ClariMedClariMed

Chronischer Schmerz: Leitlinie zur Therapie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Chronischer primärer Schmerz besteht >3 Monate ohne ausreichend erklärende Ursache.
  • Ein patientenzentriertes Assessment und die gemeinsame Erstellung eines Betreuungsplans stehen im Fokus.
  • Supervidierte Gruppen-Bewegungsprogramme sowie ACT oder CBT werden empfohlen.
  • Akupunktur kann als einmaliger Kurs (max. 5 Stunden) erwogen werden.
  • Antidepressiva (z. B. Amitriptylin, Duloxetin) können off-label eingesetzt werden.
  • Opioide, NSAR, Paracetamol und Gabapentinoide sollen bei primärem chronischem Schmerz nicht neu angesetzt werden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Chronischer Schmerz wird definiert als Schmerz, der länger als 3 Monate anhält oder wiederkehrt. Die NICE-Leitlinie unterscheidet:

  • Chronischer primärer Schmerz: Keine klare zugrunde liegende Erkrankung, oder der Schmerz bzw. die Beeinträchtigung ist unverhältnismäßig zu einer beobachtbaren Verletzung oder Krankheit (z. B. Fibromyalgie).
  • Chronischer sekundärer Schmerz: Eine zugrunde liegende Erkrankung erklärt den Schmerz ausreichend (z. B. rheumatoide Arthritis, Endometriose).

Beide Formen können koexistieren.

Assessment und Diagnostik

Die Leitlinie empfiehlt ein umfassendes, patientenzentriertes Assessment für alle Arten von chronischem Schmerz:

  • Ganzheitlicher Ansatz: Erfassung der Auswirkungen auf Alltag, Schlaf, psychisches Wohlbefinden und soziales Umfeld.
  • Kommunikation: Anerkennen, dass das Leben mit Schmerzen belastend ist. Sensible Kommunikation bei unauffälligen Befunden, um die Schmerzerfahrung des Patienten nicht zu invalidieren.
  • Betreuungsplan: Gemeinsame Definition von Zielen, Prioritäten und dem Umgang mit zu erwartenden Schmerz-Schüben (Flare-ups).

Nicht-medikamentöse Therapie

Für das Management von chronischem primärem Schmerz gelten folgende Empfehlungen:

InterventionEmpfehlungBemerkung
BewegungstherapieEmpfohlenSupervidierte Gruppenprogramme; Förderung allgemeiner körperlicher Aktivität.
PsychotherapieErwägenACT (Acceptance and Commitment Therapy) oder CBT (Kognitive Verhaltenstherapie) für Schmerz.
AkupunkturErwägenEinmaliger Kurs (max. 5 Stunden), durchgeführt von entsprechend qualifiziertem Personal im ambulanten Setting.
BiofeedbackNicht empfohlenKeine Evidenz für einen Nutzen.
Physikalische TherapienNicht empfohlenTENS, Ultraschall und Interferenzstromtherapie sollen nicht angeboten werden.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie des chronischen primären Schmerzes erfordert eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiken:

WirkstoffklasseBeispieleEmpfehlungBemerkung
AntidepressivaAmitriptylin, Citalopram, Duloxetin, Fluoxetin, Paroxetin, SertralinErwägen (Off-Label)Aufklärung: Wirken positiv auf Lebensqualität, Schmerz und Schlaf, auch ohne Vorliegen einer Depression.
Opioide-Nicht neu ansetzenKeine Evidenz für Wirksamkeit, hohes Risiko der Abhängigkeit.
NSAR & Paracetamol-Nicht neu ansetzenKeine Evidenz für Nutzen bei primärem chronischem Schmerz.
AntiepileptikaGabapentinoide (Pregabalin, Gabapentin)Nicht neu ansetzenAusnahme: Im Rahmen klinischer Studien für CRPS.
WeitereBenzodiazepine, Ketamin, Antipsychotika, Lokalanästhetika, Cortison-InjektionenNicht neu ansetzenKeine Evidenz für Nutzen, potenzielles Schadensrisiko.

Umgang mit bestehender Medikation: Wenn Patienten bereits Medikamente einnehmen, deren Neuansetzung nicht empfohlen wird (z. B. Opioide, Gabapentinoide), sollte die Verschreibung im Rahmen des Shared Decision Making überprüft werden. Bei fehlendem Nutzen oder erheblichen Nebenwirkungen sollte eine Dosisreduktion oder das Absetzen aktiv unterstützt werden.

💡Praxis-Tipp

Setzen Sie bei chronischem primärem Schmerz keine Opioide, NSAR oder Paracetamol neu an. Klären Sie Patienten darüber auf, dass Antidepressiva auch ohne Vorliegen einer Depression Schmerz, Schlaf und Lebensqualität verbessern können.

Häufig gestellte Fragen

Schmerz, der länger als 3 Monate anhält und für den es keine klare zugrunde liegende Erkrankung gibt, oder dessen Ausmaß unverhältnismäßig zu einer beobachtbaren Verletzung ist.
Die Leitlinie empfiehlt, den Off-Label-Einsatz von Antidepressiva (wie Amitriptylin, Citalopram, Duloxetin, Fluoxetin, Paroxetin oder Sertralin) zu erwägen.
Nein, die Leitlinie rät von einer Neuansetzung von Opioiden strikt ab, da es keine Evidenz für ihre Wirksamkeit gibt und ein Abhängigkeitsrisiko besteht.
Nein, TENS, Ultraschall und Interferenzstromtherapie sollen laut NICE bei chronischem primärem Schmerz nicht angeboten werden, da keine Evidenz für einen Nutzen vorliegt.

Verwandte Leitlinien