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Harnwegsinfektion bei Kindern: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Säuglinge unter 3 Monaten mit Verdacht auf HWI müssen umgehend pädiatrisch überwiesen und parenteral antibiotisch behandelt werden.
  • Bei Kindern von 3 Monaten bis 3 Jahren entscheidet der Urin-Schnelltest (Leukozytenesterase/Nitrit) über die sofortige Antibiose.
  • Die Indikation zur Bildgebung (Sonographie, DMSA-Scan, MCUG) richtet sich streng nach Alter, Ansprechen auf Therapie und Vorliegen einer atypischen oder rezidivierenden HWI.
  • Asymptomatische Bakteriurien werden weder antibiotisch behandelt noch routinemäßig nachkontrolliert.
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Hintergrund

Die Diagnostik und Therapie von Harnwegsinfektionen (HWI) bei Kindern unter 16 Jahren erfordert ein strukturiertes Vorgehen, um Nierenschäden zu vermeiden und Überdiagnostik zu reduzieren. Diese Leitlinie schließt Kinder mit Dauerkatheter, neurogener Blase oder signifikanten urologischen Vorerkrankungen aus.

Symptome und klinische Wahrscheinlichkeit

Die Diagnose einer HWI bei Kindern ist oft erschwert, da die Symptome unspezifisch sein können. Die folgende Tabelle hilft bei der klinischen Einschätzung:

Erhöhte Wahrscheinlichkeit für HWIVerringerte Wahrscheinlichkeit für HWI
Schmerzhaftes Wasserlassen (Dysurie)Fehlende Dysurie
Häufiges WasserlassenWindeldermatitis
Neues EinnässenAtembeschwerden
Übelriechender, dunkler oder trüber UrinAbnorme Atemgeräusche
MakrohämaturieAbnorme Ohruntersuchung
Reduzierte FlüssigkeitsaufnahmeFieber mit bekannter anderer Ursache
Fieber, Schüttelfrost, Bauchschmerzen
Flanken- oder suprapubischer Schmerz
Rekapillarisierungszeit > 3 Sekunden
Bekannte HWI in der Vorgeschichte

Säuglinge unter 3 Monaten mit Verdacht auf HWI müssen immer an einen pädiatrischen Spezialisten überwiesen werden. Es erfolgt eine sofortige Urinkultur und eine parenterale Antibiose.

Uringewinnung

  • Urinproben vor Beginn der Antibiose entnehmen.
  • Bevorzugt die Clean-Catch-Methode (Mittelstrahlurin) anwenden.
  • Alternativ nicht-invasive Methoden wie Urin-Sammelpads nutzen (Herstellerangaben beachten).
  • Keine Wattebäusche, Gaze oder Damenbinden zur Uringewinnung verwenden.
  • Katheter oder suprapubische Blasenpunktion (unter Ultraschallkontrolle) nur, wenn nicht-invasive Methoden nicht praktikabel sind.
  • Proben sofort kühlen oder mit Borsäure konservieren, falls die Kultur nicht binnen 4 Stunden erfolgt.

Urindiagnostik und Schnelltests

Die Interpretation des Urin-Schnelltests (Dipstick) ist altersabhängig.

Kinder von 3 Monaten bis 3 Jahren

  • Leukozytenesterase UND Nitrit negativ: Keine Antibiose, keine Kultur (außer bei speziellen Indikationen).
  • Leukozytenesterase ODER Nitrit positiv: Urinkultur anlegen und Antibiose starten.

Kinder ab 3 Jahren

LeukozytenesteraseNitritStrategie
PositivPositivHWI annehmen. Antibiose starten. Kultur bei hohem Risiko oder rezidivierender HWI.
NegativPositivAntibiose starten (bei frischem Urin). Kultur anlegen.
PositivNegativKultur anlegen. Antibiose nur bei starkem klinischem Verdacht.
NegativNegativKeine HWI. Keine Antibiose, keine Kultur. Andere Ursachen suchen.

Indikationen für eine Urinkultur: Verdacht auf obere HWI (Pyelonephritis), hohes Risiko für schwere Erkrankung, Alter < 3 Monate, positiver Schnelltest (Leukozyten/Nitrit), rezidivierende HWI, fehlendes Ansprechen auf Therapie nach 24-48h.

Differenzierung: Obere vs. Untere HWI

  • Akute obere HWI (Pyelonephritis): Bakteriurie UND Fieber ≥ 38°C ODER Bakteriurie + Fieber < 38°C + Flankenschmerz/-druckschmerz.
  • Untere HWI (Zystitis): Bakteriurie ohne systemische Symptome.
  • Das C-reaktive Protein (CRP) darf nicht allein zur Differenzierung herangezogen werden.

Akuttherapie und Management

  • Asymptomatische Bakteriurie: Weder antibiotisch behandeln noch routinemäßig nachkontrollieren.
  • Prophylaxe: Nach einer erstmaligen HWI nicht routinemäßig empfehlen.
  • Allgemeinmaßnahmen: Ausreichende Trinkmenge sicherstellen, Zugang zu sauberen Toiletten gewähren, Dysfunktionen (z.B. Obstipation) behandeln.

Bildgebung

Die Bildgebung dient dem Ausschluss struktureller Anomalien. Die Indikation richtet sich nach Alter und Verlauf.

Definitionen:

  • Atypische HWI: Schweres Krankheitsbild, schlechter Harnstrahl, palpable Raumforderung, erhöhtes Kreatinin, Sepsis, Non-E. coli, kein Ansprechen auf Antibiose binnen 48h.
  • Rezidivierende HWI: ≥ 2 obere HWIs ODER 1 obere + ≥ 1 untere HWI ODER ≥ 3 untere HWIs.
AlterGutes Ansprechen (<48h)Atypische HWIRezidivierende HWI
< 6 MonateUltraschall (binnen 6 Wochen)Ultraschall (akut), DMSA (4-6 Monate), MCUGUltraschall (akut), DMSA (4-6 Monate), MCUG
6 Mon. - < 3 JahreKeine BildgebungUltraschall (akut), DMSA (4-6 Monate)Ultraschall (binnen 6 Wochen), DMSA (4-6 Monate)
≥ 3 JahreKeine BildgebungUltraschall (akut)Ultraschall (binnen 6 Wochen), DMSA (4-6 Monate)

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie bei Säuglingen und Kleinkindern keine Wattebäusche oder Vorlagen zur Uringewinnung für Kulturen. Bevorzugen Sie die Clean-Catch-Methode oder im Zweifel den Katheter bzw. die Blasenpunktion.

Häufig gestellte Fragen

Bei Kindern ab 3 Monaten. Bei Säuglingen unter 3 Monaten muss immer eine Urinkultur angelegt und sofort eine pädiatrische Überweisung veranlasst werden.
Nein. Eine asymptomatische Bakteriurie wird weder antibiotisch behandelt noch routinemäßig nachkontrolliert.
Bei allen Säuglingen unter 6 Monaten (binnen 6 Wochen) sowie bei Kindern jeden Alters, wenn eine atypische HWI vorliegt (Ultraschall während der Akutphase).
Dazu zählen ein schweres Krankheitsbild, schlechter Harnstrahl, palpable Raumforderungen, erhöhtes Kreatinin, Sepsis, Infektionen mit Non-E. coli-Erregern oder ein fehlendes Ansprechen auf Antibiotika innerhalb von 48 Stunden.
Nein, das C-reaktive Protein (CRP) darf laut Leitlinie nicht allein zur Differenzierung zwischen akuter oberer und unterer HWI verwendet werden.

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