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NICE2025Neurologie

Neurologische Symptome: Leitlinie zur Überweisung (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Plötzlich auftretende neurologische Defizite (z.B. Schwindel mit fokalen Ausfällen, Paresen) erfordern eine sofortige Überweisung zum Ausschluss eines Schlaganfalls.
  • Bei rasch progredienter symmetrischer Schwäche oder Taubheit muss umgehend neurologisch abgeklärt werden.
  • Funktionelle neurologische Störungen können rezidivierende Symptome verursachen; bei bekannten Diagnosen ist ohne neue Zeichen keine Re-Überweisung nötig.
  • Bei Kindern mit akuter Verwirrtheit, neu aufgetretenem Schielen mit Begleitsymptomen oder plötzlichen Paresen ist eine sofortige Notfallvorstellung indiziert.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie bietet Nicht-Spezialisten eine Entscheidungshilfe, wann Patienten mit neurologischen Symptomen an einen Spezialisten überwiesen werden müssen. Ziel ist die rasche Identifikation von Red Flags, die auf schwerwiegende Erkrankungen wie Schlaganfälle, Tumore oder akute Neuropathien hindeuten.

Schwindel und Vertigo (Erwachsene)

Die Dringlichkeit der Überweisung richtet sich nach der Begleitsymptomatik und dem zeitlichen Verlauf.

SymptomatikBegleitumständeEmpfehlung
Plötzlicher SchwindelMit fokalen Defiziten (Nystagmus, Taubheit)Sofortige Überweisung (Schlaganfall-Pfad), falls Hypoglykämie ausgeschlossen
Akutes vestibuläres SyndromHINTS-Test zeigt Schlaganfall-Hinweise oder keine HINTS-Expertise vorhandenSofortige Überweisung (Schlaganfall-Pfad)
Transitorischer DrehschwindelBei KopfbewegungHallpike-Manöver; bei BPPV Epley-Manöver anbieten
Rezidivierender SchwindelBekannte funktionelle neurologische StörungKeine Routine-Überweisung, wenn keine neuen Zeichen vorliegen

Paresen und Schwäche (Erwachsene)

Bei der Beurteilung von Paresen ist die Progressionsgeschwindigkeit entscheidend.

Verlauf / Art der SchwächeBegleitsymptomeÜberweisungsdringlichkeit
Plötzlicher BeginnAuch bei isolierter Schwäche (z.B. Hand)Sofort (Verdacht auf TIA/Schlaganfall)
Rasche Progression (Stunden bis Tage)Monoparese oder HemipareseDringend (Verdacht auf Tumor)
Rasche Progression (innerhalb 4 Wochen)Symmetrische Schwäche, bulbäre/respiratorische SymptomeSofort (Neuromuskuläre Notfälle)
Langsame Progression (Wochen bis Monate)Gliedmaßen- oder NackenschwächeRegulär (bei Schluckstörung dringend, bei Atemnot sofort)
  • Bell-Parese: Bei unkomplizierter peripherer Fazialisparese ohne andere Erkrankungen ist keine routinemäßige Überweisung nötig.
  • Kompression-Neuropathien: (z.B. Radialisparese) Zunächst Schienung und Vermeidung von Druck. Überweisung erst bei fehlender Besserung nach 6 Wochen.

Sensibilitätsstörungen (Erwachsene)

  • Plötzliche einseitige Taubheit: Beurteilung nach lokalem Schlaganfall-Pfad.
  • Rasch progrediente symmetrische Taubheit: Sofortige Überweisung (Verdacht auf akute Polyneuropathie/Myelitis).
  • Persistierende distal betonte Sensibilitätsstörung:
    • Mit lebhaften Reflexen: Abklärung auf Gehirn- oder Rückenmarkserkrankung.
    • Mit abgeschwächten Reflexen: Verdacht auf periphere Neuropathie (Labor: B12, Schilddrüse, Zöliakie, Nierenwerte, Glukose, Blutsenkung, Alkoholanamnese).

Pädiatrische Red Flags (Kinder unter 16 Jahren)

Kinder erfordern bei bestimmten Symptomen eine sofortige pädiatrische oder neurologische Notfallvorstellung.

SymptomWarnzeichen (Red Flags)Maßnahme
Kopfschmerzen (< 12 Jahre)Nächtliches Erwachen, morgendliches Auftreten, Erbrechen, Ataxie, VerschlechterungSofortige Vorstellung am selben Tag
Akute VerwirrtheitUnerklärlich, Verdacht auf Meningitis/Enzephalitis/VergiftungNotfalltransfer ins Krankenhaus, Blutzucker messen
Schielen (Strabismus)Verlust des Rotreflexes, Ataxie, Erbrechen, KopfschmerzSofortige Überweisung
Kopfumfang (< 4 Jahre)Abweichung um ≥ 2 Perzentilen mit Zeichen des Hirndrucks (z.B. gespannte Fontanelle, Erbrechen)Sofortige Überweisung
Hypotonie (Floppiness) (< 1 Jahr)Akuter Beginn mit Zeichen von Herzinsuffizienz, Organvergrößerung, Fieber oder BewusstseinsstörungSofortige Überweisung

Gedächtnis und Kognition

  • Unter 50 Jahre: Bei isolierten Gedächtnisproblemen und unauffälliger Kurztestung keine Routine-Überweisung. Oft bedingt durch Stress, affektive Störungen, Alkohol oder Medikamente.
  • Transiente globale Amnesie: Eine einzelne Episode (< 8 Stunden) mit vollständiger Erholung und ohne Epilepsie-Zeichen erfordert keine Überweisung.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei akutem vestibulärem Syndrom den HINTS-Test, sofern Sie darin geschult sind. Ein negativer Test macht einen Schlaganfall sehr unwahrscheinlich. Bei fehlender Expertise weisen Sie den Patienten sofort nach lokalem Schlaganfall-Pfad ein.

Häufig gestellte Fragen

Bei plötzlichem Schwindel mit fokalen neurologischen Defiziten (z.B. Nystagmus, Taubheit) oder bei akutem vestibulärem Syndrom mit Hinweisen auf einen Schlaganfall im HINTS-Test.
Eine routinemäßige Überweisung ist nicht erforderlich. Klären Sie über Augenpflege auf und erklären Sie, dass die Erholung Monate dauern kann.
Sofortige Überweisung bei nächtlichem Erwachen durch Schmerz, morgendlichem Kopfschmerz, Verschlechterung, Auslösung durch Husten/Bücken oder Begleitsymptomen wie Erbrechen und Ataxie.
Nur wenn die Tics sehr belastend sind oder von zusätzlichen progredienten neurologischen Symptomen begleitet werden.

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