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Chronischer Schmerz: NICE-Leitlinie zur Therapie (2021)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Chronischer primärer Schmerz hat keine klare zugrundeliegende Ursache oder steht in keinem Verhältnis zu einer identifizierten Erkrankung.
  • Die Therapie fokussiert sich auf überwachte Bewegungsprogramme, psychologische Verfahren (ACT/CBT) und Akupunktur.
  • Antidepressiva (z.B. Amitriptylin, Duloxetin) können zur medikamentösen Therapie erwogen werden.
  • Opioide, NSAR, Paracetamol und Gabapentinoide sollen bei primärem chronischem Schmerz nicht neu angesetzt werden.
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Hintergrund

Chronischer Schmerz wird definiert als Schmerz, der länger als drei Monate anhält oder rezidiviert. Die Leitlinie unterscheidet zwei Hauptformen, die auch koexistieren können:

  • Chronischer primärer Schmerz: Keine klare zugrundeliegende Erkrankung, oder der Schmerz bzw. seine Auswirkungen stehen in keinem Verhältnis zu einer beobachtbaren Verletzung oder Erkrankung (z.B. Fibromyalgie, CRPS).
  • Chronischer sekundärer Schmerz: Eine zugrundeliegende Erkrankung (z.B. rheumatoide Arthritis, Endometriose) erklärt den Schmerz ausreichend.

Assessment und Kommunikation

Ein patientenzentriertes Assessment ist essenziell. Es sollte erfasst werden, wie der Schmerz das Leben des Patienten beeinflusst (Schlaf, Arbeit, psychisches Wohlbefinden) und welche Faktoren den Schmerz triggern.

  • Sensibilität bei Befunden: Kommunizieren Sie unauffällige oder negative Testergebnisse äußerst sensibel. Es besteht das Risiko, dass Patienten das Gefühl bekommen, ihr Schmerz werde invalidiert.
  • Aufklärung: Erklären Sie, dass Schmerzen fluktuieren können (Flare-ups) und eine vollständige Schmerzfreiheit oft nicht erreicht wird, aber die Lebensqualität dennoch verbessert werden kann.

Nicht-medikamentöse Therapie

Bei chronischem primärem Schmerz liegt der Fokus auf nicht-medikamentösen Maßnahmen.

MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
BewegungsprogrammeEmpfohlenÜberwachte Gruppenprogramme; an Fähigkeiten des Patienten anpassen.
Psychologische TherapieErwägenAkzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) oder Kognitive Verhaltenstherapie (CBT).
Akupunktur / Dry NeedlingErwägenEinmaliger Kurs (max. 5 Stunden), im ambulanten Setting durch qualifiziertes Personal.
BiofeedbackNicht empfohlenKeine Evidenz für einen Nutzen.
Physikalische TherapienNicht empfohlenTENS, Ultraschall und Interferenzstromtherapie sollen nicht angeboten werden.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie des chronischen primären Schmerzes ist stark eingeschränkt, da viele gängige Analgetika keine Evidenz für Wirksamkeit zeigen, aber erhebliche Risiken bergen.

WirkstoffgruppeBeispieleEmpfehlungBemerkung
AntidepressivaAmitriptylin, Duloxetin, Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin, SertralinErwägenKönnen Lebensqualität, Schlaf und Schmerz verbessern, auch ohne Vorliegen einer Depression.
Opioide-Nicht initiierenKeine Evidenz für Wirksamkeit, hohes Risiko für Abhängigkeit.
NSAR & ParacetamolIbuprofen, DiclofenacNicht initiierenKeine Evidenz für Wirksamkeit bei primärem chronischem Schmerz.
AntiepileptikaGabapentin, PregabalinNicht initiierenAusgenommen im Rahmen von Studien zu CRPS.
WeitereBenzodiazepine, Ketamin, Corticosteroid-InjektionenNicht initiierenKeine Evidenz, potenzielle Schäden.

Umgang mit bestehender Medikation: Nimmt ein Patient bereits Medikamente ein, die nicht empfohlen werden (z.B. Opioide, Gabapentinoide), sollte die Verordnung im Rahmen der gemeinsamen Entscheidungsfindung überprüft werden. Bei fehlendem Nutzen oder Nebenwirkungen sollte ein Ausschleichen unterstützt werden.

💡Praxis-Tipp

Kommunizieren Sie unauffällige Diagnostik-Ergebnisse sehr sensibel, um Patienten nicht das Gefühl zu geben, ihr Schmerz sei 'eingebildet'. Erklären Sie Antidepressiva als schmerz- und schlafmodulierend, nicht primär als Depressionsbehandlung.

Häufig gestellte Fragen

Schmerz, der länger als 3 Monate besteht und nicht ausreichend durch eine andere Erkrankung oder Verletzung erklärt werden kann.
Nein. Die Leitlinie rät strikt davon ab, Opioide neu anzusetzen, da keine Evidenz für Wirksamkeit besteht und das Abhängigkeitsrisiko hoch ist.
Antidepressiva wie Amitriptylin, Duloxetin oder Citalopram können nach Aufklärung über Nutzen und Risiken erwogen werden.
Überwachte Gruppen-Bewegungsprogramme werden für alle Patienten mit chronischem primärem Schmerz empfohlen, um die Lebensqualität zu steigern.
Nein, TENS, Ultraschall und Interferenzstromtherapie sollen mangels Evidenz nicht angeboten werden.

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