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Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein psychologisches Debriefing (psychologically-focused debriefing) darf weder zur Prävention noch zur Behandlung angeboten werden.
  • Die individuelle trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie (CBT) ist die psychologische Therapie der ersten Wahl für alle Altersgruppen.
  • EMDR ist eine Behandlungsoption bei Erwachsenen und bei Kindern (ab 7 Jahren), die nicht auf CBT ansprechen.
  • Medikamentöse Therapien (z. B. SSRI, Venlafaxin) sollen bei Erwachsenen nicht als Erstlinientherapie und bei Kindern gar nicht eingesetzt werden.
  • Bei subschwelligen Symptomen innerhalb des ersten Monats nach dem Trauma wird ein aktives Beobachten (Active Monitoring) empfohlen.
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Hintergrund

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann nach extrem bedrohlichen oder katastrophalen Ereignissen (z. B. schwere Unfälle, körperliche/sexuelle Übergriffe, Krieg, traumatische Geburten) auftreten. Die vorliegende NICE-Leitlinie bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Erkennung, Beurteilung und Behandlung von PTBS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Symptome und Erkennung

Bei der Beurteilung auf PTBS (inklusive komplexer PTBS) sollte gezielt nach folgenden Symptomkomplexen gefragt werden:

SymptomkategorieBeispiele und Merkmale
WiedererlebenFlashbacks, Albträume, intrusive Erinnerungen
VermeidungVermeidung von trauma-assoziierten Reizen, Gedanken oder sozialen Kontakten
HyperarousalHypervigilanz, Wut, Reizbarkeit, Schlafstörungen
Negative Stimmung/KognitionEmotionale Taubheit, Dissoziation, negative Selbstwahrnehmung
Interpersonelle ProblemeSchwierigkeiten in Beziehungen, emotionale Dysregulation

Wichtig: Bei Patienten mit unerklärlichen körperlichen Symptomen, die häufig medizinische Dienste in Anspruch nehmen, sollte aktiv nach traumatischen Ereignissen in der Vorgeschichte gefragt werden.

Allgemeine Therapieprinzipien

  • Active Monitoring: Bei subschwelligen PTBS-Symptomen innerhalb eines Monats nach dem Trauma wird ein aktives Beobachten mit einem Follow-up innerhalb eines Monats empfohlen.
  • Psychologisches Debriefing: Ein psychologisch fokussiertes Debriefing darf nicht zur Prävention oder Behandlung der PTBS angeboten werden.
  • Sichere Umgebung: Die Exposition gegenüber trauma-induzierenden Umgebungen (z. B. laute Stationen, Fixierungen) muss vermieden werden, da dies Symptome verschlimmern kann.

Therapie bei Kindern und Jugendlichen

Medikamentöse Behandlungen dürfen bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht zur Prävention oder Behandlung der PTBS angeboten werden. Die Therapie stützt sich ausschließlich auf psychologische Interventionen:

Zeitfenster / IndikationEmpfohlene TherapieBemerkung
< 1 Monat (Prävention)Active Monitoring ODER individuelle trauma-fokussierte CBTBei akuter Belastungsstörung oder klinisch relevanten Symptomen
< 1 Monat (Großschadensereignis)Gruppen-trauma-fokussierte CBTFür Alter 7-17 Jahre, typischerweise 5-15 Sitzungen
1 - 3 MonateIndividuelle trauma-fokussierte CBTFür Alter 7-17 Jahre erwägen
> 3 MonateIndividuelle trauma-fokussierte CBTTherapie der Wahl (6-12 Sitzungen)
> 3 Monate (Non-Responder)EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing)Nur für Alter 7-17 Jahre, wenn CBT nicht wirksam oder nicht toleriert wird

Therapie bei Erwachsenen

Psychologische Interventionen

Die individuelle trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie (CBT) ist die primäre Behandlungsstrategie.

InterventionZeitfensterIndikation & Bemerkung
Trauma-fokussierte CBT< 1 Monat UND > 1 MonatTherapie der Wahl. Typischerweise 8-12 Sitzungen. Umfasst kognitive Verarbeitungstherapie, narrative Expositionstherapie etc.
EMDR> 3 MonateEmpfohlen bei nicht-kampfbedingten Traumata. (Bei 1-3 Monaten auf Patientenwunsch erwägen).
Computergestützte CBT> 3 MonateMit therapeutischer Unterstützung erwägen, wenn Präferenz besteht und keine schweren dissoziativen Symptome vorliegen.

Medikamentöse Therapie

Medikamente (inklusive Benzodiazepine) dürfen nicht zur Prävention der PTBS eingesetzt werden.

WirkstoffklasseBeispieleIndikationEvidenz & Bemerkung
SSRI / SNRISertralin, VenlafaxinPTBS bei ErwachsenenErwägen bei Patientenpräferenz. Keine Erstlinientherapie. Regelmäßige Überprüfung erforderlich.
AntipsychotikaRisperidonSchwere Hyperarousal- oder psychotische SymptomeNur als Zusatz zur psychologischen Therapie, wenn andere Behandlungen versagen. Start durch Spezialisten.

Komplexe PTBS und Komorbiditäten

  • Depression: Bei komorbider Depression sollte in der Regel zuerst die PTBS behandelt werden, da sich die Depression durch eine erfolgreiche Traumatherapie oft bessert. Nur wenn die Depression zu schwer ist, um eine psychologische Behandlung der PTBS durchzuführen, wird diese zuerst behandelt.
  • Substanzmissbrauch: Patienten dürfen nicht allein aufgrund eines komorbiden Drogen- oder Alkoholmissbrauchs von der Behandlung ausgeschlossen werden.
  • Komplexe PTBS: Es sollte mehr Zeit für den Vertrauensaufbau eingeplant werden (z. B. längere oder mehr Sitzungen). Barrieren wie emotionale Dysregulation oder Dissoziation müssen aktiv gemanagt werden.

💡Praxis-Tipp

Bieten Sie niemals ein psychologisches Debriefing zur Prävention an. Setzen Sie stattdessen im ersten Monat nach dem Trauma auf 'Active Monitoring' bei leichten Symptomen oder direkt auf trauma-fokussierte CBT bei klinisch relevanter Symptomatik.

Häufig gestellte Fragen

Nein. Weder bei Erwachsenen (inklusive Benzodiazepine) noch bei Kindern dürfen Medikamente zur Prävention einer PTBS eingesetzt werden.
Die individuelle trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie (CBT) ist für alle Altersgruppen die empfohlene Erstlinientherapie.
Bei Erwachsenen wird EMDR bei nicht-kampfbedingten Traumata ab 3 Monaten nach dem Ereignis empfohlen. Bei Kindern (7-17 Jahre) sollte es nur erwogen werden, wenn sie auf CBT nicht ansprechen oder diese nicht tolerieren.
In der Regel sollte die PTBS zuerst behandelt werden, da sich die Depression durch eine erfolgreiche Traumatherapie oft mitbessert. Eine Ausnahme besteht nur, wenn die Depression so schwer ist, dass eine Traumatherapie unmöglich ist.

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