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Larynxkarzinom: Diagnostik & Therapie (S3-Leitlinie AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Heiserkeit über 4 Wochen erfordert zwingend eine endoskopische Untersuchung des Kehlkopfs.
  • Tabak- und Alkoholkonsum sind die Hauptrisikofaktoren; ein allgemeines Screening wird jedoch nicht empfohlen.
  • Die Prognose hängt maßgeblich von Lokalisation, TNM-Stadium und R-Status ab (Glottiskarzinome haben die beste Prognose).
  • Bildgebung (Kontrastmittel-CT oder MRT) ist bei Bewegungseinschränkung der Stimmlippen oder Ausdehnung über die Glottis hinaus indiziert.
  • Der chirurgische Sicherheitsabstand beträgt bei T1/T2-Glottiskarzinomen mind. 1 mm, bei Laryngektomie mind. 5 mm.
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Hintergrund

Das Larynxkarzinom ist nach dem Mundhöhlen- und Rachenkarzinom der dritthäufigste bösartige Tumor im Kopf-Halsbereich. Männer sind etwa 7-mal häufiger betroffen als Frauen. Über 90 % der Tumoren sind Plattenepithelkarzinome.

RisikofaktorRelevanz / Bemerkung
TabakkonsumWesentlicher Hauptrisikofaktor, bis zu 6-fach erhöhtes Risiko.
AlkoholkonsumWesentlicher Risikofaktor, besonders in Kombination mit Tabak (bis zu 30-fach erhöhtes Risiko).
Berufliche NoxenAsbest, schwefelsäurehaltige Aerosole und ionisierende Strahlen sind als Berufskrankheit anerkannt.
HPV-InfektionSpielt im Gegensatz zum Oropharynxkarzinom eine untergeordnete Rolle und hat keine prognostische Bedeutung.

Symptome und klinische Diagnostik

Die Symptomatik hängt stark von der Lokalisation des Tumors ab. Jede Heiserkeit, die länger als 4 Wochen besteht, soll endoskopisch abgeklärt werden.

LokalisationTypische SymptomePrognose
Glottis (Stimmlippen)Heiserkeit (oft frühzeitig)Am besten (frühe Diagnose)
SupraglottisSchluckbeschwerden, Kloßgefühl, ins Ohr ausstrahlende SchmerzenDeutlich schlechter (frühe Metastasierung)
SubglottisBehinderung der Atmung (Spätsymptom)Am schlechtesten
  • Empfehlung: Bei allen Patienten mit Heiserkeit > 4 Wochen soll der Kehlkopf endoskopisch untersucht werden.
  • Empfehlung: Auch bei anhaltenden Schluckstörungen ohne Stimmveränderung soll eine endoskopische Untersuchung erfolgen.
  • Empfehlung: Bei Verdacht auf Vorläuferläsionen (z. B. Leukoplakie) soll eine histologische Abklärung (bevorzugt Exzisionsbiopsie) erfolgen.

Bildgebende Diagnostik

Während kleine Glottiskarzinome oft rein endoskopisch beurteilt werden, ist bei fortgeschrittenen Befunden eine Bildgebung zwingend erforderlich.

  • Empfehlung: Eine kontrastverstärkte CT und/oder MRT soll durchgeführt werden bei:
    • Karzinomen der Stimmlippen mit Bewegungseinschränkung oder Fixation
    • Karzinomen der vorderen Kommissur mit Ausdehnung nach supra-/subglottisch
    • Karzinomen der Supraglottis (außer am freien Rand der Epiglottis)
    • Karzinomen mit subglottischer Ausdehnung
  • Zur Feststellung der N-Kategorie soll gleichzeitig die gesamte Region von der Schädelbasis bis zur oberen Thoraxapertur untersucht werden.

Pathologie und chirurgische Therapie

Die Prognose wird maßgeblich durch das TNM-Stadium und den R-Status bestimmt. Der histopathologische Befund muss Tumorlokalisation, Größe, Ausdehnung, Lymphknotenstatus (inkl. Kapseldurchbruch) und Resektionsränder umfassen.

Eingriff / TumorstadiumEmpfohlener Sicherheitsabstand
Transorale Laserchirurgie (T1/T2 Glottis)Mindestens 1 mm
Laryngektomie (T3/T4a)Mindestens 5 mm

Früherkennung und Screening

  • Empfehlung: Ein allgemeines Screening der Bevölkerung auf Kehlkopfkrebs ist nicht sinnvoll.
  • Empfehlung: Auch bei Risikopopulationen (Raucher, starker Alkoholkonsum) kann ein Screening nicht empfohlen werden, da ein Nachweis der Wirksamkeit (Senkung der Mortalität) fehlt.

💡Praxis-Tipp

Überweisen Sie Patienten mit einer Heiserkeit oder unklaren Schluckbeschwerden, die länger als 4 Wochen anhalten, zwingend zur endoskopischen Kehlkopfuntersuchung an einen HNO-Facharzt.

Häufig gestellte Fragen

Im Gegensatz zum Oropharynxkarzinom spielt der HPV-Status als prognostischer Faktor beim Larynxkarzinom keine Rolle.
Bei Stimmlippenfixation, Beteiligung der vorderen Kommissur, supraglottischen oder subglottischen Karzinomen. Kleine Glottiskarzinome werden primär endoskopisch beurteilt.
Nein, ein Screening wird auch bei Risikopersonen mangels Wirksamkeitsnachweis (keine erwiesene Senkung der Mortalität) nicht empfohlen.
Bei transoraler Laserchirurgie (T1/T2 Glottis) mindestens 1 mm, bei einer Laryngektomie (T3/T4a) mindestens 5 mm.

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