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Kreuzschmerzen & Ischialgie: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Keine routinemäßige Bildgebung im hausärztlichen Bereich bei unspezifischen Kreuzschmerzen oder Ischialgie.
  • Paracetamol als Monotherapie, Antidepressiva und Antiepileptika (inkl. Gabapentinoide) werden nicht empfohlen.
  • NSAR sind das Schmerzmittel der Wahl; Opioide sollten nur bei akuten Kreuzschmerzen als Reservemittel eingesetzt werden.
  • Die nicht-medikamentöse Basistherapie besteht aus Aufklärung, Fortführung normaler Aktivitäten und Gruppen-Übungsprogrammen.
  • Passive Maßnahmen wie Akupunktur, TENS, Ultraschall oder Korsetts werden explizit nicht empfohlen.
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Hintergrund

Diese Leitlinie behandelt die Diagnostik und Therapie von Kreuzschmerzen (Low Back Pain) und Ischialgie bei Personen ab 16 Jahren. Ziel ist es, die Lebensqualität durch effektive Behandlungsstrategien zu verbessern und Chronifizierungen zu vermeiden. Die Empfehlungen zur medikamentösen Therapie der Ischialgie wurden 2020 umfassend aktualisiert.

Diagnostik und Risikostratifizierung

Bei der Erstbeurteilung müssen alternative und spezifische Ursachen (z. B. Krebs, Infektionen, Traumata oder Spondyloarthritis) ausgeschlossen werden.

  • Risikostratifizierung: Nutzen Sie Tools wie den STarT Back-Fragebogen beim Erstkontakt, um die Therapie an das Chronifizierungsrisiko anzupassen (einfache Unterstützung bei guter Prognose vs. komplexe Programme bei hohem Risiko).
  • Bildgebung: Führen Sie im nicht-fachärztlichen Bereich keine routinemäßige Bildgebung durch. Im fachärztlichen Setting (z. B. Klinik) sollte eine Bildgebung nur erfolgen, wenn das Ergebnis die Therapieentscheidung voraussichtlich ändert.

Nicht-medikamentöse Therapie

Die Basis der Behandlung bilden Aufklärung, Selbstmanagement und die Förderung der normalen körperlichen Aktivität sowie die Rückkehr an den Arbeitsplatz.

MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
Selbstmanagement & AufklärungEmpfohlenRückkehr zu normalen Aktivitäten fördern
Gruppen-ÜbungsprogrammeEmpfohlenBiomechanisch, aerob oder Mind-Body
Manuelle Therapie & psychologische Therapie (KVT)ErwägenNur als Teil eines Pakets mit Übungsprogrammen
Kombinierte physische/psychologische ProgrammeErwägenBei signifikanten psychosozialen Barrieren
Orthesen, Korsetts, EinlagenNicht empfohlenKeine Evidenz für Wirksamkeit
Akupunktur & ElektrotherapieNicht empfohlenInkl. Ultraschall, TENS, PENS, Interferenzstrom
TraktionNicht empfohlen-

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie unterscheidet sich teilweise zwischen isolierten Kreuzschmerzen und Ischialgie. Wichtig: Paracetamol als Monotherapie ist obsolet.

WirkstoffklasseKreuzschmerzenIschialgie
NSARErwägen (niedrigste Dosis, kurzzeitig, Magenschutz)Erwägen (Risiko-Nutzen-Abwägung, begrenzte Evidenz)
Schwache OpioideErwägen (nur akut, wenn NSAR ineffektiv/kontraindiziert)Nicht empfohlen (bei chronischer Ischialgie)
Paracetamol (Monotherapie)Nicht empfohlen-
Gabapentinoide / AntiepileptikaNicht empfohlenNicht empfohlen (Evidenz für Schaden)
Antidepressiva (SSRI, SNRI, TCA)Nicht empfohlen-
Orale Kortikosteroide-Nicht empfohlen
Benzodiazepine-Nicht empfohlen

Hinweis: Wenn Patienten bereits Opioide, Gabapentinoide oder Benzodiazepine einnehmen, sollten die Risiken einer Fortführung besprochen und ein sicheres Absetzen (Shared Decision Making) erwogen werden.

Invasive und operative Verfahren

Invasive Maßnahmen sind streng zu indizieren und bleiben meist chronischen oder therapierefraktären Verläufen vorbehalten. BMI, Raucherstatus oder psychische Belastung dürfen die Überweisung zur chirurgischen Beurteilung bei Ischialgie nicht ausschließen.

VerfahrenIndikationEmpfehlung
Spinale InjektionenKreuzschmerzenNicht empfohlen
RadiofrequenzdenervierungChronische KreuzschmerzenErwägen (nach positivem diagnostischem Block & Schmerz-Score ≥5)
Epidurale InjektionenAkute, schwere IschialgieErwägen (Lokalanästhetikum + Steroid)
Spinale DekompressionIschialgieErwägen (bei passender Bildgebung & frustraner konservativer Therapie)
Spinale FusionKreuzschmerzenNicht empfohlen (nur im Rahmen von RCTs)
BandscheibenersatzKreuzschmerzenNicht empfohlen

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf routinemäßige Bildgebung bei unspezifischen Kreuzschmerzen. Verschreiben Sie keine Gabapentinoide bei Ischialgie und setzen Sie Paracetamol nicht als Monotherapie bei Rückenschmerzen ein.

Häufig gestellte Fragen

Im hausärztlichen Bereich wird eine routinemäßige Bildgebung nicht empfohlen. Sie sollte nur bei Verdacht auf spezifische Ursachen (Red Flags) oder im fachärztlichen Setting erfolgen, wenn das Ergebnis die Therapie ändert.
Nein. Die Leitlinie rät explizit vom Einsatz von Gabapentinoiden und anderen Antiepileptika bei Ischialgie ab, da es keine Evidenz für einen Nutzen, aber Belege für potenzielle Schäden gibt.
Nein, Paracetamol sollte laut Leitlinie nicht als Monotherapie zur Behandlung von Kreuzschmerzen angeboten werden.
Schwache Opioide (ggf. mit Paracetamol) können nur bei akuten Kreuzschmerzen erwogen werden, wenn NSAR kontraindiziert oder unwirksam sind. Bei chronischen Kreuzschmerzen oder chronischer Ischialgie sind Opioide nicht empfohlen.
Nein. Die Leitlinie empfiehlt weder Akupunktur noch TENS, Ultraschall oder PENS zur Behandlung von Kreuzschmerzen oder Ischialgie.

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