ClariMedClariMed
AWMFS3Onkologie

Larynxkarzinom: S3-Leitlinie zu Diagnostik & Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Heiserkeit, die länger als 4 Wochen besteht, erfordert zwingend eine endoskopische Abklärung.
  • Hauptrisikofaktoren sind Tabak- und Alkoholkonsum; ein allgemeines Screening wird jedoch nicht empfohlen.
  • Die TNM-Klassifikation und der R-Status sind die wichtigsten prognostischen Faktoren.
  • Bei fortgeschrittenen Befunden (z.B. Stimmlippenfixation) ist eine Bildgebung (Kontrastmittel-CT oder MRT) obligatorisch.
  • Der HPV-Status spielt beim Larynxkarzinom im Gegensatz zum Oropharynxkarzinom keine prognostische Rolle.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Das Larynxkarzinom ist nach dem Mundhöhlen- und Rachenkarzinom der dritthäufigste bösartige Tumor im Kopf-Hals-Bereich. Männer sind etwa 7-mal häufiger betroffen als Frauen. Glottische Karzinome (Stimmlippen) machen den größten Anteil aus und haben aufgrund der frühen Symptomatik die beste Prognose. Subglottische Karzinome haben die schlechteste Prognose.

RisikofaktorBedeutung / Bemerkung
TabakkonsumWesentlicher Risikofaktor, bis zu 6-fach erhöhtes Risiko
AlkoholkonsumWesentlicher Risikofaktor, in Kombination mit Tabak bis zu 30-fach erhöhtes Risiko
Berufliche NoxenAsbest, schwefelsäurehaltige Aerosole, ionisierende Strahlen (als Berufskrankheit anerkannt)
HPV-InfektionSpielt im Gegensatz zum Oropharynxkarzinom eine untergeordnete Rolle und ist kein prognostischer Faktor

Früherkennung und Symptome

Ein allgemeines Screening auf Larynxkarzinome wird nicht empfohlen, auch nicht bei Risikogruppen (Raucher/Trinker), da ein Nachweis der Mortalitätssenkung fehlt.

Die Symptomatik hängt stark von der Lokalisation ab:

LokalisationTypische Leitsymptome
GlottisHeiserkeit (frühzeitig)
SupraglottisSchluckbeschwerden, Kloßgefühl, in das Ohr ausstrahlende Schmerzen
SubglottisAtembehinderung (treten meist spät auf)
  • Empfehlung: Bei allen Patienten mit Heiserkeit über mehr als 4 Wochen soll der Kehlkopf endoskopisch untersucht werden.
  • Auch bei anhaltenden Schluckstörungen soll eine endoskopische Untersuchung erfolgen.

Klinische Diagnostik

Die Basisdiagnostik umfasst die Spiegelung/Endoskopie des Kehlkopfes (z.B. mit 90° Lupenlaryngoskop oder flexiblem Endoskop).

  • Zum Ausschluss von Zweitkarzinomen gehört die Endoskopie benachbarter Schleimhautbereiche (Panendoskopie) zur Primärdiagnostik.
  • Bei Biopsien soll die Probeentnahme aus dem Randbereich des Tumors und wenn möglich zentral aus dem Tumorgrund erfolgen.
  • Vorläuferläsionen (z.B. Leukoplakien) sollen histologisch abgeklärt werden, bevorzugt als Exzisionsbiopsie.

Bildgebung

Kleine glottische Karzinome werden primär endoskopisch beurteilt. Bei größeren Tumoren ist eine Bildgebung (Kontrastmittel-CT und/oder MRT) zwingend erforderlich.

Indikationen zur Bildgebung (soll durchgeführt werden):

  • Karzinome der Stimmlippen mit Bewegungseinschränkung oder Fixation
  • Karzinome der vorderen Kommissur mit Ausdehnung nach supra- und/oder subglottisch
  • Karzinome der Supraglottis (außer am freien Rand der Epiglottis)
  • Karzinome mit subglottischer Ausdehnung
VerfahrenIndikation / Vorteil
MRTMethode der ersten Wahl für Weichteilauflösung und Knorpelinfiltration
CT (mit KM)Bevorzugt bei Bewegungsartefakten (kurze Akquisitionszeit), Standard für Thorax/Abdomen
SonographieUntergeordnete Rolle für Primärtumor, aber nützlich für Lymphknoten-Staging am Hals

Zur Feststellung der N-Kategorie soll bei Indikation zur Primärtumor-Bildgebung die gesamte Region von der Schädelbasis bis zur oberen Thoraxapertur mituntersucht werden. Bei fortgeschrittenen Tumoren (ab N2) ist ein CT Thorax/Abdomen zum Ausschluss von Fernmetastasen indiziert.

Pathologie und chirurgische Ränder

Die TNM-Klassifikation und der R-Status sind die wichtigsten prognostischen Faktoren. Der Pathologe benötigt exakte klinische Angaben (z.B. zur Stimmlippenbeweglichkeit), um das pT-Stadium korrekt festzulegen.

Für die operative Therapie gelten folgende Sicherheitsabstände:

Eingriff / TumorstadiumEmpfohlener Sicherheitsabstand
Transorale Laserchirurgie (T1/T2 Glottis)Mindestens 1 mm
Laryngektomie (T3 und T4a)Mindestens 5 mm

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei Heiserkeit strikt auf die 4-Wochen-Regel und überweisen Sie konsequent zur Laryngoskopie. Teilen Sie dem Pathologen bei Resektaten zwingend die präoperative Stimmlippenbeweglichkeit mit, da diese für das pT-Staging essenziell ist.

Häufig gestellte Fragen

Nein, die Leitlinie empfiehlt kein Screening, da bisher kein Nachweis für eine Senkung der Mortalität erbracht wurde.
Unter anderem bei Stimmlippenfixation, Beteiligung der vorderen Kommissur, subglottischer Ausdehnung und den meisten supraglottischen Karzinomen.
HPV spielt ätiologisch eine stark untergeordnete Rolle und ist im Gegensatz zum Oropharynxkarzinom kein prognostischer Faktor.
Bei T1/T2-Glottiskarzinomen sollte ein Sicherheitsabstand von mindestens 1 mm eingehalten werden.
Maximal 4 Wochen. Danach soll zwingend eine endoskopische Untersuchung des Kehlkopfs erfolgen.

Verwandte Leitlinien