ClariMedClariMed

Extrauteringravidität & Fehlgeburt: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Transvaginaler Ultraschall ist die primäre Diagnostik; bei unklarer Lokalisation (PUL) leiten serielle hCG-Messungen das weitere Vorgehen.
  • Bei drohender Fehlgeburt und anamnestischem Abort wird vaginales Progesteron (2x 400 mg) bis zur 16. SSW empfohlen.
  • Die medikamentöse Therapie des verhaltenen Aborts (Missed Abortion) erfolgt mit Mifepriston und Misoprostol.
  • Ein exspektatives Vorgehen ist bei unkomplizierten Fehlgeburten und stabilen Extrauteringraviditäten (hCG <1.500 IU/l) eine valide Option.
  • Methotrexat ist indiziert bei unrupturierter Extrauteringravidität ohne Herzaktion und hCG <1.500 IU/l.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie (NG126) definiert Standards für die Diagnostik und das initiale Management von Extrauteringraviditäten (EUG) und Fehlgeburten. Ziel ist es, durch standardisierte Ultraschallkriterien und hCG-Verlaufskontrollen Fehldiagnosen zu vermeiden und evidenzbasierte Therapieoptionen (exspektativ, medikamentös, chirurgisch) aufzuzeigen.

Klinische Präsentation

Eine Extrauteringravidität kann sich atypisch präsentieren. Auch weniger häufige Symptome müssen ernst genommen werden.

Häufige Symptome / ZeichenWeitere mögliche Symptome / Zeichen
Abdominale oder pelvine SchmerzenSchulterschmerz, Schwindel, Synkope
Amenorrhö / Ausbleiben der RegelGastrointestinale Symptome, Harndrang
Vaginale Blutung (mit/ohne Koagel)Druckgefühl im Rektum, Schmerz bei Defäkation
Adnex- oder BeckendruckschmerzTachykardie (>100 bpm), Hypotonie, Schock

Diagnostik im Ultraschall

Die primäre Diagnostik erfolgt per transvaginalem Ultraschall (TVUS). Die Diagnose einer Fehlgeburt darf bei sehr frühen Gestationsaltern nicht überstürzt gestellt werden.

BefundKriteriumWeiteres Vorgehen
Fehlende HerzaktionScheitel-Steiß-Länge (SSL) < 7,0 mmZweiter Scan nach mindestens 7 Tagen
Fehlende HerzaktionScheitel-Steiß-Länge (SSL) ≥ 7,0 mmZweitmeinung und/oder Scan nach mind. 7 Tagen
Fehlender fetaler PolMittlerer Fruchtöhlendurchmesser < 25,0 mmZweiter Scan nach mindestens 7 Tagen
Fehlender fetaler PolMittlerer Fruchtöhlendurchmesser ≥ 25,0 mmZweitmeinung und/oder Scan nach mind. 7 Tagen

Schwangerschaft unklarer Lokalisation (PUL)

Bei einer PUL darf der initiale hCG-Wert nicht zur Bestimmung der Lokalisation herangezogen werden. Entscheidend sind zwei Serum-hCG-Messungen im Abstand von 48 Stunden.

hCG-Verlauf (nach 48h)InterpretationVorgehen
Anstieg > 63%Wahrscheinlich intrauterine SchwangerschaftTVUS nach 7-14 Tagen (früher bei hCG ≥1.500 IU/l)
Abfall > 50%Schwangerschaft wahrscheinlich nicht intaktUrin-Schwangerschaftstest nach 14 Tagen
Anstieg < 63% oder Abfall < 50%Verdacht auf ExtrauteringraviditätKlinische Überprüfung innerhalb von 24 Stunden

Management der Fehlgeburt

Das Management richtet sich nach der Art der Fehlgeburt und den Präferenzen der Patientin.

Stufe / IndikationTherapieDosierung / Bemerkung
Drohende FehlgeburtVaginales mikronisiertes Progesteron400 mg 2x täglich (bis 16. SSW) bei Z.n. Abort und Blutung
ExspektativAbwarten (First-Line)Für 7-14 Tage; Schwangerschaftstest nach 3 Wochen
Medikamentös (Missed Abortion)Mifepriston + Misoprostol200 mg Mifepriston oral, nach 48h 800 µg Misoprostol
Medikamentös (Inkompletter Abort)Misoprostol600 µg (oder 800 µg) als Einzeldosis (kein Mifepriston!)
ChirurgischMVA oder KürettageBei klinischer Indikation oder auf Wunsch der Patientin

Management der Extrauteringravidität (EUG)

StufeTherapieKriterien / Indikation
ExspektativAbwarten & hCG-KontrolleKlinisch stabil, schmerzfrei, Raumforderung <35 mm, keine Herzaktion, hCG ≤1.000 IU/l (bis 1.500 IU/l erwägen)
MedikamentösSystemisches MethotrexatKeine starken Schmerzen, unrupturiert, <35 mm, keine Herzaktion, hCG <1.500 IU/l (Wahlmöglichkeit bis 5.000 IU/l)
ChirurgischLaparoskopie (Salpingektomie/-tomie)Starke Schmerzen, ≥35 mm, sichtbare Herzaktion, hCG ≥5.000 IU/l oder Follow-up nicht möglich

Hinweis zur Chirurgie: Die Salpingektomie ist die Standardtherapie. Eine Salpingotomie sollte bei Risikofaktoren für Infertilität (z. B. kontralateraler Tubenschaden) erwogen werden.

Anti-D-Prophylaxe

  • Indiziert: Rhesus-negative Frauen bei chirurgischem Management einer EUG oder Fehlgeburt (Dosis: 250 IE / 50 µg).
  • Nicht indiziert: Bei rein medikamentösem oder exspektativem Management, drohender oder kompletter Fehlgeburt sowie bei Schwangerschaft unklarer Lokalisation.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie bei einer Schwangerschaft unklarer Lokalisation (PUL) niemals den initialen hCG-Wert zur Bestimmung der Schwangerschaftslokalisation. Entscheidend ist ausschließlich die Dynamik der seriellen hCG-Messung im Abstand von 48 Stunden.

Häufig gestellte Fragen

Wenn die Scheitel-Steiß-Länge (SSL) <7,0 mm oder der mittlere Fruchtöhlendurchmesser <25,0 mm ohne sichtbare Herzaktion bzw. fetalen Pol beträgt, sollte ein zweiter Scan nach mindestens 7 Tagen erfolgen.
Die Leitlinie empfiehlt 200 mg Mifepriston oral, gefolgt von 800 Mikrogramm Misoprostol (vaginal, oral oder sublingual) 48 Stunden später.
Frauen mit vaginaler Blutung, einer sonografisch bestätigten intrauterinen Schwangerschaft und mindestens einer vorangegangenen Fehlgeburt sollten 2x täglich 400 mg vaginales mikronisiertes Progesteron bis zur 16. SSW erhalten.
Rhesus-negative Frauen erhalten 250 IE (50 Mikrogramm) Anti-D-Immunglobulin nach einem chirurgischen Eingriff wegen Extrauteringravidität oder Fehlgeburt. Bei rein medikamentösem oder exspektativem Vorgehen ist sie nicht indiziert.
Klinische Stabilität, Schmerzfreiheit, eine Raumforderung <35 mm ohne fetale Herzaktion im Ultraschall sowie ein hCG-Wert von idealerweise ≤1.000 IU/l (bis max. 1.500 IU/l möglich).

Verwandte Leitlinien