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NICEA2018Gynäkologie

Starke Regelblutung (HMB): NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das primäre Therapieziel ist die Verbesserung der Lebensqualität, nicht nur die Reduktion des Blutverlustes.
  • Ein großes Blutbild wird für alle Patientinnen empfohlen; auf routinemäßige Ferritin- und Hormonbestimmungen soll verzichtet werden.
  • Die ambulante Hysteroskopie ist die Untersuchung der Wahl bei Verdacht auf submuköse Myome, Polypen oder Endometriumpathologien.
  • Ein Levonorgestrel-freisetzendes Intrauterinsystem (LNG-IUS) ist die Erstlinientherapie bei unauffälligem Befund, Adenomyose oder Myomen <3 cm.
  • Ulipristalacetat darf wegen des Risikos schwerer Leberschäden nur unter strenger Indikationsstellung und Leberwertkontrolle eingesetzt werden.
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Hintergrund

Die starke Regelblutung (Heavy Menstrual Bleeding, HMB) hat erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität von Frauen. Die NICE-Leitlinie betont, dass jede Intervention primär die Lebensqualität verbessern soll, anstatt sich rein auf die Reduktion des Blutverlustes zu fokussieren. Die natürliche Variabilität des Menstruationszyklus sollte stets mit der Patientin besprochen werden.

Anamnese und Labordiagnostik

Die Anamnese muss die Art der Blutung, Begleitsymptome (wie Schmerzen oder Druckgefühl), die Auswirkungen auf den Alltag sowie Komorbiditäten erfassen. Bei der Labordiagnostik gelten klare Empfehlungen zur Vermeidung von Überdiagnostik:

LaborparameterEmpfehlungBemerkung
Großes BlutbildImmer empfohlenParallel zu jedem Therapiebeginn
GerinnungsdiagnostikBei IndikationNur bei HMB seit der Menarche und positiver Familienanamnese
FerritinNicht empfohlenKeine routinemäßige Bestimmung
Weibliche HormoneNicht empfohlenKeine routinemäßige Bestimmung
SchilddrüsenwerteNur bei IndikationNur bei weiteren klinischen Zeichen einer Schilddrüsenerkrankung

Bildgebung und Endoskopie

Die Wahl der Diagnostik richtet sich nach der Anamnese und der körperlichen Untersuchung. Kochsalz-Infusions-Sonographie, MRT und alleinige Kürettage (D&C) werden als primäre Diagnostik nicht empfohlen.

UntersuchungsmethodeIndikationBemerkung
Ambulante HysteroskopieVerdacht auf submuköse Myome, Polypen oder EndometriumpathologieErmöglicht "See-and-Treat" im selben Eingriff
Becken-UltraschallTastbarer Uterus, Verdacht auf Raumforderung, erschwerte Untersuchung (z.B. Adipositas)Bei Verdacht auf größere Myome
Transvaginaler UltraschallVerdacht auf AdenomyoseBevorzugt gegenüber abdominalem Ultraschall oder MRT

Hinweis zur Biopsie: Eine Endometriumbiopsie sollte nur im Rahmen einer Hysteroskopie bei Hochrisikopatientinnen (z.B. persistierende Zwischenblutungen, Adipositas, PCOS, Tamoxifen-Therapie) erfolgen. "Blinde" Biopsien sind obsolet.

Medikamentöse Stufentherapie

Die Therapieauswahl muss die Präferenzen der Patientin, Begleiterkrankungen sowie den Kinderwunsch berücksichtigen.

Bei unauffälligem Befund, Adenomyose oder Myomen <3 cm

StufeTherapieoptionBemerkung
1. WahlLNG-IUSLevonorgestrel-freisetzendes Intrauterinsystem (Wirkung oft erst nach 6 Zyklen voll beurteilbar)
AlternativenTranexamsäure, NSARNicht-hormonelle Optionen
AlternativenKombinierte Kontrazeptiva, zyklische GestageneHormonelle Optionen

Bei Myomen ≥3 cm

Patientinnen mit Myomen ab 3 cm Durchmesser sollten zur weiteren Diagnostik und Therapieplanung an einen Spezialisten überwiesen werden.

TherapieartOptionenBemerkung
ÜberbrückungTranexamsäure, NSARBis zur definitiven Therapie
MedikamentösLNG-IUS, Kontrazeptiva, GestageneWirksamkeit bei sehr großen Myomen oft limitiert
SpezialtherapieUlipristalacetat (5 mg)Nur wenn Operation/Embolisation ungeeignet oder fehlgeschlagen sind. Strenge Leberwertkontrollen erforderlich!
InterventionellUterusarterienembolisationErhalt der Fertilität potenziell möglich
OperativMyomektomie, HysterektomieVorab Ultraschall/MRT zur Beurteilung der Myome

Chirurgische Therapie

Vor einer chirurgischen Intervention muss eine ausführliche Aufklärung über die Auswirkungen auf Fertilität, Sexualität und Blasenfunktion erfolgen.

  • Endometriumablation: Patientinnen müssen nach dem Eingriff eine sichere Kontrazeption anwenden.
  • Hysterektomie: Die Route (laparoskopisch, laparotomisch, vaginal) ist individuell abzustimmen. Die Ovarien dürfen nur auf ausdrücklichen Wunsch und nach informierter Einwilligung entfernt werden.
  • Kürettage (D&C): Darf nicht als therapeutische Option für HMB angeboten werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei isolierter starker Regelblutung auf die routinemäßige Bestimmung von Ferritin und weiblichen Hormonen. Setzen Sie stattdessen frühzeitig ein großes Blutbild ein und fokussieren Sie sich auf die Lebensqualität der Patientin.

Häufig gestellte Fragen

Ein großes Blutbild ist bei allen Patientinnen indiziert. Gerinnungstests sind nur bei HMB seit der Menarche und positiver Familienanamnese nötig. Ferritin und Hormone sollten nicht routinemäßig bestimmt werden.
Die ambulante Hysteroskopie ist die Methode der Wahl bei Verdacht auf submuköse Myome, Polypen oder Endometriumpathologien, da sie eine direkte Beurteilung und oft eine simultane Behandlung ermöglicht.
Die Leitlinie empfiehlt ein Levonorgestrel-freisetzendes Intrauterinsystem (LNG-IUS) als erste Therapieoption bei unauffälligem Befund, Adenomyose oder Myomen unter 3 cm.
Ulipristalacetat darf bei Myomen ≥3 cm nur noch eingesetzt werden, wenn chirurgische Optionen oder eine Embolisation nicht geeignet oder fehlgeschlagen sind. Es erfordert strenge monatliche Leberwertkontrollen.
Nein, die alleinige Dilatation und Kürettage (D&C) wird von der Leitlinie weder als primäres Diagnostikum noch als Therapieoption empfohlen.

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