ClariMedClariMed

Magenkarzinom: Leitlinie zur Therapie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnosesicherung erfolgt endoskopisch mit Biopsien, ergänzt durch Endosonographie (EUS) und CT für das Staging.
  • Im Stadium IA (T1a) ist unter bestimmten Kriterien eine endoskopische Resektion (ESD) ausreichend.
  • Ab Stadium IB bis III ist die radikale chirurgische Resektion mit D2-Lymphadenektomie und perioperativer FLOT-Chemotherapie der Standard.
  • Im Stadium IV richtet sich die Systemtherapie nach Biomarkern wie HER2, PD-L1, Mikrosatelliteninstabilität (MSI) und Claudin 18.2.
  • Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren (cT3/cT4) wird vor einer neoadjuvanten Therapie eine diagnostische Laparoskopie zum Ausschluss einer Peritonealkarzinose empfohlen.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Das Magenkarzinom gehört zu den häufigen malignen Erkrankungen, wobei die Inzidenz in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich abnimmt. Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Die Prognose wird maßgeblich vom Tumorstadium, der Histologie und dem Allgemeinzustand bestimmt.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:

  • Erworbene Faktoren: Helicobacter-pylori-Infektion, atrophische Gastritis, hoher Konsum von Salz und verarbeitetem Fleisch, Tabakkonsum, Adipositas und Reflux (insbesondere bei Karzinomen des ösophago-gastralen Übergangs).
  • Genetische Faktoren: Hereditäres diffuses Magenkarzinom (CDH1- oder CTNNA1-Mutation), Lynch-Syndrom, Peutz-Jeghers-Syndrom und familiäre Häufung.

Diagnostik und Staging

Die Basisdiagnostik umfasst die Endoskopie mit Biopsie (Beurteilung durch zwei erfahrene Pathologen). Bei fortgeschrittenen Neoplasien sollten 8-10 Biopsien entnommen werden, um ausreichend Material für die Biomarker-Testung zu gewinnen.

UntersuchungIndikation / Bemerkung
EndoskopieSensitivste Methode, ggf. mit Chromoendoskopie
Endosonographie (EUS)Zur Bestimmung der klinischen T-Kategorie (Wandinfiltration)
CT Thorax/Abdomen/BeckenDarstellung der lokoregionalen und fernen Metastasierung
Laparoskopie mit ZytologieBei cT3/cT4-Tumoren zum Ausschluss einer okkulten Peritonealkarzinose

Biomarker im Stadium IV

Bei metastasierten Tumoren ist die Bestimmung folgender Biomarker obligat:

  • HER2-Status
  • PD-L1 (Combined Positive Score [CPS] und Tumor Area Positivity [TAP])
  • Mismatch-Repair-Status (MMR) bzw. Mikrosatelliteninstabilität (MSI)
  • Claudin 18.2

Klassifikation

Histologisch wird das Magenkarzinom häufig nach der Laurén-Klassifikation eingeteilt:

  • Intestinaler Typ (ca. 54 %)
  • Diffuser Typ (ca. 32 %)
  • Unbestimmbarer Typ (ca. 15 %)

TNM-Klassifikation (8. Edition)

T-StadiumAusdehnung des Primärtumors
T1aInfiltration Lamina propria oder Muscularis mucosae
T1bInfiltration Submucosa
T2Infiltration Muscularis propria
T3Infiltration Subserosa
T4aPerforation der Serosa (viszerales Peritoneum)
T4bInfiltration benachbarter Strukturen

Therapie nach Stadien

Die Therapieplanung muss zwingend in einem multidisziplinären Tumorboard erfolgen.

Stadium IA – T1a (Frühkarzinom)

Eine endoskopische Resektion (ESD) ist als kurativer Ansatz ausreichend, wenn spezifische Kriterien erfüllt sind:

KriteriumVoraussetzung für endoskopische Resektion
Größe<2 cm (erhabener Typ) oder <1 cm (flacher Typ)
HistologieGut oder mäßig differenziert (G1/G2)
UlzerationKeine makroskopische Ulzeration
InvasionStreng auf die Mukosa begrenzt

Stadium IA – T1b

Bei Infiltration der Submukosa liegt das Risiko für Lymphknotenmetastasen bei 25-28 %. Therapie der Wahl ist die radikale chirurgische Resektion (Gastrektomie) mit systematischer Lymphadenektomie. Eine Chemotherapie ist hier nicht belegt.

Stadium IB – III

Der Standard ist ein multimodales Konzept aus Operation und perioperativer Systemtherapie.

  • Chirurgie: Radikale Resektion (subtotale, totale oder transhiatal erweiterte Gastrektomie) mit D2-Lymphadenektomie (Entfernung von mind. 15-25 Lymphknoten).
  • Perioperative Chemotherapie: Standard ist das FLOT-Schema (5-Fluorouracil, Folinsäure, Oxaliplatin, Docetaxel) prä- und postoperativ.
  • Immuntherapie: Bei MSI-high Tumoren zeigt die Hinzunahme von Immuncheckpoint-Inhibitoren (z. B. Durvalumab) deutlich erhöhte Remissionsraten.

Stadium IV (Palliative Therapie)

Die systemische Therapie im metastasierten Stadium richtet sich nach dem molekularen Profil des Tumors.

TherapielinieTherapieoptionenBemerkung / Biomarker
1. LiniePlatin + FluoropyrimidinBasis-Chemotherapie
1. Linie (HER2+)+ Trastuzumab (+ Pembrolizumab)Pembrolizumab zusätzlich, wenn PD-L1 CPS ≥ 1
1. Linie (PD-L1+)+ Nivolumab oder PembrolizumabNivolumab ab CPS ≥ 5; Pembrolizumab ab CPS ≥ 10
1. Linie (Claudin 18.2+)+ ZolbetuximabBei starker Expression (≥ 75 % der Zellen)
1. Linie (MSI-high)PD-1-InhibitorHohe Effektivität bei MMR-Defizienz
2. LinieRamucirumab + PaclitaxelStandard in der Zweitlinie
2. Linie (HER2+)Trastuzumab-Deruxtecan (T-DXd)Nach vorheriger Trastuzumab-Therapie
3. LinieTrifluridin/Tipiracil (TAS-102)Orale Therapieoption

Supportive Therapie

Ein regelmäßiges Ernährungs- und Symptomscreening ist essenziell. Bei Dysphagie durch proximale Tumoren kann eine Stent-Einlage oder Strahlentherapie indiziert sein. Nach einer Gastrektomie ist eine lebenslange Substitution von Vitamin B12 erforderlich.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei cT3/cT4-Tumoren vor Beginn einer neoadjuvanten Therapie immer eine diagnostische Laparoskopie mit Lavage durch, um eine okkulte Peritonealkarzinose auszuschließen.

Häufig gestellte Fragen

Im Stadium IA (T1a) bei Läsionen <2 cm (erhaben) oder <1 cm (flach), G1/G2-Differenzierung, fehlender Ulzeration und rein mukosaler Begrenzung.
Zur Standarddiagnostik gehören der HER2-Status, PD-L1 (CPS und TAP), der Mismatch-Repair-Status (MSI) und Claudin 18.2.
Für die Stadien IB bis III wird eine perioperative Chemotherapie nach dem FLOT-Schema (5-FU, Folinsäure, Oxaliplatin, Docetaxel) empfohlen.
Standard ist die D2-Lymphadenektomie, bei der neben den perigastrischen Lymphknoten auch die Lymphknoten entlang der großen Gefäße (A. gastrica sinistra, A. hepatica communis, A. splenica, Truncus coeliacus) entfernt werden.

Verwandte Leitlinien