Nierenzellkarzinom: Pembrolizumab-Erstlinientherapie
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A21-163 bewertet den Zusatznutzen von Pembrolizumab in Kombination mit Lenvatinib.
Die Bewertung bezieht sich auf die Erstlinientherapie bei erwachsenen Personen mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom.
Dabei wird zwischen zwei Patientengruppen unterschieden: Personen mit günstigem Risikoprofil (IMDC-Score 0) und Personen mit intermediärem (IMDC-Score 1 bis 2) oder ungünstigem Risikoprofil (IMDC-Score ≥ 3).
Empfehlungen
Die Nutzenbewertung formuliert folgende zentrale Ergebnisse:
Bewertung des Zusatznutzens
Laut Bericht ist ein Zusatznutzen von Pembrolizumab in Kombination mit Lenvatinib für beide untersuchten Patientengruppen nicht belegt.
Es liegen gemäß der Bewertung keine geeigneten Daten für einen direkten Vergleich mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie vor.
Methodische Einschränkungen
Der vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegte indirekte Vergleich über den Brückenkomparator Sunitinib wird vom IQWiG als nicht sachgerecht eingestuft.
Folgende methodische Mängel werden im Bericht hervorgehoben:
-
Es wurden nicht die aktuellsten verfügbaren Datenschnitte der Studien CLEAR und KEYNOTE 426 herangezogen.
-
Die Ähnlichkeit der relevanten Teilpopulationen konnte aufgrund fehlender Daten zu Patientencharakteristika nicht beurteilt werden.
-
Für Endpunkte wie Morbidität und gesundheitsbezogene Lebensqualität lagen keine verwertbaren Daten für einen indirekten Vergleich vor.
Zweckmäßige Vergleichstherapie
Das IQWiG betont, dass Sunitinib nicht als alleinige Vergleichstherapie ausreicht.
Die Leitlinie empfiehlt Sunitinib nur dann, wenn eine Checkpointinhibitor-basierte Kombinationstherapie nicht durchgeführt werden kann.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie gelten stattdessen Kombinationen wie Pembrolizumab plus Axitinib oder Nivolumab plus Ipilimumab.
Dosierung
Der Bericht führt folgende Dosierungsschemata der untersuchten Studien auf:
| Wirkstoff | Dosierung | Applikationsweg | Zyklus |
|---|---|---|---|
| Pembrolizumab | 200 mg | intravenös | alle 3 Wochen |
| Lenvatinib | 20 mg/Tag | oral | täglich |
| Sunitinib | 50 mg/Tag | oral | 4 Wochen Therapie, 2 Wochen Pause |
| Axitinib | 5 mg (2-mal täglich) | oral | täglich |
Laut Fachinformation kann die Behandlung mit Pembrolizumab bei Erwachsenen alternativ auch mit 400 mg alle 6 Wochen erfolgen.
Es wird darauf hingewiesen, dass Dosisreduktionen von Pembrolizumab nicht empfohlen werden. Bei Lenvatinib sind Dosisreduktionen oder Therapieunterbrechungen gemäß Fachinformation möglich.
Kontraindikationen
Der Bericht nennt folgende Warnhinweise und Einschränkungen für die Anwendung:
-
Eine systemische Anwendung von Kortikosteroiden oder Immunsuppressiva vor Therapiebeginn sollte vermieden werden, da dies die Wirksamkeit beeinträchtigen kann.
-
Nach Beginn der Therapie können diese Medikamente jedoch zur Behandlung von immunvermittelten Nebenwirkungen eingesetzt werden.
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Die Anwendung bei schwerer Nieren- oder Leberfunktionseinschränkung wurde nicht ausreichend untersucht und erfordert eine besondere klinische Überwachung.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiges klinisches Phänomen unter Pembrolizumab ist das atypische Ansprechen, bei dem es initial zu einem vorübergehenden Tumorwachstum oder dem Auftreten kleiner neuer Läsionen kommen kann. Der Bericht weist darauf hin, dass klinisch stabile Personen bei einem initialen Befund eines Fortschreitens der Erkrankung bis zur definitiven Bestätigung der Progression weiterbehandelt werden sollten. Zudem wird eine engmaschige Überwachung auf immunvermittelte Nebenwirkungen (irARs) dringend angeraten.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen für die Erstlinientherapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms nicht belegt. Es fehlten geeignete Daten für einen direkten oder indirekten Vergleich mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie.
Für Personen mit einem günstigen Risikoprofil (IMDC-Score 0) legt der G-BA Pembrolizumab in Kombination mit Axitinib als zweckmäßige Vergleichstherapie fest.
Der Bericht hält fest, dass Dosisreduktionen von Pembrolizumab nicht empfohlen werden. Bei Toxizität sollte die Therapie unterbrochen oder abgesetzt werden, während bei Lenvatinib Dosisanpassungen möglich sind.
Es wird empfohlen, systemische Kortikosteroide vor Therapiebeginn zu vermeiden, da sie die Wirksamkeit von Pembrolizumab beeinträchtigen können. Zur Behandlung von späteren immunvermittelten Nebenwirkungen dürfen sie jedoch eingesetzt werden.
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Quelle: IQWiG A21-163: Pembrolizumab (Nierenzellkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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