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Pleuramesotheliom: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der Hauptrisikofaktor ist die Asbestexposition; jedes Pleuramesotheliom sollte als Berufskrankheit (Nr. 4105) gemeldet werden.
  • Die Diagnosesicherung muss histologisch mittels VATS-Biopsie erfolgen, eine rein zytologische Untersuchung aus dem Pleuraerguss reicht nicht aus.
  • Bei resezierbarem epitheloidem Subtyp ist die erweiterte Pleurektomie/Dekortikation ((e)P/D) mit perioperativer Chemotherapie der Standard.
  • In fortgeschrittenen Stadien oder bei nicht-epitheloider Histologie wird primär eine Immuntherapie (Nivolumab + Ipilimumab) empfohlen.
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Hintergrund

Das maligne Pleuramesotheliom ist ein seltener Tumor, der überwiegend durch die Inhalation von Asbestfasern verursacht wird. Aufgrund der langen Latenzzeit treten auch Jahrzehnte nach dem Asbestverbot weiterhin Neuerkrankungen auf.

  • Epidemiologie: Ca. 1.600 Neuerkrankungen jährlich in Deutschland, ganz überwiegend bei Männern. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 74-76 Jahren.
  • Prognose: Das relative 5-Jahres-Überleben ist mit 8 % (Männer) bzw. 13 % (Frauen) sehr ungünstig.
  • Berufskrankheit: Jedes Mesotheliom muss unter dem Verdacht auf eine Berufskrankheit (BK-Nr. 4105) an die Unfallversicherungsträger gemeldet werden.

Histologisch werden drei Subtypen unterschieden:

  • Epitheloid (50-60 %, häufigster Typ)
  • Biphasisch (zählt zu den nicht-epitheloiden Subtypen)
  • Sarkomatoid (zählt zu den nicht-epitheloiden Subtypen)

Klinik und Diagnostik

Klinisch manifestiert sich die Erkrankung häufig durch Dyspnoe, Reizhusten, thorakale Schmerzen sowie eine unspezifische Reduktion der Leistungsfähigkeit und Gewichtsverlust. Oft fällt radiologisch ein einseitiger Pleuraerguss auf.

Die Diagnosesicherung erfordert zwingend eine histologische Abklärung. Eine rein zytologische Untersuchung aus dem Pleuraerguss ist unzureichend.

  • Standardverfahren: Videoassistierte Thorakoskopie (VATS) mit Pleurabiopsie. Wichtig ist die Mitnahme von subpleuralem Fettgewebe zum Beweis der Invasivität.
  • Bildgebung: Röntgen-Thorax und CT-Thorax mit Kontrastmittel. Bei kurativem Ansatz zusätzlich PET-CT und invasives Lymphknotenstaging (EBUS oder Mediastinoskopie).
Marker-TypEmpfohlene MarkerBemerkung
MesotheliommarkerCalretinin, Cytokeratin 5/6, WT-1, D-240Mindestens 2 Marker testen
KarzinommarkerTTF1, CEA, Ber-EP4Zur Abgrenzung vom Adenokarzinom (mind. 2 testen)

Stadieneinteilung (IASLC/UICC 8)

Die Einteilung erfolgt nach dem TNM-System. Entscheidend für die Therapieplanung ist die Resezierbarkeit (T1-T3):

T-StadiumAusbreitung
T1Tumor auf ipsilaterale Pleura begrenzt (parietal, viszeral, mediastinal, diaphragmatisch)
T2Infiltration von Zwerchfellmuskulatur oder Lungenparenchym
T3Lokal fortgeschritten, aber prinzipiell resezierbar (Fascia endothoracica, mediastinales Fett, Perikard)
T4Technisch nicht resezierbar (diffuse Thoraxwand, kontralaterale Pleura, Myokard, Spinalkanal)

Therapie

Die Therapieplanung muss interdisziplinär in einem erfahrenen Zentrum (idealerweise DKG-zertifiziertes Lungenkrebszentrum mit Mesotheliom-Einheit) erfolgen.

Resezierbares Stadium (Epitheloide Histologie, Stadium I-IIIA)

Ziel ist die makroskopisch komplette Resektion im Rahmen eines multimodalen Konzepts bei Patienten in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0).

TherapiebausteinEmpfehlung
ChirurgieErweiterte Pleurektomie/Dekortikation ((e)P/D) ist das Standardverfahren. Extrapleurale Pneumonektomie (EPP) nur in streng indizierten Ausnahmefällen.
SystemtherapieNeoadjuvante oder adjuvante Chemotherapie mit Cisplatin und Pemetrexed (4 Zyklen).

Nicht-resezierbares Stadium oder Nicht-epitheloide Histologie

In fortgeschrittenen Stadien oder bei biphasischem/sarkomatoidem Subtyp steht die systemische Therapie im Vordergrund.

TherapielinieBehandlungsoptionEvidenz / Bemerkung
1. LinieNivolumab + IpilimumabSignifikanter Überlebensvorteil (CheckMate743), besonders bei nicht-epitheloider Histologie.
1. Linie (Alternative)Cisplatin + PemetrexedBei Kontraindikationen gegen Immuntherapie oder hohem Remissionsdruck bei epitheloider Histologie.
2. LiniePemetrexed (Re-Exposition)Wenn Erstlinientherapie >6 Monate wirksam war.
2. Linie (Alternative)Vinorelbin oder GemcitabinAls Monotherapie oder Kombination bei frühem Progress (<6 Monate).

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie hat beim Pleuramesotheliom einen hohen Stellenwert in der Palliation, insbesondere bei Schmerzen oder Tumorinfiltration der Wirbelsäule.

  • Dosierung: Z.B. 10-12 x 3 Gy oder 5 x 4 Gy.
  • Effekt: Partielle Schmerzremission bei ca. 50 % der Patienten ab 2 Wochen nach Therapie.
  • Hinweis: Eine prophylaktische Bestrahlung der Zugangswege (VATS/Drainagen) zur Verhinderung von Implantationsmetastasen wird aufgrund des geringen Nutzens nicht mehr empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei jedem Pleuramesotheliom an die Meldung als Berufskrankheit (Asbestexposition). Sichern Sie die Diagnose immer histologisch mittels VATS-Biopsie, da eine Ergusszytologie nicht ausreichend ist.

Häufig gestellte Fragen

Die Diagnose erfordert zwingend eine histologische Sicherung, idealerweise durch eine videoassistierte Thorakoskopie (VATS) mit Pleurabiopsie. Eine Zytologie aus dem Pleuraerguss reicht nicht aus.
Zur Abgrenzung vom Adenokarzinom sollten Mesotheliommarker (Calretinin, Cytokeratin 5/6, WT-1, D-240) und Karzinommarker (TTF1, CEA, Ber-EP4) bestimmt werden.
Eine Operation in kurativer Intention ((e)P/D) kommt meist nur bei epitheloidem Subtyp im Stadium I-IIIA und gutem Allgemeinzustand in Frage.
Bei nicht-resezierbaren Tumoren oder nicht-epitheloider Histologie ist die Kombination der Checkpoint-Inhibitoren Nivolumab und Ipilimumab der aktuelle Standard.

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