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Paukenerguss (OME) bei Kindern: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bei OME ohne Hörverlust ist keine Behandlung erforderlich, da eine spontane Besserung häufig ist.
  • Antibiotika, Kortikosteroide, Antihistaminika und Dekongestiva werden zur Behandlung ausdrücklich nicht empfohlen.
  • Bei beidseitigem Paukenerguss mit Hörverlust muss nach 3 Monaten eine Reevaluation erfolgen.
  • Hörgeräte (Luft- oder Knochenleitung) sind eine empfohlene Option bei OME-bedingtem Hörverlust.
  • Paukenröhrchen (Grommets) können bei Hörverlust erwogen werden, ggf. kombiniert mit einer Adenotomie.
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Hintergrund

Die Otitis media with effusion (OME), im Deutschen oft als Paukenerguss bezeichnet, ist eine häufige Erkrankung bei Kindern unter 12 Jahren. Sie ist durch Flüssigkeit im Mittelohr ohne akute Entzündungszeichen gekennzeichnet. OME führt häufig zu fluktuierendem Hörverlust, was die Sprachentwicklung, das Verhalten und die schulischen Leistungen beeinträchtigen kann. Die aktuelle NICE-Leitlinie fokussiert sich auf die Diagnostik, das Management von Hörverlust und die Indikationsstellung für chirurgische Eingriffe.

Diagnostik und klinische Präsentation

Ein Paukenerguss sollte bei bestimmten Symptomen und Risikofaktoren vermutet werden. Die formale Diagnostik umfasst eine klinische Untersuchung (Fokus auf Otoskopie und obere Atemwege), einen Hörtest sowie eine Tympanometrie.

KategorieMerkmale und Symptome
LeitsymptomeHörprobleme, verzögerte Sprachentwicklung, Ohrenbeschwerden, Tinnitus
Assoziierte ZeichenVerhaltensauffälligkeiten (z. B. mangelnde Konzentration), sozialer Rückzug, schlechte schulische Leistungen, Gleichgewichtsstörungen
Erhöhter Verdacht beiRezidivierenden Atemwegsinfekten (URTI), akuter Otitis media (AOM), Down-Syndrom, Gaumenspalte, Asthma, Atopie/Ekzem, Schnarchen
Geringerer Verdacht beiFehlender nasaler Obstruktion, fehlender Rhinorrhoe, fehlender (oder fehlender Historie von) Adenoidhypertrophie

Reevaluation und Watchful Waiting

Da OME häufig spontan ausheilt, ist ein abwartendes Vorgehen ("Watchful Waiting") zentraler Bestandteil der Strategie.

  • Beidseitige OME mit Hörverlust: Gehör nach 3 Monaten reevaluieren.
  • Einseitige OME mit Hörverlust: Reevaluation nach 3 Monaten erwägen.
  • OME ohne Hörverlust: Keine Behandlung erforderlich. Patienten können entlassen werden, mit dem Hinweis, sich bei künftigen Hörproblemen erneut vorzustellen.

Nicht-chirurgische Therapie

Die Leitlinie spricht sich klar gegen den Einsatz der meisten medikamentösen Therapien aus.

MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
Auto-InflationErwägenNur bei Kindern, die aktiv mitarbeiten können.
HörgeräteErwägenLuftleitung (bei stabilem Hörverlust) oder Knochenleitung (bei fluktuierendem Hörverlust oder Kontraindikationen wie Otorrhö). Warnung vor Verschluckungsgefahr bei Knopfbatterien!
AntibiotikaNicht empfohlenWeder oral noch topisch zur primären OME-Therapie.
KortikosteroideNicht empfohlenWeder oral noch nasal (als Spray).
Weitere MedikamenteNicht empfohlenKeine Antihistaminika, Mukolytika, Leukotrienrezeptor-Antagonisten, PPI oder Dekongestiva.
Alternative MethodenNicht empfohlenKeine Homöopathie, Akupunktur, Osteopathie, Massage oder Ernährungsumstellung (inkl. Probiotika).

Chirurgische Therapie

Wenn der Hörverlust signifikant ist oder persistiert, kommen chirurgische Maßnahmen in Betracht.

InterventionIndikation / EmpfehlungWichtige Hinweise
Paukenröhrchen (Grommets)Bei OME-bedingtem Hörverlust erwägen.Aufklärung über Risiken: Trommelfellperforation, lokale Atrophie, Tympanosklerose, Infektion.
AdenotomieAls adjuvante Maßnahme bei Paukenröhrchen-Einlage erwägen.Kontraindiziert bei Gaumenanomalien. Aufklärung über Blutungsrisiko und velopharyngeale Insuffizienz.
Otorrhö-ProphylaxeEinzeldosis Ciprofloxacin-Ohrentropfen intraoperativ erwägen.Ohren postoperativ für 2 Wochen trocken halten (z. B. beim Baden/Schwimmen).

Postoperative Nachsorge und Komplikationen

  • Hörtest: Standardmäßig 6 Wochen nach der Operation durchführen.
  • Bei isolierter Otorrhö nach OP: Ohren trocken halten (Wasserschutzmaßnahmen).
  • Bei rezidivierender Otorrhö: Ohrstöpsel oder Stirnbänder bei Wasserkontakt verwenden.
  • Medikamentöse Therapie der Otorrhö: Nicht-ototoxische topische Antibiotika (z. B. Ciprofloxacin) für 5 bis 7 Tage erwägen.
  • Therapieversagen: Bei persistierender Otorrhö, die nicht auf topische Antibiotika anspricht, die Entfernung der Paukenröhrchen erwägen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei Paukenergüssen auf die Verordnung von Antibiotika, Kortikosteroiden oder abschwellenden Nasentropfen. Setzen Sie stattdessen auf Aufklärung der Eltern, ein 3-monatiges 'Watchful Waiting' und bei Bedarf auf Auto-Inflation oder Hörgeräte.

Häufig gestellte Fragen

Bei beidseitigem Paukenerguss mit Hörverlust sollte nach 3 Monaten eine Reevaluation des Gehörs erfolgen. Bei einseitigem Befund kann dies ebenfalls nach 3 Monaten erwogen werden.
Nein. Die Leitlinie rät ausdrücklich von Antibiotika, oralen und nasalen Kortikosteroiden sowie Antihistaminika und Dekongestiva ab.
Paukenröhrchen können bei OME-bedingtem Hörverlust erwogen werden. Bei Kindern ohne Hörverlust ist keine chirurgische Therapie indiziert.
Eine adjuvante Adenotomie sollte bei der Einlage von Paukenröhrchen erwogen werden, es sei denn, es liegt eine Anomalie des Gaumens vor.
Mit Wasserschutzmaßnahmen und nicht-ototoxischen topischen Antibiotika (z. B. Ciprofloxacin-Ohrentropfen) für 5 bis 7 Tage. Bei Persistenz sollte die Entfernung der Röhrchen erwogen werden.

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