist die NCT/ZPM-Evidenzlevel:

EvidenzlevelDatenquelleBeschreibung
m1AGleiche EntitätProspektive Studie oder Metaanalyse
m1BGleiche EntitätRetrospektive Kohorte oder Fall-Kontroll-Studie
m1CGleiche EntitätEin oder mehrere Fallberichte
m2AAndere EntitätProspektive Studie oder Metaanalyse
m2BAndere EntitätRetrospektive Kohorte oder Fall-Kontroll-Studie
m2CAndere EntitätEin oder mehrere Fallberichte
m3PräklinischIn vitro oder Tiermodell
m4RationaleBiologische Rationale ohne präklinische Daten

Entitätsübergreifende prädiktive Biomarker

Es existieren zunehmend Biomarker mit entitätsübergreifender Zulassung zielgerichteter Medikamente (FDA-Zulassungen):

Molekulare AlterationAssoziierte Therapie
NTRK-FusionenNTRK-Inhibition
RET-FusionRET-Inhibition
BRAF p.V600E-MutationBRAF-Inhibition (ggf. + MEK-/EGFR-Inhibition)
Mismatch-Repair Defizienz (MSI-H / dMMR)Immuncheckpointinhibition
Hohe Tumormutationslast (TMB)Immuncheckpointinhibition
HER2-positiv (IHC 3+)HER2-ADC

Das Molekulare Tumorboard (MTB)

Die Anwendung der bewerteten Biomarker in der klinischen Situation erfordert multidisziplinäre Expertise. Ein MTB-Team umfasst nach DNPM-Kriterien mindestens:

  • Hämatologie und internistische Onkologie
  • Pathologie und Molekularpathologie
  • Molekularbiologie und Bioinformatik
  • Humangenetik

Da Empfehlungen oft einen Off-Label-Use erfordern, sollte das Evidenzniveau streng abgewogen und die Therapie idealerweise im Rahmen prospektiver Registerstudien dokumentiert werden.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie die Liquid Biopsy primär in der Rezidivsituation, wenn eine Gewebebiopsie zu risikoreich ist. Beachten Sie jedoch die geringere Sensitivität, insbesondere beim Nachweis von Fusionsgenen.

Häufig gestellte Fragen

Bei komplexen, nicht durch Leitlinien abgedeckten molekularen Befunden, meist nach Ausschöpfen der leitliniengerechten Standardtherapien.
Mindestens Hämatologie/Onkologie, Pathologie, Molekularpathologie, Molekularbiologie, Bioinformatik und Humangenetik.
Level m1 bezieht sich auf klinische Evidenz in der gleichen Tumorentität, Level m2 auf Evidenz aus einer anderen Tumorentität.
Dazu gehören NTRK- und RET-Fusionen, BRAF p.V600E-Mutationen, dMMR/MSI-H, hohe Tumormutationslast (TMB) und HER2-Positivität (IHC 3+).

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