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Ösophaguskarzinom: Aktuelle Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Unterscheidung zwischen Plattenepithel- und Adenokarzinomen ist aufgrund unterschiedlicher Tumorbiologie und Therapiealgorithmen essenziell.
  • Für lokal fortgeschrittene Adenokarzinome (AEG) ist die perioperative Therapie mit FLOT plus Durvalumab (D-FLOT) der neue Standard.
  • Bei lokal fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinomen wird eine präoperative Radiochemotherapie (CROSS) gefolgt von Operation empfohlen.
  • Nach präoperativer Radiochemotherapie und Operation besteht bei Plattenepithelkarzinomen ohne pathologische Komplettremission (Non-pCR) die Indikation zur adjuvanten Immuntherapie mit Nivolumab.
  • In der metastasierten Situation (Stadium IV) kommen zunehmend Checkpoint-Inhibitoren in Kombination mit Chemotherapie zum Einsatz, gesteuert durch Biomarker wie PD-L1 und HER2.
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Hintergrund

Das Ösophaguskarzinom gehört zu den Krebserkrankungen mit ungünstiger Prognose. Klinisch und therapeutisch relevant ist die strikte Unterscheidung zwischen Plattenepithelkarzinomen und Adenokarzinomen (häufig am ösophago-gastralen Übergang, AEG). Während Plattenepithelkarzinome weltweit häufiger sind, steigt in westlichen Ländern der Anteil der Adenokarzinome stetig an.

HistologieHaupt-Risikofaktoren
PlattenepithelkarzinomRauchen, Alkohol (dosisabhängig), Achalasie, Z.n. Verätzung, Vorbestrahlung, Tylosis
AdenokarzinomGastro-ösophageale Refluxerkrankung (Barrett-Ösophagus), Adipositas, Rauchen

Diagnostik und Staging

Ein exaktes prätherapeutisches Staging ist für die Therapieentscheidung zwingend erforderlich. Die Einteilung erfolgt nach der aktuellen TNM-Klassifikation (8. Edition).

UntersuchungIndikation / Bemerkung
EndoskopiePrimärdiagnostik, Lokalisation, Biopsie (inkl. Biomarker-Testung)
Endosonographie (EUS)Höchste Treffsicherheit für T-Staging und lokale Lymphknoten
CT Hals/Thorax/AbdomenPrimäres Staging, Ausschluss von Fernmetastasen
PET/CTBei lokal fortgeschrittenen Tumoren (cT2-4, cN+) in kurativer Intention
LaparoskopieBei Adenokarzinomen des AEG (cT3/T4) vor geplanter präoperativer Therapie

Therapie in kurativer Intention

Die Therapieentscheidung richtet sich primär nach der T-Kategorie, dem Lymphknotenstatus und der Histologie. Aufgrund der Komplexität ist eine interdisziplinäre Fallbesprechung im Tumorboard obligatorisch.

Plattenepithelkarzinom

StadiumTherapie der WahlBemerkung
T1a N0Endoskopische Resektion (ER)En-bloc-Resektion anstreben
T1b-T2 N0Chirurgische ResektionPrimäre Operation
T3-T4 oder N+Präoperative Radiochemotherapie + ResektionCROSS-Protokoll. Bei Non-pCR: Adjuvant Nivolumab für 12 Monate
Zervikales KarzinomDefinitive RadiochemotherapieOperation wegen hoher Morbidität meist nicht empfohlen

Adenokarzinom (Ösophagus und AEG)

Für lokal fortgeschrittene Adenokarzinome hat die ESOPEC-Studie die Überlegenheit der perioperativen Chemotherapie (FLOT) gegenüber der Radiochemotherapie (CROSS) gezeigt.

StadiumTherapie der WahlBemerkung
T1a N0Endoskopische Resektion (ER)Mukosektomie
T1b-T2 N0Chirurgische ResektionPrimäre Operation
T3-T4 oder N+Perioperative Chemo-Immuntherapie + Resektion4x FLOT + Durvalumab prä- und postoperativ (D-FLOT, aktuell off-label)

Sonderfall MSI-H/dMMR: Bei Mikrosatelliten-instabilen Tumoren zeigt die perioperative Immuntherapie extrem hohe Ansprechraten. Auch hier sollte Durvalumab in Kombination mit FLOT verabreicht werden.

Palliative Systemtherapie (Stadium IV)

Im metastasierten Stadium steht die systemische Therapie im Vordergrund. Die Auswahl der Erstlinientherapie basiert auf einer Platin-Fluoropyrimidin-Doublette, die zunehmend durch zielgerichtete Therapien und Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) ergänzt wird.

Erstlinientherapie nach Biomarkern

HistologieBiomarkerEmpfohlene Kombination (zusätzlich zur Chemotherapie)
PlattenepithelPD-L1 CPS ≥ 10Pembrolizumab
PlattenepithelPD-L1 TPS ≥ 1%Nivolumab (oder Nivolumab + Ipilimumab ohne Chemo)
PlattenepithelPD-L1 TAP ≥ 5%Tislelizumab
PlattenepithelUnabhängig von PD-L1Toripalimab
AdenokarzinomHER2+ / PD-L1 CPS ≥ 1Trastuzumab + Pembrolizumab
AdenokarzinomHER2- / PD-L1 CPS ≥ 5Nivolumab
AdenokarzinomHER2- / PD-L1 CPS ≥ 10Pembrolizumab

In der Zweitlinie kommen beim Plattenepithelkarzinom Nivolumab oder Tislelizumab (unabhängig vom PD-L1-Status) zum Einsatz, sofern in der Erstlinie kein ICI gegeben wurde. Beim Adenokarzinom ist Ramucirumab + Paclitaxel ein etablierter Standard.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie vor Beginn einer palliativen Systemtherapie zwingend den PD-L1-Status (CPS, TPS oder TAP je nach geplantem Medikament) sowie beim Adenokarzinom den HER2- und MSI-Status, da diese die Erstlinientherapie maßgeblich definieren.

Häufig gestellte Fragen

Der aktuelle Standard ist die perioperative Chemotherapie mit FLOT, idealerweise ergänzt durch den Checkpoint-Inhibitor Durvalumab (D-FLOT), da dies in der Matterhorn-Studie das Überleben signifikant verbesserte.
Bei Plattenepithelkarzinomen, die nach präoperativer Radiochemotherapie (CROSS) und R0-Resektion keine pathologische Komplettremission (Non-pCR) aufweisen, wird Nivolumab für 12 Monate adjuvant empfohlen.
Die PET/CT wird bei lokal fortgeschrittenen Tumoren (ab cT2 oder cN+) in kurativer Intention empfohlen, um Fernmetastasen auszuschließen und die Strahlentherapie exakt zu planen.
Ja, auf die Mukosa begrenzte Frühkarzinome (T1a N0) ohne Risikofaktoren sollten primär mittels endoskopischer Resektion (ER) in en-bloc-Technik behandelt werden.
Nein, bei hochsitzenden zervikalen Plattenepithelkarzinomen gilt die definitive Radiochemotherapie als Standard, da eine Operation mit sehr hoher Morbidität (Laryngektomie, Anschluckstörungen) einhergeht.

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