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NICE2026HNOGeriatrie

Schwerhörigkeit bei Erwachsenen: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Vor einer audiologischen Diagnostik müssen Ohrenschmalz und akute Infektionen ausgeschlossen werden.
  • Ein plötzlicher Hörverlust (innerhalb von 3 Tagen entstanden) erfordert eine sofortige Überweisung innerhalb von 24 Stunden.
  • Manuelle Ohrspülungen (Syringing) zur Cerumenentfernung werden ausdrücklich nicht mehr empfohlen.
  • Bei einem idiopathischen Hörsturz sollte eine Steroidtherapie erwogen werden.
  • Die Nachsorge nach einer Hörgeräteanpassung sollte nach 6 bis 12 Wochen erfolgen.
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Hintergrund

Schwerhörigkeit ist ein häufiges Gesundheitsproblem, das die Lebensqualität und Kommunikation erheblich einschränkt. Die NICE-Leitlinie bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik, Überweisung und Therapie von Erwachsenen mit Hörverlust im primär- und sekundärärztlichen Bereich. Vor jeder spezifischen Diagnostik müssen Ohrenschmalz (Cerumen) und akute Infektionen (z. B. Otitis externa) ausgeschlossen oder behandelt werden.

Überweisungskriterien

Die Dringlichkeit der Überweisung an die HNO-Heilkunde oder Audiologie richtet sich nach der Art und dem zeitlichen Verlauf des Hörverlusts sowie nach Begleitsymptomen.

DringlichkeitZeitfensterIndikation
Sofort (< 24h)Plötzlicher Beginn (≤ 3 Tage) innerhalb der letzten 30 TageVerdacht auf akuten Hörsturz
Sofort (< 24h)Einseitiger Hörverlust + neurologische AusfälleSensibilitätsstörungen oder Fazialisparese auf derselben Seite
Sofort (< 24h)Immunsuppression + Otalgie + OtorrhöKeine Besserung nach 72h Therapie
Dringend (< 2 Wochen)Plötzlicher Beginn vor > 30 TagenVerzögerte Vorstellung nach Hörsturz
Dringend (< 2 Wochen)Rasche Verschlechterung (4-90 Tage)Subakuter Progress
Verdacht auf MalignomNach lokalem Krebs-Pfad (Cancer Pathway)Patienten chinesischer/südostasiatischer Herkunft mit Paukenerguss ohne Atemwegsinfekt

Ohrenschmalz-Entfernung (Cerumen)

Ein Verschluss durch Ohrenschmalz kann Hörverlust verursachen und die Diagnostik behindern.

  • Nicht empfohlen: Manuelle Ohrspülungen (Syringing) dürfen nicht angeboten werden.
  • Empfohlen: Elektronische Irrigatoren, Mikrosaugung oder manuelle Entfernung mit einer Sonde durch geschultes Personal.
  • Vorbehandlung: Cerumen aufweichende Tropfen (bis zu 5 Tage vor der Spülung) verwenden.
  • Patientenaufklärung: Keine Wattestäbchen oder andere kleine Objekte in den Gehörgang einführen.

Diagnostik und MRT-Indikation

Eine MRT-Untersuchung des Meatus acusticus internus ist zum Ausschluss eines Vestibularisschwannoms oder einer Läsion im Kleinhirnbrückenwinkel indiziert bei:

  • Lokalisierenden Symptomen: z. B. Fazialisschwäche (unabhängig vom Reintonaudiogramm).
  • Asymmetrie im Audiogramm: ≥ 15 dB Differenz bei zwei benachbarten Testfrequenzen (0,5, 1, 2, 4 und 8 kHz) bei Schallempfindungsschwerhörigkeit ohne lokalisierende Zeichen.

Therapie und Audiologie

MaßnahmeIndikationBemerkung
SteroideIdiopathischer plötzlicher sensorineuraler HörverlustAls Erstlinientherapie erwägen
HörgeräteHörverlust mit Einschränkung der KommunikationBei beidseitigem Bedarf zwei Hörgeräte anbieten
Cochlea-ImplantateSchwere bis hochgradige TaubheitWenn akustische Hörgeräte keinen ausreichenden Nutzen bringen

Nachsorge (Follow-up)

Erwachsene mit Hörgeräten sollten 6 bis 12 Wochen nach der Anpassung einen persönlichen Nachsorgetermin (Face-to-Face) erhalten. Alternativ ist auf Wunsch des Patienten auch eine telefonische oder elektronische Konsultation möglich. Ziele des Termins sind:

  • Überprüfung von Komfort, Klangqualität und Lautstärke.
  • Feinabstimmung von Mikrofon- und Geräuschunterdrückungseinstellungen.
  • Kontrolle der Handhabung (Einsetzen, Reinigen, Batteriewechsel).

Besondere Patientengruppen

Bei Patienten mit diagnostizierter oder vermuteter Demenz, leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) oder Lernbehinderung sollte eine audiologische Untersuchung erwogen werden. Bei bekannter Demenz oder MCI ohne bisherigen Hörverlust wird eine Überprüfung alle 2 Jahre empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie vollständig auf manuelle Ohrspülungen (Syringing) zur Cerumenentfernung. Nutzen Sie stattdessen elektronische Irrigatoren oder Mikrosaugung nach einer bis zu 5-tägigen Vorbehandlung mit ohrenschmalzaufweichenden Tropfen.

Häufig gestellte Fragen

Bei einem plötzlichen Beginn (innerhalb von 3 Tagen), der in den letzten 30 Tagen aufgetreten ist, muss die Überweisung sofort (innerhalb von 24 Stunden) an die HNO oder eine Notaufnahme erfolgen.
Nein, die NICE-Leitlinie rät ausdrücklich von manuellen Spülungen (Syringing) ab. Empfohlen werden elektronische Irrigatoren oder Mikrosaugung.
Bei lokalisierenden Symptomen (z. B. Fazialisparese) oder einer Asymmetrie im Reinton-Audiogramm von ≥ 15 dB bei zwei benachbarten Frequenzen.
Als Erstlinientherapie bei einem idiopathischen plötzlichen sensorineuralen Hörverlust sollte die Gabe von Steroiden erwogen werden.

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