Nintedanib bei PF-ILD: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A20-71 bewertet den Zusatznutzen von Nintedanib bei Erwachsenen mit anderen chronisch progredient fibrosierenden interstitiellen Lungenerkrankungen (PF-ILD). Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss Best Supportive Care (BSC) festgelegt.
Die Bewertung basiert maßgeblich auf der placebokontrollierten INBUILD-Studie. Eingeschlossen wurden Personen mit einer diffus fibrosierenden Lungenerkrankung in über 10 % des Lungenvolumens, die trotz Therapie eine Verschlechterung der Lungenfunktion zeigten.
Patientinnen und Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose (IPF) waren von der Untersuchung ausgeschlossen. Die primäre Analyse der Wirksamkeitsendpunkte erfolgte nach einer Behandlungsdauer von 52 Wochen.
Empfehlungen
Die Nutzenbewertung kommt zu folgenden zentralen Ergebnissen bezüglich der Therapie mit Nintedanib:
Gesamtaussage zum Zusatznutzen
Laut Bewertung ergibt sich in der Gesamtschau ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen von Nintedanib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie BSC.
Dieser Zusatznutzen wird durch folgende Faktoren begründet:
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Ein positiver Effekt zeigt sich beim kombinierten Endpunkt akute Exazerbation oder Tod.
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Dem stehen negative Effekte durch Nebenwirkungen unterschiedlichen Schweregrads gegenüber.
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Die schweren Nebenwirkungen stellen den positiven Effekt auf Exazerbationen jedoch nicht vollständig infrage.
Mortalität und Morbidität
Für das Gesamtüberleben zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen. Ein Zusatznutzen ist für diesen Endpunkt laut Bericht nicht belegt.
Die forcierte Vitalkapazität (FVC) wird in dieser Bewertung nicht als valides Surrogat für das Gesamtüberleben akzeptiert. Die methodische Durchführung der Surrogatvalidierung wurde als fehlerhaft eingestuft.
Nebenwirkungen
Die Bewertung stellt einen Hinweis auf einen höheren Schaden durch Nintedanib in folgenden Bereichen fest:
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Therapieabbrüche wegen unerwünschter Ereignisse
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Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts (insbesondere Diarrhö)
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Leber- und Gallenerkrankungen
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Verminderter Appetit (insbesondere bei Personen unter 65 Jahren)
Dosierung
Die INBUILD-Studie untersuchte folgende Dosierungsschemata für Nintedanib:
| Medikament | Standarddosis | Dosisreduktion bei Nebenwirkungen |
|---|---|---|
| Nintedanib | 150 mg 2-mal täglich (oral) | 100 mg 2-mal täglich (oral) |
Laut Studienprotokoll ist bei therapieassoziierten unerwünschten Ereignissen eine Unterbrechung der Therapie für bis zu 4 Wochen mit anschließender Wiederaufnahme in reduzierter Dosis erlaubt. Eine spätere Dosissteigerung auf 150 mg ist möglich.
Kontraindikationen
Gemäß den Ausschlusskriterien der zugrundeliegenden Studie durften bestimmte Vor- und Begleitbehandlungen nicht mit Nintedanib kombiniert werden. Dazu zählten:
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Pirfenidon
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Immunmodulatoren wie Azathioprin, Ciclosporin, Tacrolimus und Mycophenolat-Mofetil (ab 4 Wochen vor Randomisierung)
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Orale Kortikosteroide in einer Dosis von über 20 mg pro Tag
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Antikoagulanzien in voller Dosis sowie hochdosierte Thrombozytenaggregationshemmer
💡Praxis-Tipp
Laut IQWiG-Bewertung ist unter der Therapie mit Nintedanib mit einem signifikant höheren Risiko für gastrointestinale Nebenwirkungen, insbesondere Diarrhö, sowie Leber- und Gallenerkrankungen zu rechnen. Es wird im Studienprotokoll beschrieben, dass auftretender Durchfall so früh wie möglich mit einer Standardtherapie (zum Beispiel Loperamid) behandelt werden sollte. Bei erheblicher Toxizität oder wenn eine reduzierte Dosis nicht toleriert wird, ist ein Therapieabbruch vorgesehen.
Häufig gestellte Fragen
Das IQWiG sieht einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen von Nintedanib im Vergleich zu Best Supportive Care. Dies basiert vor allem auf positiven Effekten bei der Vermeidung von akuten Exazerbationen.
Laut der vorliegenden IQWiG-Bewertung wird die forcierte Vitalkapazität (FVC) in diesem Kontext nicht als valides Surrogat für das Gesamtüberleben betrachtet. Die methodische Durchführung der Surrogatvalidierung durch den pharmazeutischen Unternehmer wurde als fehlerhaft eingestuft.
Die Bewertung zeigt einen signifikant höheren Schaden durch gastrointestinale Ereignisse wie Diarrhö sowie durch Leber- und Gallenerkrankungen. Zudem kam es unter Nintedanib häufiger zu Therapieabbrüchen aufgrund von unerwünschten Ereignissen.
Die vorliegende Bewertung bezieht sich explizit auf andere chronisch progredient fibrosierende interstitielle Lungenerkrankungen (PF-ILD). Personen mit der Diagnose IPF waren von der zugrundeliegenden INBUILD-Studie ausgeschlossen.
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Quelle: IQWiG A20-71: Nintedanib (interstitielle Lungenerkrankung) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.