Verstärkte Menstruationsblutung (HMB): NICE-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Das primäre Ziel jeder Intervention ist die Verbesserung der Lebensqualität, nicht nur die Reduktion des Blutverlusts.
- •Ein großes Blutbild ist bei allen Patientinnen indiziert; routinemäßige Hormon- oder Ferritinbestimmungen werden nicht empfohlen.
- •Bei Verdacht auf submuköse Myome oder Endometriumpolypen ist die ambulante Hysteroskopie die Untersuchung der ersten Wahl.
- •Das Levonorgestrel-freisetzende Intrauterinsystem (LNG-IUS) gilt als Erstlinientherapie bei HMB ohne strukturelle Pathologie.
- •Ulipristalacetat darf wegen des Risikos schwerer Leberschäden nur unter strenger Indikationsstellung und Leberwertkontrolle eingesetzt werden.
Hintergrund
Die verstärkte Menstruationsblutung (Heavy Menstrual Bleeding, HMB) hat erhebliche Auswirkungen auf die physische, soziale und emotionale Lebensqualität von Frauen. Die NICE-Leitlinie betont, dass jede Intervention primär auf die Verbesserung der Lebensqualität abzielen sollte und nicht isoliert auf die Reduktion des Blutverlusts.
Diagnostik und Labor
Vor jeder apparativen Untersuchung oder der Einlage eines Levonorgestrel-freisetzenden Intrauterinsystems (LNG-IUS) muss eine körperliche Untersuchung erfolgen. Die Labordiagnostik sollte zielgerichtet durchgeführt werden:
| Laborparameter | Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Großes Blutbild | Immer empfohlen | Bei allen Patientinnen parallel zum Therapiestart |
| Gerinnungsdiagnostik | Bei Indikation | Nur bei HMB seit der Menarche und positiver (Familien-)Anamnese |
| Serum-Ferritin | Nicht routinemäßig | Keine generelle Empfehlung |
| Weibliche Hormone | Nicht empfohlen | Keine generelle Empfehlung |
| Schilddrüsenhormone | Nur bei Symptomen | Nur bei spezifischen klinischen Zeichen einer Schilddrüsenerkrankung |
Apparative Untersuchungen
Die Wahl der bildgebenden oder endoskopischen Diagnostik richtet sich nach der Anamnese und dem klinischen Befund. MRT, Kochsalz-Infusions-Sonographie und alleinige Dilatation/Kürettage werden als Erstliniendiagnostik nicht empfohlen.
| Indikation / Verdacht | Methode der Wahl | Alternative / Bemerkung |
|---|---|---|
| Submuköse Myome, Polypen, Endometriumpathologie | Ambulante Hysteroskopie | Becken-Ultraschall (falls Hysteroskopie abgelehnt wird) |
| Größere Myome (palpabel, unklarer Befund) | Becken-Ultraschall | - |
| Adenomyose | Transvaginaler Ultraschall | Transabdominaler Ultraschall oder MRT bei Kontraindikation |
- Endometriumbiopsie: Darf nur gezielt im Rahmen einer diagnostischen Hysteroskopie erfolgen. "Blinde" Biopsien werden nicht empfohlen.
- Risikogruppen für Biopsie: Frauen mit persistierenden unregelmäßigen Blutungen, Adipositas, PCOS, Tamoxifen-Therapie oder nach erfolgloser HMB-Therapie.
Stufenschema der Therapie
Die Therapieplanung muss Präferenzen, Komorbiditäten und den Kinderwunsch der Patientin berücksichtigen.
| Situation | 1. Wahl | 2. Wahl / Alternativen |
|---|---|---|
| Keine Pathologie, Myome < 3 cm oder Adenomyose | LNG-IUS | Tranexamsäure, NSAR, kombinierte Kontrazeptiva, zyklische Gestagene |
| Myome ≥ 3 cm | Fachärztliche Überweisung | Überbrückend: Tranexamsäure / NSAR. Definitiv: LNG-IUS, Embolisation, Myomektomie, Hysterektomie |
Spezifische Therapiehinweise
- Ulipristalacetat: Darf bei prämenopausalen Frauen mit Myomen ≥ 3 cm nur intermittierend eingesetzt werden, wenn chirurgische Optionen oder eine Embolisation ungeeignet sind oder versagt haben. Wegen des Risikos für schwere Leberschäden ist eine strenge Überwachung der Leberfunktion (vorab, monatlich in den ersten 2 Kursen) zwingend erforderlich.
- Hysterektomie: Erfordert eine ausführliche Aufklärung über Auswirkungen auf Sexualität, Fertilität und Blasenfunktion. Eine Ovarektomie darf nur auf ausdrücklichen Wunsch und nach informierter Zustimmung erfolgen.
- Dilatation und Kürettage: Darf nicht als therapeutische Option für HMB angeboten werden.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie auf routinemäßige Hormon- und Ferritinbestimmungen bei isolierter HMB. Setzen Sie bei Verdacht auf submuköse Myome primär auf die ambulante Hysteroskopie statt auf den Ultraschall, um eine direkte 'See-and-Treat'-Möglichkeit zu nutzen.