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Ovarialkarzinom: Leitlinie zur Therapie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ziel der Primäroperation ist die makroskopische Tumorfreiheit (komplettes Tumor-Debulking).
  • Die adjuvante Standard-Chemotherapie besteht aus 6 Zyklen Carboplatin und Paclitaxel.
  • Bei fortgeschrittenen high-grade Karzinomen ist nach Ansprechen auf Platin eine Erhaltungstherapie mit PARP-Inhibitoren und/oder Bevacizumab indiziert.
  • Allen Patientinnen unter 80 Jahren sollte eine genetische Testung (BRCA1/2) angeboten werden.
  • Eine routinemäßige Tumormarker-Bestimmung (CA-125) in der asymptomatischen Nachsorge wird nicht empfohlen.
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Hintergrund

Das Ovarialkarzinom ist die häufigste tödliche gynäkologische Krebserkrankung. Da spezifische Frühsymptome fehlen, werden etwa 75 % der Tumoren erst in fortgeschrittenen Stadien (FIGO III/IV) diagnostiziert. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 69 Jahren.

Risikofaktoren umfassen zunehmendes Alter, Nulliparität, Hormonersatztherapie und Adipositas. Genetische Faktoren spielen eine wesentliche Rolle: Mutationen in Genen der homologen Rekombination (insbesondere BRCA1 und BRCA2) sind für einen signifikanten Teil der Erkrankungen verantwortlich. Trägerinnen einer BRCA1-Mutation haben ein Lebenszeitrisiko von 39 % für ein Ovarialkarzinom.

Diagnostik und Genetik

Jede ovarielle Raumforderung ist bis zum Beweis des Gegenteils als maligne zu betrachten. Ein generelles Screening (z. B. mittels Ultraschall oder CA-125) senkt die Mortalität nicht und wird nicht empfohlen.

  • Klinische Diagnostik: Bimanuelle Untersuchung und transvaginaler Ultraschall.
  • Bildgebung: Computertomografie (CT) von Thorax, Abdomen und Becken mit Kontrastmittel zur Ausbreitungsdiagnostik.
  • Genetik: Allen Patientinnen unter 80 Jahren sollte eine Testung auf hereditäre Brust- und Eierstockkrebs-Syndrome (HBOC) angeboten werden. Bei fortgeschrittenen high-grade Karzinomen muss der Tumor auf BRCA1/2-Mutationen und den HRD-Status (Homologous Recombination Deficiency) getestet werden.

Histologische Klassifikation

Ovarialkarzinome sind eine heterogene Gruppe. Die Therapie orientiert sich maßgeblich am histologischen Subtyp:

HistologieHäufigkeitTypische GenetikBemerkung
Serös high-grade75%TP53, BRCA1/2, HRDEntsteht oft aus Tubenepithel (STIC)
Endometrioid~10%ARID1A, PTEN, dMMRAssoziiert mit Endometriose
Klarzellig~10%ARID1A, HNF1βAssoziiert mit Endometriose
Serös low-grade≤5%BRAF, KRASEntsteht oft aus Borderline-Tumoren
Muzinös≤5%KRAS, HER2Selten, oft gastrointestinaler Ursprung ausschließen

Primärtherapie

Die Primärtherapie ist multimodal und basiert auf einer Kombination aus radikaler Chirurgie und Systemtherapie.

Operative Therapie

Das operative Therapieziel ist die makroskopische Tumorfreiheit mit maximaler Tumorzellreduktion. Die Operation umfasst in der Regel eine Längsschnittlaparotomie, Hysterektomie, beidseitige Adnexexstirpation, Omentektomie und ggf. Lymphonodektomie sowie Multiviszeralresektionen.

Systemtherapie

Stadium / SituationTherapieBemerkung
FIGO IA G1Keine adjuvante ChemotherapieNach komplettem Staging/Debulking
Ab FIGO IC oder G3Carboplatin + Paclitaxel6 Zyklen (Standard)
FIGO III/IVErhaltungstherapieBevacizumab und/oder PARP-Inhibitoren (Olaparib, Niraparib) je nach HRD/BRCA-Status

Rezidivtherapie

Die starre Einteilung nach einem 6-monatigen platinfreien Intervall wurde verlassen. Die Therapieentscheidung richtet sich nach der "Platin-Eligibility" (Tumorbiologie, Vortherapien, Toxizität, Patientenpräferenz).

Rezidiv-TypDefinitionTherapieoptionen
Platin-geeignetErneute platinhaltige Therapie ist sinnvollRezidiv-OP (bei positivem AGO-Score), Platin-Reinduktion (Carboplatin + PLD/Gemcitabin/Paclitaxel), PARP-Inhibitoren als Erhaltung
Platin-ungeeignetRefraktär oder Kontraindikation für PlatinMonochemotherapie (Paclitaxel, Topotecan, PLD, Gemcitabin), ggf. + Bevacizumab

Der AGO-Score hilft bei der Selektion für eine Rezidiv-OP. Er ist positiv bei: Komplettresektion bei Erst-OP, ECOG-Status 0 und Aszites < 500 ml.

Nachsorge

Die Nachsorge dient dem Erkennen von therapieassoziierten Langzeittoxizitäten und Rezidiven.

  • Klinische Untersuchung: Inklusive Vaginalsonographie alle 3 Monate (Jahre 1-3), dann alle 6 Monate (Jahre 4-5).
  • Bildgebung (CT/MRT): Nur bei Symptomen oder klinischem Verdacht auf ein Rezidiv.
  • Tumormarker (CA-125): Kein routinemäßiger Einsatz bei asymptomatischen Patientinnen, da ein früherer Therapiebeginn das Überleben nicht verbessert.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie in der asymptomatischen Nachsorge auf die routinemäßige Bestimmung des Tumormarkers CA-125. Ein präsymptomatischer Beginn einer Rezidivtherapie führt nicht zu einem Überlebensvorteil, verschlechtert aber die Lebensqualität der Patientin frühzeitiger.

Häufig gestellte Fragen

Die bilaterale Salpingo-Oophorektomie (BSO) wird bei BRCA1-Mutationsträgerinnen ab 35-40 Jahren und bei BRCA2-Mutationsträgerinnen ab 40-45 Jahren empfohlen.
Der Standard ab Stadium FIGO IC oder bei G3-Tumoren sind 6 Zyklen einer Kombination aus Carboplatin (AUC5) und Paclitaxel (175 mg/m2) alle drei Wochen.
Im Stadium IA G1 nach einem vollständigen Tumor-Debulking und adäquatem operativen Staging gibt es keinen signifikanten Benefit durch eine Chemotherapie.
Der AGO-Score schätzt ab, ob bei einem Rezidiv eine erneute Komplettresektion möglich ist. Er erfordert drei Kriterien: Makroskopische Komplettresektion bei Erst-OP, ECOG-Status 0 und Aszites unter 500 ml.
Bei fortgeschrittenen Tumoren mit BRCA-Mutation wird nach Ansprechen auf die platinhaltige Primärchemotherapie eine Erhaltungstherapie mit einem PARP-Inhibitor (z.B. Olaparib) empfohlen.

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