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Neonatale Infektionen: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine intrapartale Antibiose ist u.a. indiziert bei Frühgeburtlichkeit, GBS-Nachweis oder klinischem Amnioninfektionssyndrom.
  • Bei 'Red Flag'-Symptomen oder ≥2 Risikofaktoren für eine Early-Onset-Infektion muss sofort eine empirische Antibiose gestartet werden.
  • Vor Antibiotikagabe sind immer eine Blutkultur und die Bestimmung des Ausgangs-CRP erforderlich.
  • Die kalkulierte Therapie der Early-Onset-Infektion besteht aus Benzylpenicillin und Gentamicin.
  • Eine Lumbalpunktion sollte bei starkem klinischen Verdacht oder Meningitis-Zeichen durchgeführt werden, sofern der Patient stabil ist.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie behandelt die Prävention und Behandlung bakterieller Infektionen bei Neugeborenen bis zum 28. Lebenstag (korrigiertes Gestationsalter). Es wird zwischen Early-Onset-Infektionen (innerhalb der ersten 72 Lebensstunden) und Late-Onset-Infektionen (ab 72 Stunden nach der Geburt) unterschieden.

Prävention vor der Geburt

Eine intrapartale Antibiose wird empfohlen bei:

  • Drohender Frühgeburt
  • GBS-Kolonisation, -Bakteriurie oder -Infektion in der aktuellen Schwangerschaft
  • GBS-Nachweis in einer früheren Schwangerschaft (ohne negativen Test in der aktuellen Schwangerschaft zwischen 35-37 SSW)
  • Früherem Kind mit invasiver GBS-Infektion
  • Klinischer Diagnose eines Amnioninfektionssyndroms (Chorioamnionitis)
Allergie-StatusOhne ChorioamnionitisMit Chorioamnionitis
Keine Penicillin-AllergieBenzylpenicillinBenzylpenicillin + Gentamicin + Metronidazol
Leichte Penicillin-AllergieCephalosporin (z.B. Cefotaxim)Cephalosporin + Metronidazol
Schwere Penicillin-AllergieVancomycin (oder Alternative nach Antibiogramm)Vancomycin + Gentamicin + Metronidazol

Risikofaktoren und klinische Zeichen (Early-Onset)

Die Leitlinie definiert spezifische Warnzeichen (Red Flags) und weitere Risikofaktoren, die das klinische Management leiten.

KategorieRed FlagsWeitere Faktoren/Zeichen
Maternale/Fetale RisikofaktorenVerdacht/bestätigte Infektion bei einem anderen Kind (Mehrlingsschwangerschaft)GBS-Nachweis, Frühgeburt <37 SSW, vorzeitiger Blasensprung (>18h bei Frühgeburt, >24h bei Termingeburt), intrapartales Fieber >38°C, Chorioamnionitis
Klinische Zeichen beim NeugeborenenApnoe, Krampfanfälle, Reanimationspflichtigkeit, Beatmungspflichtigkeit, SchockzeichenVerändertes Verhalten/Muskeltonus, Trinkschwäche, Bradykardie/Tachykardie, Atemnotsyndrom, Zyanose, Ikterus <24h, Temperatur <36°C oder >38°C, Hypo-/Hyperglykämie

Klinisches Management:

  • Bei ≥1 Red Flag oder ≥2 weiteren Faktoren: Sofortige Blutkultur, CRP-Bestimmung und Start der Antibiose. Nicht auf Laborergebnisse warten.
  • Bei 1 weiterem Faktor (ohne Red Flags): Klinische Überwachung der Vitalparameter für mindestens 12 Stunden.

Diagnostik

Vor Beginn einer Antibiotikatherapie müssen folgende Schritte erfolgen:

  • Blutkultur abnehmen
  • Ausgangs-CRP bestimmen
  • Keine routinemäßigen Urin- oder Hautabstrich-Untersuchungen bei Early-Onset-Infektionen

Lumbalpunktion

Eine Lumbalpunktion ist indiziert bei starkem klinischen Verdacht auf eine Infektion oder bei Meningitis-Zeichen.

Kontraindikationen:

  • Instabile Atemwege oder respiratorische Insuffizienz
  • Schock oder unkontrollierte Krampfanfälle
  • Blutungsneigung oder ausgedehnte Purpura
  • Zeichen eines erhöhten Hirndrucks (z.B. neue fokale Neurologie, abnorme Pupillenreaktion)

Antibiotische Therapie

Die Gabe von Antibiotika muss innerhalb von 1 Stunde nach der Behandlungsentscheidung erfolgen.

Early-Onset-Infektion

WirkstoffDosierungBemerkung
Benzylpenicillin25 mg/kg alle 12hIntervallverkürzung auf 8h bei sehr kranken Kindern erwägen
Gentamicin5 mg/kg alle 36h (Startdosis)Therapeutisches Drug Monitoring erforderlich

Hinweis: Bei mikrobiologischem Nachweis gramnegativer Bakterien wird ein gramnegativ-wirksames Antibiotikum (z.B. Cefotaxim) ergänzt und Benzylpenicillin abgesetzt.

Late-Onset-Infektion

Für Neugeborene auf der Station wird als Erstlinientherapie eine Kombination aus Schmalspektrum-Antibiotika empfohlen (z.B. intravenöses Flucloxacillin + Gentamicin). Bei Verdacht auf nekrotisierende Enterokolitis (NEC) ist Metronidazol zu ergänzen.

Neonatale Meningitis

| Erreger / Situation | Empfohlene Therapie | |---|---|---| | Unbekannter Erreger | Amoxicillin + Cefotaxim | | Gramnegative Bakterien | Cefotaxim (Amoxicillin absetzen) | | GBS (Streptokokken Gr. B) | Benzylpenicillin (50 mg/kg alle 12h) + Gentamicin | | Listeria | Amoxicillin + Gentamicin |

Therapeutisches Drug Monitoring (Gentamicin)

  • Talspiegel (Trough): Messung unmittelbar vor der zweiten Dosis. Zielwert: < 2 mg/l (bzw. < 1 mg/l bei mehr als 3 Dosen).
  • Spitzenspiegel (Peak): Messung 1 Stunde nach Gabe. Erwägen bei Ödemen, Makrosomie (>4,5 kg), unzureichendem Ansprechen oder gramnegativer Infektion.

💡Praxis-Tipp

Starten Sie die empirische Antibiose bei Neugeborenen mit Red-Flag-Symptomen immer innerhalb von einer Stunde nach der Entscheidung. Warten Sie keinesfalls auf Laborergebnisse.

Häufig gestellte Fragen

Unter anderem bei drohender Frühgeburt, GBS-Nachweis in der aktuellen oder einer früheren Schwangerschaft, Amnioninfektionssyndrom oder einem früheren Kind mit invasiver GBS-Infektion.
Die Leitlinie empfiehlt als erste Wahl die Kombination aus intravenösem Benzylpenicillin und Gentamicin.
Bei kardiorespiratorischer Instabilität, Schock, unkontrollierten Krampfanfällen, Blutungsneigung oder klinischen Zeichen eines erhöhten Hirndrucks.
Mit einer Kombination aus intravenösem Amoxicillin und Cefotaxim.
Der Talspiegel (Trough) sollte unter 2 mg/l liegen. Bei einer Therapiedauer von mehr als 3 Dosen wird ein Talspiegel von unter 1 mg/l angestrebt.

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