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CUP-Syndrom: Leitlinie zu Diagnostik & Therapie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das CUP-Syndrom macht 1-3 % aller Krebserkrankungen aus und erfordert eine standardisierte Basisdiagnostik inklusive CT und umfassender Histologie.
  • Die Einteilung erfolgt in prognostisch günstige Subgruppen (gezielte Therapie) und ungünstige Manifestationen (ca. 75-85 %).
  • Eine breite molekulargenetische Testung (NGS) wird empfohlen, um zielgerichtete Therapieoptionen (z. B. bei Treibermutationen oder MSI-h) zu identifizieren.
  • Bei ungünstigen Manifestationen ohne spezifische Targets ist eine platinbasierte empirische Chemotherapie der Standard.
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Hintergrund

Das CUP-Syndrom (Cancer of Unknown Primary) bezeichnet eine histologisch oder zytologisch gesicherte maligne Tumorerkrankung, bei der der Ursprungstumor auch nach Abschluss einer standardisierten Basisdiagnostik unbekannt bleibt. Es macht etwa 1–3 % aller Tumorerkrankungen aus. Die Prognose ist insgesamt ernst (5-Jahres-Überleben bei ca. 5–15 %), variiert jedoch stark je nach Subgruppe.

Histologischer TypHäufigkeit
Adenokarzinom (gut bis mäßig differenziert)40–60 %
Undifferenziertes Karzinom15–30 %
Plattenepithelkarzinom15–20 %
Kleinzelliges/neuroendokrines Karzinom3–5 %

Diagnostik

Die Diagnostik zielt darauf ab, prognostisch günstige Subgruppen zu identifizieren und therapeutische Targets zu finden. Eine rein zytologische Sicherung reicht nicht aus; eine histologische Diagnostik ist unumgänglich.

Basisprogramm

MaßnahmeDetails / Anmerkungen
KlinikAnamnese, körperliche Untersuchung (Männer: Hoden; Frauen: Mammae, gynäkologische Untersuchung)
BildgebungCT Thorax, CT Abdomen/Becken; Mammographie/Mamma-Sonographie (Frauen)
PathologieAusreichend Gewebe für Histologie, Immunhistochemie und molekulare Analyse
LaborDiff-BB, LDH, Albumin, AP, Tumormarker (AFP; bei Männern zusätzlich PSA, β-hCG)

Erweiterte Diagnostik & PET-CT

Ein PET-CT wird nicht routinemäßig für alle Patienten empfohlen, ist aber in folgenden Situationen indiziert:

  • Zervikale Lymphknotenmetastasierung: Vor Durchführung einer Panendoskopie.
  • Singuläre/Oligometastasierung: Wenn die Perspektive einer lokal ablativen Behandlung in kurativer Intention besteht.

Molekulargenetik (NGS)

Eine breite molekulare Charakterisierung mittels Next-Generation-Sequencing (NGS) wird empfohlen, wenn sich daraus therapeutische Konsequenzen ergeben. Genetische Alterationen finden sich in über 85 % der Fälle. Wichtige Marker für eine Immuncheckpointblockade sind Mikrosatelliteninstabilität (MSI-h), Mismatch-Repair-Defizienz (dMMR) und eine hohe Tumormutationslast (TMB-high).

Prognostisch günstige Subgruppen

Etwa 15–25 % der Patienten fallen in definierte Subgruppen mit besserer Prognose, die spezifisch behandelt werden:

ManifestationArbeitsdiagnose / ZuordnungTherapieansatz
Zervikale Lymphknoten (Plattenepithel/undifferenziert)"Head and neck-like CUP"Neck Dissection, Radiochemotherapie
Axilläre Lymphknoten bei Frauen"Breast-like CUP"Analog nodal-positivem Mammakarzinom
Kolontypisches Adenokarzinom (CK7-, CK20+, CDX2+)"Colon-like CUP"Analog metastasiertem Kolonkarzinom
Nierentypisches Karzinom (PAX8+, CD10+)"Renal-like CUP"Analog metastasiertem Nierenzellkarzinom
Solitäre Metastase / OligometastasierungLokalisierte ErkrankungLokale radikale Therapie (Resektion/Bestrahlung) in kurativer Intention

Hinweis: Extragonadale Keimzelltumoren, neuroendokrine Tumoren (NET/NEC) und osteoblastische Metastasen mit erhöhtem PSA zählen per Definition nicht mehr zum CUP-Syndrom und werden entitätsspezifisch behandelt.

Therapie bei ungünstigen Manifestationen

Die Mehrheit der Patienten (75–85 %) weist eine disseminierte Metastasierung ohne Zuordnung zu einer günstigen Subgruppe auf. Die Therapie richtet sich hier stark nach dem molekularen Profil:

  • Immunogene Tumorbiologie (MSI-h, dMMR, TMB-high): Therapie mit Immuncheckpointinhibitoren (z. B. Pembrolizumab oder Atezolizumab).
  • Therapierelevante genetische Alterationen: Zielgerichtete Therapie (z. B. Tyrosinkinaseinhibitoren) bei Nachweis von Treibermutationen (z. B. BRAF, FGFR2, ERBB2). Die Auswertung sollte in einem Molekularen Tumorboard (MTB) erfolgen.
  • Ohne spezifische Targets: Empirische platinbasierte Kombinationstherapie (z. B. Carboplatin/Paclitaxel oder Cisplatin/Gemcitabine). Aktuelle Daten (CUPISCO-Studie) zeigen einen moderaten Überlebensvorteil durch die Ergänzung von Atezolizumab zur Chemotherapie.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei Verdacht auf ein CUP-Syndrom frühzeitig eine umfassende molekularpathologische Diagnostik (NGS) durch, da der Nachweis von Treibermutationen oder MSI-h/TMB-high direkte therapeutische Konsequenzen hat.

Häufig gestellte Fragen

Zur Basisdiagnostik gehören Anamnese, körperliche Untersuchung, eine histologische Gewebeprobe (inkl. Immunhistologie und Molekulargenetik), CT von Thorax, Abdomen und Becken sowie ein Basislabor inklusive spezifischer Tumormarker.
Ein PET-CT wird insbesondere bei zervikaler Lymphknotenmetastasierung (vor einer Panendoskopie) sowie bei singulärer oder oligometastasierter Erkrankung vor einer geplanten lokal ablativen Therapie empfohlen.
Der Standard ist eine empirische platinbasierte Kombinationstherapie (z. B. Carboplatin/Paclitaxel), die nach neuesten Studiendaten (CUPISCO) ggf. durch eine Immuncheckpointblockade (Atezolizumab) ergänzt werden kann.
Sie ist essenziell für die Linienklassifikation (z. B. Karzinom vs. Nicht-Karzinom) und die Zuordnung zu möglichen Primärtumoren anhand spezifischer Expressionsmuster (z. B. CK7/CK20-Muster).

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