Neuro-Rehabilitation: Leitlinie (NICE 2025)
📋Auf einen Blick
- •Eine ganzheitliche Bedarfsermittlung (Holistic Assessment) sollte so frueh wie moeglich nach Diagnose oder Symptombeginn erfolgen.
- •Jeder Patient benoetigt einen zentralen Ansprechpartner (Key Contact, Key Worker oder Complex Case Manager) zur Koordination.
- •Die Zielsetzung erfolgt kollaborativ und bricht langfristige Ziele in kurzfristige, alltagsrelevante Schritte herunter.
- •Symptome wie Fatigue, Schmerz und kognitive Einschraenkungen erfordern spezifische, interdisziplinaere Therapieansaetze.
- •Bei funktionellen neurologischen Stoerungen liegt der Fokus auf einem biopsychosozialen Ansatz und der Umleitung der Aufmerksamkeit von den Symptomen.
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie (2025) umfasst die Rehabilitation fuer Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit chronischen neurologischen Erkrankungen, erworbenen Hirn- und Rueckenmarksverletzungen sowie funktionellen neurologischen Stoerungen. Ausgeschlossen sind Zerebralparese, Demenz, Epilepsie und die Schlaganfall-Rehabilitation bei Erwachsenen.
Ganzheitliches Assessment
Eine ganzheitliche Bedarfsermittlung sollte so frueh wie moeglich nach der Diagnose oder bei Auftreten von Symptomen initiiert werden. Sie umfasst:
- Physische Gesundheit und Ausmass der Beeintraechtigung
- Soziale, psychologische, emotionale und kognitive Beduerfnisse
- Auswirkungen auf Alltagsaktivitaeten (ADL)
Kernaussage: Die Rehabilitation darf durch das Assessment nicht verzoegert werden. Bei Patienten mit unsichtbaren Symptomen oder fehlender Krankheitseinsicht sind multiple Methoden (inklusive Beobachtung) anzuwenden.
Koordination der Rehabilitation
Jeder Patient benoetigt einen zentralen Ansprechpartner (Single Point of Contact), um die Versorgung zu koordinieren. Die Zuweisung richtet sich nach der Komplexitaet:
| Funktion | Indikation | Bemerkung |
|---|---|---|
| Key Contact | Leichte bis moderate Rehabilitationsbeduerfnisse | Hilft bei der Navigation durch das System |
| Key Worker | Kognitive/kommunikative Einschraenkungen, unvorhersehbarer Verlauf | Unterstuetzt bei multiplen Beduerfnissen ueber verschiedene Sektoren |
| Complex Case Manager | Schwere, komplexe Langzeitbeduerfnisse, fehlende Eigenvertretung | Z.B. bei schweren Komorbiditaeten, Lernbehinderung oder Sucht |
Zielsetzung und Planung
Die Rehabilitationsziele muessen kollaborativ mit dem Patienten vereinbart werden. Langfristige Ziele sind in kurzfristige Schritte zu unterteilen. Der Fokus liegt auf der Optimierung der Teilhabe am Leben.
Spezifisches Symptommanagement
Die Leitlinie empfiehlt gezielte Interventionen fuer verschiedene funktionelle Einschraenkungen:
| Symptomkomplex | Empfohlene Interventionen | Wichtige Hinweise |
|---|---|---|
| Fatigue | Pacing, kognitive Verhaltenstherapie (CBT), angepasste Aktivitaet | Auf behandelbare Ursachen pruefen (Schlaf, Ernaehrung, Medikation) |
| Schmerz | Biopsychosozialer Ansatz, Fatigue-Management, physikalische Therapie | Bei unklaren Ursachen Ueberweisung an Schmerzspezialisten |
| Mobilitaet | Laufbandtraining (ggf. robotergestuetzt), funktionelle Elektrostimulation | 24-Stunden-Posturalmanagement bei immobilen Patienten |
| Kognition | Kompensatorische Strategien (intern/extern), Hilfsmittel | Standardtests ggf. durch funktionelle Assessments ergaenzen |
| Sprache | Logopaedisches Screening, Voice Banking | Fruehzeitige Ueberweisung bei drohendem Stimmverlust |
Funktionelle neurologische Stoerungen
Bei funktionellen neurologischen Stoerungen (FND) gelten besondere Prinzipien:
- Psychoedukation: Biopsychosozialen Ansatz staerken und Akzeptanz foerdern.
- Sprache: Symptome validieren, aber Aufmerksamkeit davon ablenken.
- Aktivitaet: Fokus auf zielgerichtete Bewegungen und das Potenzial zur Genesung.
💡Praxis-Tipp
Bestimmen Sie den Rehabilitationsbedarf ganzheitlich und weisen Sie komplexen Patienten fruehzeitig einen Case Manager zu. Bei funktionellen Stoerungen ist es essenziell, die Symptome zu validieren, aber den therapeutischen Fokus auf zielgerichtete Bewegungen und Genesung zu lenken.