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Antiemese bei Tumortherapie: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Einteilung der Emesis erfolgt in akut (< 24h), verzögert (> 24h bis 5 Tage) und antizipatorisch.
  • Die Prophylaxe richtet sich primär nach dem emetogenen Potenzial der Tumortherapie (hoch, moderat, gering, minimal).
  • Standard bei hochemetogener i.v.-Therapie ist die Kombination aus 5-HT3-RA, NK1-RA und Dexamethason, oft ergänzt durch Olanzapin.
  • Bei moderatem Risiko wird primär eine Zweifachkombination (5-HT3-RA + Dexamethason) empfohlen, bei Carboplatin AUC ≥ 4 jedoch eine Dreifachkombination.
  • Die Dexamethason-Dosis muss bei gleichzeitiger Gabe von NK1-Rezeptor-Antagonisten halbiert werden (CYP3A4-Interaktion).
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Hintergrund

Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen nach medikamentöser Tumortherapie sind ein zusammenhängender Symptomkomplex. Nach dem Zeitpunkt des Auftretens werden empirisch drei Formen unterschieden:

FormZeitraumAuslöser / Merkmal
AkutInnerhalb von 24hPeriphere Serotonin-Freisetzung (5-HT3-Rezeptoren)
Verzögert> 24h bis zu 5 TageZentrale Substanz P-Freisetzung (NK1-Rezeptoren)
AntizipatorischVor/während TherapieKlassische Konditionierung, Angst, externe Reize

Risikoklassifikation

Das Risiko wird primär durch das emetogene Potenzial der Tumortherapie bestimmt. Patientenindividuelle Faktoren (z.B. weibliches Geschlecht, junges Alter, Reisekrankheit) können das Risiko zusätzlich erhöhen.

StufeWahrscheinlichkeit (ohne Prophylaxe)
Hoch> 90 % (i.v.) / ≥ 30 % (oral)
Moderat30-90 % (i.v.) / ≥ 30 % (oral)
Gering10-30 % (i.v.) / < 30 % (oral)
Minimal< 10 % (i.v.) / < 30 % (oral)

Prophylaxe bei intravenöser Therapie

Die Erstlinienprophylaxe richtet sich nach der Risikostufe der geplanten Therapie. Vor jedem neuen Zyklus muss die Wirksamkeit evaluiert werden.

RisikostufeEmpfohlene Prophylaxe (Tag 1)Bemerkung
Hoch5-HT3-RA + NK1-RA + Dexamethason (+ Olanzapin)Olanzapin (5-10 mg) für 4 Tage empfohlen. NK1-RA und Dexa an Tag 2-4 fortführen (substanzabhängig).
Moderat5-HT3-RA + DexamethasonAusnahme: Bei Carboplatin AUC ≥ 4 wird zusätzlich ein NK1-RA empfohlen.
GeringDexamethason ODER 5-HT3-RA ODER MetoclopramidKeine generelle Kombination erforderlich.
MinimalKeine PrimärprophylaxeProphylaxe erst ab dem 2. Kurs bei Auftreten von Symptomen.

Prophylaxe bei oraler Therapie

RisikostufeEmpfohlene Prophylaxe
Hoch / Moderat5-HT3-RA (Tag 1-7) + Dexamethason (Tag 1-3)
Gering / MinimalNur bei individuellen Risikofaktoren: Metoclopramid ODER 5-HT3-RA ODER Dexamethason

Medikamentöse Therapieoptionen

  • 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten: Granisetron, Ondansetron, Palonosetron, Tropisetron. Weitgehend äquieffektiv. Palonosetron weist als einziger eine Wirksamkeit in der verzögerten Phase auf.
  • NK1-Rezeptor-Antagonisten: Aprepitant, Fosaprepitant, Netupitant. Besonders wirksam bei verzögertem Erbrechen. Achtung: Moderate CYP3A4-Inhibition erfordert Dosisreduktion von Dexamethason (bei der 20 mg Dosierung).
  • Kortikosteroide: Dexamethason ist Standard. Bei Checkpoint-Inhibitor-Monotherapie nicht notwendig, in Kombination mit emetogener Chemotherapie jedoch klar empfohlen.
  • Olanzapin: Atypisches Neuroleptikum, fester Bestandteil der Vierfachprophylaxe bei hohem Risiko (Off-label use).

Zweitlinientherapie (Rescue)

Bei rezidivierendem Erbrechen trotz leitliniengerechter Prophylaxe können folgende Substanzen interventionell eingesetzt werden:

  • Olanzapin (höchste Wirksamkeit im Vergleich)
  • Haloperidol
  • Metoclopramid (Tageshöchstdosis max. 30 mg bzw. 0,5 mg/kg KG beachten!)
  • Levomepromazin
  • Benzodiazepine (z.B. Lorazepam, besonders bei antizipatorischem Erbrechen)

💡Praxis-Tipp

Halbieren Sie die Dexamethason-Dosis (bei der 20 mg Dosierung), wenn Sie es mit den NK1-Rezeptor-Antagonisten Aprepitant, Fosaprepitant oder Netupitant kombinieren, da diese CYP3A4 moderat inhibieren.

Häufig gestellte Fragen

Die Kombination eines 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten mit einem NK1-Rezeptor-Antagonisten und Dexamethason, zunehmend ergänzt durch Olanzapin (Vierfachprophylaxe).
Wenn die Symptomatik später als 24 Stunden nach Beginn der medikamentösen Tumortherapie auftritt. Diese Phase kann bis zu 5 Tage andauern.
Bei Carboplatin mit einer AUC ≥ 4 wird abweichend vom moderaten Standard eine intensivierte Prophylaxe mit 5-HT3-RA, NK1-RA und Dexamethason empfohlen.
Die wichtigste Maßnahme ist die optimale medikamentöse Prophylaxe bereits im ersten Zyklus. Therapeutisch können Verhaltenstherapie und Benzodiazepine (z.B. Lorazepam) eingesetzt werden.
Bei Versagen der Prophylaxe können Olanzapin, Haloperidol, Metoclopramid (max. 30 mg/Tag), Levomepromazin oder Benzodiazepine eingesetzt werden.

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