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Myelofibrose: Leitlinie Diagnostik & Therapie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose der Myelofibrose erfordert zwingend eine Knochenmarkhistologie sowie den Nachweis von Treibermutationen (JAK2, CALR, MPL) nach WHO/ICC 2022.
  • Die Risikostratifizierung sollte bei transplantationsfähigen Patienten mit modernen mutationsbasierten Scores wie dem MIPSSv2 erfolgen.
  • Die allogene Stammzelltransplantation (alloSZT) ist die einzige kurative Therapieoption und bei intermediärem-2 oder hohem Risiko indiziert.
  • Zur symptomatischen Therapie von Splenomegalie und konstitutionellen Symptomen sind die JAK-Inhibitoren Ruxolitinib, Fedratinib und Momelotinib zugelassen.
  • Momelotinib ist besonders bei Patienten mit moderater bis schwerer Anämie wirksam und kann zur Transfusionsunabhängigkeit führen.
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Hintergrund

Die Myelofibrose (MF) ist eine seltene, klonale Erkrankung der hämatopoetischen Stammzellen. Sie präsentiert sich als primäre Myelofibrose (PMF) oder sekundär aus einer Polycythaemia Vera (Post-PV-MF) bzw. Essentiellen Thrombozythämie (Post-ET-MF). Eine wichtige Subentität ist die präfibrotische Myelofibrose (präPMF), die initial oft durch eine alleinige Thrombozytose auffällt und klinisch einer ET ähneln kann.

Genetik und Pathogenese

Die Erkrankung wird primär durch Mutationen getrieben, die den JAK-STAT-Signalweg aktivieren. Etwa 10 % der Patienten weisen keine dieser Mutationen auf ("triple negativ") und haben eine schlechtere Prognose.

GenHäufigkeit bei PMFBemerkung
JAK2 (V617F)ca. 60 %Häufigste Treibermutation
CALRca. 20-25 %Typ 1 ist mit einer besseren Prognose assoziiert
MPLca. 5-8 %-
Triple negativca. 10 %Kürzere Überlebenszeit

Zusätzlich existieren molekulare Hochrisikomutationen (HMR) wie ASXL1, EZH2, IDH1/IDH2, SRSF2, U2AF1Q157 und TP53, die für die Risikostratifizierung essenziell sind.

Diagnostik

Die Diagnose erfordert zwingend eine Knochenmarkhistologie. Die Kriterien nach ICC 2022 für die PMF umfassen:

KategorieKriterien
Hauptkriterien1. KM-Histologie: Megakaryozyten-Proliferation/Atypie & Fibrose Grad 2-3<br>2. Nachweis von JAK2-, CALR-, MPL-Mutation oder anderem klonalen Marker<br>3. Ausschluss anderer myeloischer Neoplasien (ET, PV, CML, MDS)
NebenkriterienAnämie, Leukozyten ≥ 11 x 10^9/l, palpable Splenomegalie, erhöhte LDH, leukoerythroblastisches Blutbild

Für die Diagnose müssen alle 3 Hauptkriterien und mindestens 1 Nebenkriterium erfüllt sein.

Risikostratifizierung

Zur Therapieentscheidung, insbesondere zur Indikationsstellung einer allogenen Stammzelltransplantation, werden Prognose-Scores eingesetzt. Bei transplantationsfähigen Patienten wird der MIPSSv2 (Mutation-Enhanced International Prognostic Scoring System Version 2.0) empfohlen.

Risikofaktor (MIPSSv2)Punkte
Karyotyp mit sehr hohem Risiko4
Ungünstiger Karyotyp3
≥ 2 molekulare Hoch-Risikomutationen3
Eine molekulare Hoch-Risikomutation2
Keine CALR Typ 1 Mutation2
Schwere Anämie2
Konstitutionelle Symptome2
Moderate Anämie1
Blasten im peripheren Blut ≥ 2 %1

Therapie

Die Therapie orientiert sich an der Symptomlast, dem Alter und der Risikogruppe.

Kurative Therapie

Die allogene Stammzelltransplantation (alloSZT) ist die einzige potenziell kurative Option.

  • Indikation: Patienten im transplantationsfähigen Alter (bis ca. 75 Jahre) mit intermediärem-2 oder hohem/sehr hohem Risiko.
  • Prognose: Der MTSS-Score hilft bei der Abschätzung des Überlebens nach Transplantation.

Medikamentöse Therapie (JAK-Inhibitoren)

Bei krankheitsbedingter Splenomegalie oder ausgeprägter Symptomatik sind JAK-Inhibitoren indiziert.

WirkstoffIndikation / BesonderheitWichtige Hinweise
Ruxolitinib1. Wahl bei Splenomegalie und SymptomenDosisanpassung nach Thrombozyten. Nie abrupt absetzen (Gefahr des Ruxolitinib Discontinuation Syndrome).
FedratinibNach Ruxolitinib-Versagen oder in der 1. LinieRisiko der Wernicke-Enzephalopathie. Thiamin-Spiegel vorab prüfen und ggf. ausgleichen!
MomelotinibBei moderater bis schwerer AnämieVerbessert signifikant die Anämie und kann zur Transfusionsunabhängigkeit führen.

Problemorientierte Therapie

  • Hyperproliferation (Leukozytose/Thrombozytose): Einsatz von Hydroxyurea.
  • Anämie: Kortikosteroide (v.a. bei Hämolyse) oder Erythropoetin (Off-Label, bei EPO-Spiegel <125 U/l).

💡Praxis-Tipp

Prüfen Sie vor dem Einsatz von Fedratinib zwingend den Thiamin-Spiegel (Vitamin B1) zum Schutz vor einer Wernicke-Enzephalopathie. Setzen Sie Ruxolitinib zudem niemals abrupt ab, um ein lebensbedrohliches Entzugssyndrom (RDS) zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Bei transplantationsfähigen Patienten (bis ca. 75 Jahre) mit intermediärem-2 oder hohem Risiko (z.B. nach MIPSSv2 oder DIPSS).
Ein frühes Stadium der Myelofibrose, das oft mit isolierter Thrombozytose einhergeht und klinisch einer Essentiellen Thrombozythämie (ET) ähneln kann, jedoch eine schlechtere Prognose aufweist.
Mutationen in ASXL1, EZH2, IDH1/IDH2, SRSF2, U2AF1Q157 und TP53 sind mit einer schlechteren Prognose assoziiert.
Momelotinib hat sich als besonders effektiv zur Behandlung der Myelofibrose-bedingten Anämie erwiesen und kann zur Transfusionsunabhängigkeit führen.

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