Tinnitus: Diagnostik, Therapie & Leitlinien-Empfehlung
Hintergrund
Tinnitus beschreibt die Wahrnehmung von Geräuschen ohne eine externe Schallquelle. Es handelt sich um ein häufiges Symptom, das bei vielen Betroffenen mit einem Hörverlust einhergeht.
Die Ausprägung und die Auswirkungen auf die Lebensqualität sind sehr individuell. Während einige Menschen gut mit dem Tinnitus leben können, leiden andere unter erheblichen Einschränkungen bei der Konzentration, beim Schlaf oder in der psychischen Gesundheit.
Die NICE-Leitlinie NG155 bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur strukturierten Abklärung, Überweisung und Behandlung von Tinnitus bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen. Ziel ist es, ernsthafte Ursachen auszuschließen und die Belastung durch gezielte Therapiestrategien zu lindern.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Abklärung und Behandlung:
Dringliche Überweisungen
Eine sofortige Überweisung (z.B. in die Psychiatrie oder Notaufnahme) wird bei hohem Suizidrisiko, plötzlichen neurologischen Ausfällen, akutem unkontrolliertem Schwindel oder Verdacht auf einen Schlaganfall empfohlen.
Eine fachärztliche Vorstellung innerhalb von 24 Stunden soll erfolgen, wenn ein plötzlicher Hörverlust innerhalb der letzten 30 Tage aufgetreten ist.
Eine Überweisung innerhalb von 2 Wochen wird bei starker psychischer Belastung oder einem länger zurückliegenden, plötzlichen Hörverlust empfohlen.
Diagnostik und Fragebögen
Allen Betroffenen wird eine audiologische Basisuntersuchung empfohlen.
Zur strukturierten Erfassung der Tinnitus-Belastung im Alltag sollte bei Erwachsenen der Tinnitus Functional Index eingesetzt werden.
Zusätzlich wird empfohlen, gezielt nach Schlafproblemen und psychischen Belastungen zu fragen. Hierfür können Instrumente wie der Insomnia Severity Index oder der Tinnitus-Fragebogen (TQ) genutzt werden.
Bildgebung
Die Indikation zur Bildgebung richtet sich nach der Art des Tinnitus und den Begleitsymptomen.
| Tinnitus-Art | Begleitsymptome | Empfohlene Bildgebung |
|---|---|---|
| Nicht-pulsatil, symmetrisch | Keine | Keine Bildgebung |
| Nicht-pulsatil, unilateral/asymmetrisch | Keine | MRT (oder CT) des inneren Gehörgangs erwägen |
| Nicht-pulsatil | Neurologische/otologische Symptome | MRT (oder CT) des inneren Gehörgangs (IAM) |
| Pulsatil, synchron | Keine (Normalbefund in Audiologie) | MRA oder MRT von Kopf, Hals, Felsenbein und IAM |
| Pulsatil, nicht-synchron | Z.B. Gaumenmyoklonus | MRT (oder CT) des Kopfes |
Therapie und Management
Die Aufklärung und Beruhigung der Betroffenen stellt eine zentrale Säule der Behandlung dar. Es wird empfohlen, frühzeitig darüber zu informieren, dass Tinnitus häufig ist und selten auf ernsthafte körperliche Erkrankungen hinweist.
Bei begleitendem Hörverlust mit Kommunikationseinschränkungen wird die Versorgung mit Hörgeräten empfohlen.
Bei anhaltender psychischer Belastung durch den Tinnitus empfiehlt die Leitlinie ein psychologisches Stufenschema:
| Therapiestufe | Interventionsart | Durchführende Berufsgruppe |
|---|---|---|
| Stufe 1 | Digitale Tinnitus-spezifische kognitive Verhaltenstherapie (CBT) | Psychologen |
| Stufe 2 | Gruppenbasierte Interventionen (z.B. Achtsamkeit, ACT, CBT) | Trainierte Anwender / Psychologen |
| Stufe 3 | Individuelle Tinnitus-spezifische CBT | Psychologen |
Kontraindikationen
Die Leitlinie spricht sich explizit gegen bestimmte diagnostische und therapeutische Maßnahmen aus:
-
Akustikusreflexmessungen und die Bestimmung der Unbehaglichkeitsschwelle (ULL/LDL) werden nicht empfohlen.
-
Psychoakustische Tests wie Pitch- oder Loudness-Matching sollen nicht durchgeführt werden.
-
Bei symmetrischem, nicht-pulsatilem Tinnitus ohne neurologische oder otologische Begleitsymptome wird von einer Bildgebung abgeraten.
-
Hörgeräte sollen bei Tinnitus ohne begleitenden Hörverlust nicht verordnet werden.
-
Die medikamentöse Behandlung mit Betahistin wird zur reinen Tinnitus-Therapie nicht empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist es ein häufiger Fehler, bei der Tinnitus-Abklärung psychoakustische Tests (wie Pitch-Matching) oder die Bestimmung der Unbehaglichkeitsschwelle durchzuführen. Es wird davor gewarnt, dass diese Untersuchungen unangenehm sein können, den Fokus der Betroffenen verstärkt auf das Ohrgeräusch lenken und dadurch die psychische Belastung weiter erhöhen. Stattdessen wird eine frühzeitige, beruhigende Aufklärung über die Gutartigkeit der meisten Tinnitus-Formen empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine sofortige Überweisung bei hohem Suizidrisiko, plötzlichen neurologischen Ausfällen, akutem unkontrolliertem Schwindel oder Verdacht auf einen Schlaganfall empfohlen. Bei einem plötzlichen Hörverlust, der in den letzten 30 Tagen aufgetreten ist, sollte eine Vorstellung innerhalb von 24 Stunden erfolgen.
Die Leitlinie empfiehlt den Tinnitus Functional Index für Erwachsene, um die Auswirkungen im Alltag zu erfassen. Bei Schlafproblemen kann der Insomnia Severity Index und bei psychischer Belastung der Tinnitus-Fragebogen (TQ) herangezogen werden.
Ein MRT des inneren Gehörgangs wird bei nicht-pulsatilem Tinnitus mit neurologischen oder otologischen Begleitsymptomen empfohlen. Bei unilateralem Tinnitus ohne Begleitsymptome sollte ein MRT erwogen werden, während bei symmetrischem Tinnitus ohne Auffälligkeiten keine Bildgebung erfolgen soll.
Es wird empfohlen, Hörgeräte für Personen anzubieten, die neben dem Tinnitus einen Hörverlust aufweisen, der die Kommunikation beeinträchtigt. Bei Tinnitus ohne jeglichen Hörverlust wird von einer Hörgeräteversorgung explizit abgeraten.
Die Leitlinie empfiehlt ein Stufenschema, beginnend mit digitaler kognitiver Verhaltenstherapie (CBT). Bei unzureichender Wirkung folgen gruppenbasierte Interventionen und schließlich individuelle CBT-Sitzungen.
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Quelle: NICE Guideline on Ovarian Cancer (NICE, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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