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Kreuzschmerzen & Ischialgie: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Keine routinemäßige Bildgebung im nicht-spezialisierten Setting.
  • Paracetamol als Monotherapie, Gabapentinoide und Antidepressiva sind nicht indiziert.
  • NSAIDs sind medikamentöse Mittel der ersten Wahl; schwache Opioide nur bei akuten Schmerzen als Reserve.
  • Aktive Bewegung und Gruppenübungen stehen im Zentrum der nicht-medikamentösen Therapie.
  • Passive Maßnahmen wie Akupunktur, TENS oder Traktion werden nicht empfohlen.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie (NG59) behandelt die Diagnostik und Therapie von Kreuzschmerzen (Low back pain) und Ischialgie bei Patienten ab 16 Jahren. Ziel ist es, Chronifizierung zu vermeiden und evidenzbasierte Therapiepfade aufzuzeigen.

BegriffDefinition
AkutDauer von weniger als 3 Monaten
ChronischDauer von 3 Monaten oder länger

Diagnostik und Risikostratifizierung

Bei der initialen Beurteilung müssen spezifische Ursachen (z. B. Krebs, Infektionen, Trauma, Spondyloarthritis) ausgeschlossen werden.

  • Risikostratifizierung: Nutzen Sie Tools (z. B. STarT Back) beim Erstkontakt zur Steuerung der Therapieintensität.
  • Bildgebung: Im hausärztlichen Setting nicht routinemäßig durchführen. Im fachärztlichen Setting nur erwägen, wenn das Ergebnis das Management ändert.

Nicht-medikamentöse Therapie

Die Aufklärung und Ermutigung zur Beibehaltung normaler Aktivitäten stehen im Vordergrund.

MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
SelbstmanagementEmpfohlenAufklärung über die Natur der Erkrankung
GruppenübungenErwägenBiomechanisch, aerob oder Mind-Body
Manuelle TherapieErwägenNur in Kombination mit Übungsprogrammen
Psychologische TherapieErwägenKognitiv-behavioraler Ansatz, nur kombiniert mit Übungen
Kombinierte ProgrammeErwägenBei persistierenden Schmerzen oder psychosozialen Barrieren
Akupunktur / TENS / UltraschallNicht empfohlenKeine Evidenz für klinischen Nutzen
Orthesen / Korsetts / TraktionNicht empfohlenKeine Anwendung bei Kreuzschmerzen/Ischialgie

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie unterscheidet sich zwischen isolierten Kreuzschmerzen und Ischialgie.

Ischialgie

WirkstoffgruppeEmpfehlungBemerkung
Gabapentinoide / AntiepileptikaNicht empfohlenKeine Evidenz für Nutzen, Risiko für Schäden
Orale KortikosteroideNicht empfohlen-
BenzodiazepineNicht empfohlen-
OpioideNicht empfohlenGilt für chronische Ischialgie
NSAIDsZurückhaltendBegrenzte Evidenz; niedrigste Dosis, kürzeste Dauer

Kreuzschmerzen (Low Back Pain)

WirkstoffgruppeEmpfehlungBemerkung
Orale NSAIDsErwägenNiedrigste effektive Dosis, kürzeste Dauer, ggf. Magenschutz
Schwache OpioideErwägen (nur akut)Nur wenn NSAIDs kontraindiziert/ineffektiv sind
Paracetamol (Monotherapie)Nicht empfohlen-
Opioide (chronisch)Nicht empfohlen-
Antidepressiva (SSRI, SNRI, TCA)Nicht empfohlen-
Gabapentinoide / AntiepileptikaNicht empfohlen-

Invasive und operative Verfahren

  • Spinale Injektionen: Bei Kreuzschmerzen nicht anbieten.
  • Epidurale Injektionen: Erwägen bei akuter und schwerer Ischialgie (Lokalanästhetikum + Steroid). Nicht bei neurogener Claudicatio durch zentrale Spinalkanalstenose.
  • Radiofrequenzdenervierung: Erwägen bei chronischen Kreuzschmerzen, wenn konservative Therapie versagt, der Schmerzursprung im Ramus medialis vermutet wird (VAS ≥5) und ein diagnostischer Block positiv war.
  • Operation: Spinale Dekompression bei Ischialgie erwägen, wenn konservative Therapie versagt und Bildgebung kongruent ist. BMI, Raucherstatus oder psychische Belastung dürfen eine Überweisung nicht ausschließen. Spinale Fusion und Bandscheibenersatz bei Kreuzschmerzen nicht anbieten.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf die routinemäßige Bildgebung bei unspezifischen Kreuzschmerzen und verschreiben Sie keine Gabapentinoide oder reines Paracetamol.

Häufig gestellte Fragen

Eine Bildgebung sollte im hausärztlichen Bereich nicht routinemäßig erfolgen. Im fachärztlichen Setting ist sie nur indiziert, wenn das Ergebnis die Therapieentscheidung ändert.
Nein, Paracetamol darf laut Leitlinie nicht als Monotherapie zur Behandlung von Kreuzschmerzen angeboten werden.
Nein, es gibt keine Evidenz für einen Nutzen, jedoch Belege für potenzielle Schäden. Sie sollen daher nicht verschrieben werden.
Schwache Opioide können bei akuten Kreuzschmerzen erwogen werden, wenn NSAIDs kontraindiziert oder ineffektiv sind. Bei chronischen Kreuzschmerzen oder chronischer Ischialgie sind Opioide nicht empfohlen.

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