Nintedanib bei IPF: Zusatznutzen und Exazerbationen
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bewertet den Zusatznutzen von Nintedanib. Das Arzneimittel wird zur Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose (IPF) bei Erwachsenen eingesetzt.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) Best supportive Care (BSC) oder Pirfenidon festgelegt. Die Bewertung des IQWiG stützt sich auf den Vergleich von Nintedanib plus BSC gegenüber Placebo plus BSC.
Die Datengrundlage bilden vier randomisierte, kontrollierte Studien (INPULSIS 1, INPULSIS 2, 1199.187 und TOMORROW). Diese untersuchten patientenrelevante Endpunkte wie Mortalität, Morbidität, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Nebenwirkungen über einen Zeitraum von mindestens 24 Wochen.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht kommt zu folgenden Ergebnissen bezüglich des Zusatznutzens von Nintedanib bei idiopathischer Lungenfibrose:
Gesamtaussage zum Zusatznutzen
In der Gesamtschau stellt das IQWiG einen Beleg für einen geringen Zusatznutzen von Nintedanib im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie fest. Dieses Ergebnis setzt sich aus positiven Effekten bei der Morbidität und negativen Effekten bei den Nebenwirkungen zusammen.
Positive Effekte (Morbidität)
Für den Endpunkt der adjudizierten akuten Exazerbationen zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Nintedanib. Daraus leitet der Bericht einen Beleg für einen beträchtlichen Zusatznutzen ab.
Bei anderen Morbiditätsparametern wie Belastbarkeit (6-Minuten-Gehtest), Husten oder Dyspnoe konnte kein Zusatznutzen belegt werden. Auch für das Gesamtüberleben ergab sich kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen.
Negative Effekte (Nebenwirkungen)
Im Bereich der unerwünschten Ereignisse zeigt die Auswertung einen Beleg für einen höheren Schaden mit dem Ausmaß "beträchtlich". Dieser negative Effekt betrifft spezifisch die Systemorganklasse der Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts.
Zu den maßgeblichen gastrointestinalen Nebenwirkungen, die unter Nintedanib häufiger auftraten, gehören:
-
Diarrhö
-
Übelkeit
-
Erbrechen
-
Schmerzen im Oberbauch
Dieser höhere Schaden stellt den Vorteil bei den akuten Exazerbationen laut Bericht nicht gänzlich infrage. Er führt jedoch zu einer Herabstufung des Gesamtausmaßes des Zusatznutzens.
Dosierung
Die in den bewerteten Studien angewandte Dosierung von Nintedanib richtete sich nach der Fachinformation:
| Wirkstoff | Standarddosierung | Dosisreduktion bei Nebenwirkungen |
|---|---|---|
| Nintedanib | 150 mg 2-mal täglich (oral) | 100 mg 2-mal täglich (oral) |
Beim Auftreten von unerwünschten Ereignissen war in den Studien eine Dosisreduktion oder eine Therapieunterbrechung vorgesehen. Nach Abklingen der Nebenwirkungen war eine Re-Eskalation auf die ursprüngliche Dosis von 150 mg 2-mal täglich möglich.
Kontraindikationen
Laut den im Bericht zitierten Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung gelten folgende Warnhinweise und Kontraindikationen:
-
Eine Therapie bei mittelschwerer und schwerer Leberfunktionsstörung wird nicht empfohlen.
-
Bei Überempfindlichkeit gegen Nintedanib, Erdnuss, Soja oder Weichkapsel-Bestandteile ist die Behandlung nicht angezeigt.
-
Nintedanib darf während einer Schwangerschaft nicht angewendet werden.
-
Vorsicht ist geboten bei Patienten mit hohem kardiovaskulären Risiko, Blutungsrisiko oder vorangegangenen abdominalchirurgischen Eingriffen.
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht hebt hervor, dass Nintedanib das Risiko für akute Exazerbationen bei idiopathischer Lungenfibrose signifikant senkt, jedoch mit einer deutlichen Zunahme gastrointestinaler Nebenwirkungen einhergeht. Es wird darauf hingewiesen, dass vor Beginn und während der ersten Behandlungsmonate eine regelmäßige Kontrolle der Lebertransaminasen und des Bilirubinspiegels erfolgen sollte. Bei starken Nebenwirkungen ist eine Dosisreduktion auf 100 mg zweimal täglich ein in den Studien etabliertes Vorgehen.
Häufig gestellte Fragen
Der IQWiG-Bericht stellt einen Beleg für einen geringen Zusatznutzen von Nintedanib im Vergleich zu Best supportive Care fest. Dieser ergibt sich aus einer Abwägung von positiven Effekten bei Exazerbationen und vermehrten gastrointestinalen Nebenwirkungen.
Laut der Nutzenbewertung kommt es unter Nintedanib signifikant häufiger zu Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts. Dazu zählen insbesondere Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen im Oberbauch.
In der Metaanalyse der eingeschlossenen Studien zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied beim Gesamtüberleben zwischen Nintedanib und Placebo. Ein Zusatznutzen bezüglich der Mortalität ist laut IQWiG somit nicht belegt.
Der Gemeinsame Bundesausschuss hat Best supportive Care (BSC) oder Pirfenidon als zweckmäßige Vergleichstherapie festgelegt. Die vorliegende Bewertung basiert auf dem Vergleich von Nintedanib plus BSC gegen Placebo plus BSC.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG A19-36: Nintedanib (idiopathische Lungenfibrose) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
IQWiG A20-71: Nintedanib (interstitielle Lungenerkrankung) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A20-70: Nintedanib (interstitielle Lungenerkrankung bei Erwachsenen mit systemischer Sklerose) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A19-64: Nintedanib (idiopathische Lungenfibrose) - Addendum zum Auftrag A19-36
IQWiG A25-30 : Nintedanib (fibrosierende interstitielle Lungenerkrankung, 6 bis < 18 Jahre) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A11-18: Pirfenidon - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Dossierbewertung)
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen