Larynxkarzinom: S3-Leitlinie zu Diagnostik & Therapie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Heiserkeit, die länger als 4 Wochen besteht, erfordert zwingend eine endoskopische Abklärung.
- •Hauptrisikofaktoren sind Tabak- und Alkoholkonsum; ein allgemeines Screening wird jedoch nicht empfohlen.
- •Die TNM-Klassifikation und der R-Status sind die wichtigsten prognostischen Faktoren.
- •Bei fortgeschrittenen Befunden (z.B. Stimmlippenfixation) ist eine Bildgebung (Kontrastmittel-CT oder MRT) obligatorisch.
- •Der HPV-Status spielt beim Larynxkarzinom im Gegensatz zum Oropharynxkarzinom keine prognostische Rolle.
Hintergrund
Das Larynxkarzinom ist nach dem Mundhöhlen- und Rachenkarzinom der dritthäufigste bösartige Tumor im Kopf-Hals-Bereich. Männer sind etwa 7-mal häufiger betroffen als Frauen. Glottische Karzinome (Stimmlippen) machen den größten Anteil aus und haben aufgrund der frühen Symptomatik die beste Prognose. Subglottische Karzinome haben die schlechteste Prognose.
| Risikofaktor | Bedeutung / Bemerkung |
|---|---|
| Tabakkonsum | Wesentlicher Risikofaktor, bis zu 6-fach erhöhtes Risiko |
| Alkoholkonsum | Wesentlicher Risikofaktor, in Kombination mit Tabak bis zu 30-fach erhöhtes Risiko |
| Berufliche Noxen | Asbest, schwefelsäurehaltige Aerosole, ionisierende Strahlen (als Berufskrankheit anerkannt) |
| HPV-Infektion | Spielt im Gegensatz zum Oropharynxkarzinom eine untergeordnete Rolle und ist kein prognostischer Faktor |
Früherkennung und Symptome
Ein allgemeines Screening auf Larynxkarzinome wird nicht empfohlen, auch nicht bei Risikogruppen (Raucher/Trinker), da ein Nachweis der Mortalitätssenkung fehlt.
Die Symptomatik hängt stark von der Lokalisation ab:
| Lokalisation | Typische Leitsymptome |
|---|---|
| Glottis | Heiserkeit (frühzeitig) |
| Supraglottis | Schluckbeschwerden, Kloßgefühl, in das Ohr ausstrahlende Schmerzen |
| Subglottis | Atembehinderung (treten meist spät auf) |
- Empfehlung: Bei allen Patienten mit Heiserkeit über mehr als 4 Wochen soll der Kehlkopf endoskopisch untersucht werden.
- Auch bei anhaltenden Schluckstörungen soll eine endoskopische Untersuchung erfolgen.
Klinische Diagnostik
Die Basisdiagnostik umfasst die Spiegelung/Endoskopie des Kehlkopfes (z.B. mit 90° Lupenlaryngoskop oder flexiblem Endoskop).
- Zum Ausschluss von Zweitkarzinomen gehört die Endoskopie benachbarter Schleimhautbereiche (Panendoskopie) zur Primärdiagnostik.
- Bei Biopsien soll die Probeentnahme aus dem Randbereich des Tumors und wenn möglich zentral aus dem Tumorgrund erfolgen.
- Vorläuferläsionen (z.B. Leukoplakien) sollen histologisch abgeklärt werden, bevorzugt als Exzisionsbiopsie.
Bildgebung
Kleine glottische Karzinome werden primär endoskopisch beurteilt. Bei größeren Tumoren ist eine Bildgebung (Kontrastmittel-CT und/oder MRT) zwingend erforderlich.
Indikationen zur Bildgebung (soll durchgeführt werden):
- Karzinome der Stimmlippen mit Bewegungseinschränkung oder Fixation
- Karzinome der vorderen Kommissur mit Ausdehnung nach supra- und/oder subglottisch
- Karzinome der Supraglottis (außer am freien Rand der Epiglottis)
- Karzinome mit subglottischer Ausdehnung
| Verfahren | Indikation / Vorteil |
|---|---|
| MRT | Methode der ersten Wahl für Weichteilauflösung und Knorpelinfiltration |
| CT (mit KM) | Bevorzugt bei Bewegungsartefakten (kurze Akquisitionszeit), Standard für Thorax/Abdomen |
| Sonographie | Untergeordnete Rolle für Primärtumor, aber nützlich für Lymphknoten-Staging am Hals |
Zur Feststellung der N-Kategorie soll bei Indikation zur Primärtumor-Bildgebung die gesamte Region von der Schädelbasis bis zur oberen Thoraxapertur mituntersucht werden. Bei fortgeschrittenen Tumoren (ab N2) ist ein CT Thorax/Abdomen zum Ausschluss von Fernmetastasen indiziert.
Pathologie und chirurgische Ränder
Die TNM-Klassifikation und der R-Status sind die wichtigsten prognostischen Faktoren. Der Pathologe benötigt exakte klinische Angaben (z.B. zur Stimmlippenbeweglichkeit), um das pT-Stadium korrekt festzulegen.
Für die operative Therapie gelten folgende Sicherheitsabstände:
| Eingriff / Tumorstadium | Empfohlener Sicherheitsabstand |
|---|---|
| Transorale Laserchirurgie (T1/T2 Glottis) | Mindestens 1 mm |
| Laryngektomie (T3 und T4a) | Mindestens 5 mm |
💡Praxis-Tipp
Achten Sie bei Heiserkeit strikt auf die 4-Wochen-Regel und überweisen Sie konsequent zur Laryngoskopie. Teilen Sie dem Pathologen bei Resektaten zwingend die präoperative Stimmlippenbeweglichkeit mit, da diese für das pT-Staging essenziell ist.