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Schwerhörigkeit bei Erwachsenen: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bei plötzlichem Hörverlust (≤ 3 Tage) innerhalb der letzten 30 Tage ist eine sofortige Überweisung (binnen 24h) an die HNO oder Notaufnahme indiziert.
  • Manuelle Ohrspülungen (Syringing) zur Cerumen-Entfernung sollen nicht mehr durchgeführt werden; stattdessen werden elektronische Spülsysteme oder Mikrosaugung empfohlen.
  • Bei beidseitiger, versorgbarer Schwerhörigkeit sollen standardmäßig zwei Hörgeräte angeboten werden.
  • Patienten mit Demenz oder kognitiven Einschränkungen sollten alle 2 Jahre audiologisch untersucht werden.
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Hintergrund

Hörverlust ist ein bedeutendes Gesundheitsproblem, das die Lebensqualität, Kommunikation und soziale Teilhabe erheblich einschränken kann. Die NICE-Leitlinie bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik, Überweisung und Therapie von Erwachsenen mit Hörverlust, einschließlich altersbedingter Schwerhörigkeit und plötzlichem Hörverlust.

Diagnostik und Überweisungs-Algorithmus

Bei Patienten, die sich erstmals mit Hörproblemen vorstellen, müssen zunächst verhärtetes Cerumen (Ohrschmalz) und akute Infektionen (z. B. Otitis externa) ausgeschlossen werden. Anschließend erfolgt eine audiologische Beurteilung.

Überweisung bei plötzlichem oder raschem Hörverlust

SymptomatikÜberweisungsdringlichkeitZiel
Plötzlicher Hörverlust (≤ 3 Tage), aufgetreten in den letzten 30 TagenSofort (innerhalb 24h)HNO / Notaufnahme
Plötzlicher Hörverlust, aufgetreten vor > 30 TagenDringend (innerhalb 2 Wochen)HNO / Audiovestibuläre Medizin
Rasche Verschlechterung (über 4-90 Tage)Dringend (innerhalb 2 Wochen)HNO / Audiovestibuläre Medizin

Red Flags und spezifische Symptome

Klinisches BildMaßnahme
Einseitiger Hörverlust + Gefühlsstörung oder Fazialisparese ipsilateralSofortige Überweisung (24h) an HNO oder Stroke-Unit
Immunsuppression + Otalgie + Otorrhö (therapierefraktär > 72h)Sofortige Überweisung (24h) an HNO
Chinesische/südostasiatische Herkunft + Paukenerguss (ohne Infekt)Verdacht auf Malignom (Cancer Pathway)

Weitere Gründe für eine fachärztliche Abklärung (HNO/Audiologie) umfassen:

  • Einseitiger oder asymmetrischer Hörverlust
  • Fluktuierender Hörverlust (ohne Atemwegsinfekt)
  • Hyperakusis (Geräuschempfindlichkeit)
  • Persistierender, einseitiger oder pulsierender Tinnitus
  • Rezidivierender oder anhaltender Schwindel (Vertigo)

Cerumen-Management (Ohrschmalz)

Verhärtetes Cerumen kann Hörverlust verursachen und die Diagnostik behindern. Die Leitlinie gibt klare Vorgaben zur Entfernung:

  • Kontraindiziert: Manuelle Ohrspülungen (Syringing) mit Spritzen sollen nicht mehr angeboten werden.
  • Empfohlen: Elektronische Spülsysteme, Mikrosaugung oder manuelle Entfernung mit einer Sonde durch geschultes Personal.
  • Vorbereitung: Vor einer Spülung sollen für bis zu 5 Tage Ohrentropfen (Cerumen-Aufweicher) angewendet werden.
  • Patientenedukation: Patienten aktiv davon abraten, Wattestäbchen oder andere Objekte in den Gehörgang einzuführen.

Bildgebung (MRT)

Ein MRT des Meatus acusticus internus ist zur Abklärung eines Vestibularisschwannoms (Akustikusneurinom) indiziert:

IndikationEmpfehlung
Lokalisierende Symptome (z. B. Fazialisschwäche)MRT anbieten (unabhängig von der Hörschwelle)
Keine lokalisierenden Symptome, aber Asymmetrie ≥ 15 dB bei 2 benachbarten Frequenzen (0,5 bis 8 kHz)MRT erwägen

Therapie und Versorgung

Idiopathischer plötzlicher sensorineuraler Hörverlust (SSNHL)

Zur Behandlung des idiopathischen plötzlichen sensorineuralen Hörverlusts sollte der Einsatz von Steroiden erwogen werden.

Hörgeräte und Hilfsmittel

  • Beidseitige Versorgung: Erwachsenen mit beidseitig versorgbarem Hörverlust sollen standardmäßig zwei Hörgeräte angeboten werden.
  • Aufklärung: Patienten müssen über Funktionen wie direktionale Mikrofone und Störgeräuschunterdrückung aufgeklärt werden.
  • Follow-up: Ein Nachsorgetermin (persönlich, telefonisch oder elektronisch) soll 6 bis 12 Wochen nach der Anpassung stattfinden, um den Nutzen zu evaluieren und Probleme zu beheben.

Besondere Patientengruppen

Bei Patienten mit diagnostizierter oder vermuteter Demenz, leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) oder Lernbehinderung sollte alle 2 Jahre (bzw. beim Wechsel von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin) eine audiologische Untersuchung erwogen werden, da Hörverlust eine häufige Komorbidität darstellt.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie zur Cerumen-Entfernung keine manuellen Spritzen mehr und raten Sie Patienten aktiv von der Nutzung von Wattestäbchen ab. Überweisen Sie Patienten mit plötzlichem Hörverlust (≤ 3 Tage) umgehend (binnen 24 Stunden) an die HNO.

Häufig gestellte Fragen

Bei Entstehung innerhalb von 3 Tagen und in den letzten 30 Tagen muss eine sofortige Überweisung (binnen 24 Stunden) an die HNO oder Notaufnahme erfolgen.
Nein, die Leitlinie rät explizit von manuellen Ohrspülungen ab. Empfohlen werden elektronische Spülsysteme oder Mikrosaugung.
Bei lokalisierenden Symptomen (z.B. Fazialisschwäche) oder einer Asymmetrie im Reinton-Audiogramm von ≥ 15 dB bei zwei benachbarten Frequenzen.
Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz von Steroiden als Therapieoption.
Erwachsenen mit beidseitig versorgbarem Hörverlust sollen standardmäßig zwei Hörgeräte angeboten werden.

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