Endometriose: Diagnostik und Therapie (NICE-Leitlinie)
📋Auf einen Blick
- •Transvaginaler Ultraschall ist die primäre Bildgebung bei Verdacht auf Endometriose.
- •Ein unauffälliger Ultraschall schließt eine Endometriose nicht aus; eine Laparoskopie kann dennoch indiziert sein.
- •Hormonelle Therapien lindern Schmerzen und haben keinen negativen Einfluss auf die spätere Fertilität.
- •Bei Kinderwunsch verbessert die chirurgische Exzision/Ablation die spontane Schwangerschaftsrate, hormonelle Therapien jedoch nicht.
Hintergrund
Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die erhebliche physische, sexuelle, psychologische und soziale Auswirkungen haben kann. Die aktuelle NICE-Leitlinie bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung, um Verzögerungen in der Diagnose zu minimieren und die Lebensqualität der betroffenen Frauen zu verbessern.
Symptome und klinische Zeichen
Ein Verdacht auf Endometriose sollte bei Frauen (einschließlich Jugendlichen unter 17 Jahren) geäußert werden, wenn eines oder mehrere der folgenden Symptome vorliegen:
- Chronische Beckenschmerzen
- Dysmenorrhoe (schmerzhafte Menstruation), die den Alltag einschränkt
- Tiefe Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
- Zyklische gastrointestinale Symptome (z. B. schmerzhafter Stuhlgang)
- Zyklische urologische Symptome (z. B. Hämaturie oder Schmerzen beim Wasserlassen)
- Infertilität in Verbindung mit den oben genannten Symptomen
Wichtig: Eine positive Familienanamnese (Verwandte ersten Grades) erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine Endometriose. Zudem muss beachtet werden, dass das Schmerzempfinden individuell ist und durch kulturelle Hintergründe oder Neurodivergenz unterschiedlich ausgedrückt werden kann.
Diagnostik und Überweisung
Die Diagnostik sollte parallel zur initialen medikamentösen Therapie erfolgen.
| Methode | Indikation | Bemerkung |
|---|---|---|
| Transvaginaler Ultraschall | Primäre Bildgebung bei allen Verdachtsfällen | Identifiziert Endometriome und tiefe Endometriose. Auch bei unauffälliger Tastuntersuchung empfohlen. |
| Transabdominaler Ultraschall | Wenn transvaginal abgelehnt/nicht geeignet | Alternative zur primären Bildgebung. |
| MRT / Spezial-Ultraschall | Verdacht auf tiefe Endometriose | Zur genauen Diagnose und Ausdehnungsbestimmung. Muss von Experten befundet werden. |
| Diagnostische Laparoskopie | Persistierende Symptome trotz unauffälliger Bildgebung | Goldstandard. Sollte eine systematische Inspektion und ggf. Biopsien umfassen. |
| Serum-CA125 | Nicht empfohlen | Darf nicht zur Diagnostik der Endometriose verwendet werden. |
Kernaussage: Ein unauffälliger Tast- und Ultraschallbefund schließt eine Endometriose nicht aus.
Medikamentöse Therapie
| Stufe | Therapie | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1. Analgesie | Paracetamol oder NSAR | Kurzzeitiger Versuch (z. B. 3 Monate) als Monotherapie oder in Kombination. |
| 2. Hormontherapie | Kombinationspille oder Gestagene | Reduziert Schmerzen. Hat keinen permanenten negativen Effekt auf die spätere Fertilität. |
| 3. GnRH-Antagonisten | Linzagolix, Relugolix | Bei unzureichender Wirkung anderer Therapien (gemäß spezifischen NICE-Vorgaben). |
Chirurgische Therapie
Die chirurgische Sanierung sollte laparoskopisch erfolgen. Die Entscheidung muss die Präferenzen der Patientin bezüglich Schmerzlinderung und Kinderwunsch berücksichtigen.
- Peritoneale Endometriose & unkomplizierte Endometriome: Können oft direkt während der diagnostischen Laparoskopie behandelt werden.
- Endometriome: Eine Exzision ist einer Ablation vorzuziehen, wobei die ovarielle Reserve und der Kinderwunsch beachtet werden müssen.
- Postoperativ: Eine hormonelle Therapie (z. B. Kombinationspille) sollte erwogen werden, um den chirurgischen Nutzen zu verlängern und Symptome zu kontrollieren.
- Hysterektomie: Nur bei spezifischer Indikation (z. B. Adenomyose). Dabei müssen alle sichtbaren Endometriose-Läsionen entfernt werden.
Management bei Kinderwunsch
Wenn die Fertilität Priorität hat, gelten besondere Empfehlungen, die idealerweise multidisziplinär (inkl. Reproduktionsmedizinern) abgestimmt werden:
- Chirurgie: Die Exzision oder Ablation von Endometriose (ohne Darm-/Blasen-/Ureterbeteiligung) plus Adhäsiolyse verbessert die spontane Schwangerschaftsrate.
- Endometriome: Laparoskopische Zystektomie oder Drainage/Ablation verbessern die Schwangerschaftsrate. Achtung: Drainage/Ablation schont die ovarielle Reserve möglicherweise besser als eine Zystektomie.
- Hormontherapie: Darf bei Frauen mit Kinderwunsch nicht (weder allein noch perioperativ) zur Steigerung der Schwangerschaftsrate angeboten werden, da sie diese nicht verbessert.
💡Praxis-Tipp
Ein unauffälliger Ultraschall- oder MRT-Befund schließt eine Endometriose nicht aus. Überweisen Sie Patientinnen bei persistierenden Symptomen dennoch zur weiteren Abklärung (z.B. Laparoskopie).