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NICEA2017Gynäkologie

Endometriose: Diagnostik und Therapie (NICE-Leitlinie)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Transvaginaler Ultraschall ist die primäre Bildgebung bei Verdacht auf Endometriose.
  • Ein unauffälliger Ultraschall schließt eine Endometriose nicht aus; eine Laparoskopie kann dennoch indiziert sein.
  • Hormonelle Therapien lindern Schmerzen und haben keinen negativen Einfluss auf die spätere Fertilität.
  • Bei Kinderwunsch verbessert die chirurgische Exzision/Ablation die spontane Schwangerschaftsrate, hormonelle Therapien jedoch nicht.
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Hintergrund

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die erhebliche physische, sexuelle, psychologische und soziale Auswirkungen haben kann. Die aktuelle NICE-Leitlinie bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung, um Verzögerungen in der Diagnose zu minimieren und die Lebensqualität der betroffenen Frauen zu verbessern.

Symptome und klinische Zeichen

Ein Verdacht auf Endometriose sollte bei Frauen (einschließlich Jugendlichen unter 17 Jahren) geäußert werden, wenn eines oder mehrere der folgenden Symptome vorliegen:

  • Chronische Beckenschmerzen
  • Dysmenorrhoe (schmerzhafte Menstruation), die den Alltag einschränkt
  • Tiefe Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
  • Zyklische gastrointestinale Symptome (z. B. schmerzhafter Stuhlgang)
  • Zyklische urologische Symptome (z. B. Hämaturie oder Schmerzen beim Wasserlassen)
  • Infertilität in Verbindung mit den oben genannten Symptomen

Wichtig: Eine positive Familienanamnese (Verwandte ersten Grades) erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine Endometriose. Zudem muss beachtet werden, dass das Schmerzempfinden individuell ist und durch kulturelle Hintergründe oder Neurodivergenz unterschiedlich ausgedrückt werden kann.

Diagnostik und Überweisung

Die Diagnostik sollte parallel zur initialen medikamentösen Therapie erfolgen.

MethodeIndikationBemerkung
Transvaginaler UltraschallPrimäre Bildgebung bei allen VerdachtsfällenIdentifiziert Endometriome und tiefe Endometriose. Auch bei unauffälliger Tastuntersuchung empfohlen.
Transabdominaler UltraschallWenn transvaginal abgelehnt/nicht geeignetAlternative zur primären Bildgebung.
MRT / Spezial-UltraschallVerdacht auf tiefe EndometrioseZur genauen Diagnose und Ausdehnungsbestimmung. Muss von Experten befundet werden.
Diagnostische LaparoskopiePersistierende Symptome trotz unauffälliger BildgebungGoldstandard. Sollte eine systematische Inspektion und ggf. Biopsien umfassen.
Serum-CA125Nicht empfohlenDarf nicht zur Diagnostik der Endometriose verwendet werden.

Kernaussage: Ein unauffälliger Tast- und Ultraschallbefund schließt eine Endometriose nicht aus.

Medikamentöse Therapie

StufeTherapieBemerkung
1. AnalgesieParacetamol oder NSARKurzzeitiger Versuch (z. B. 3 Monate) als Monotherapie oder in Kombination.
2. HormontherapieKombinationspille oder GestageneReduziert Schmerzen. Hat keinen permanenten negativen Effekt auf die spätere Fertilität.
3. GnRH-AntagonistenLinzagolix, RelugolixBei unzureichender Wirkung anderer Therapien (gemäß spezifischen NICE-Vorgaben).

Chirurgische Therapie

Die chirurgische Sanierung sollte laparoskopisch erfolgen. Die Entscheidung muss die Präferenzen der Patientin bezüglich Schmerzlinderung und Kinderwunsch berücksichtigen.

  • Peritoneale Endometriose & unkomplizierte Endometriome: Können oft direkt während der diagnostischen Laparoskopie behandelt werden.
  • Endometriome: Eine Exzision ist einer Ablation vorzuziehen, wobei die ovarielle Reserve und der Kinderwunsch beachtet werden müssen.
  • Postoperativ: Eine hormonelle Therapie (z. B. Kombinationspille) sollte erwogen werden, um den chirurgischen Nutzen zu verlängern und Symptome zu kontrollieren.
  • Hysterektomie: Nur bei spezifischer Indikation (z. B. Adenomyose). Dabei müssen alle sichtbaren Endometriose-Läsionen entfernt werden.

Management bei Kinderwunsch

Wenn die Fertilität Priorität hat, gelten besondere Empfehlungen, die idealerweise multidisziplinär (inkl. Reproduktionsmedizinern) abgestimmt werden:

  • Chirurgie: Die Exzision oder Ablation von Endometriose (ohne Darm-/Blasen-/Ureterbeteiligung) plus Adhäsiolyse verbessert die spontane Schwangerschaftsrate.
  • Endometriome: Laparoskopische Zystektomie oder Drainage/Ablation verbessern die Schwangerschaftsrate. Achtung: Drainage/Ablation schont die ovarielle Reserve möglicherweise besser als eine Zystektomie.
  • Hormontherapie: Darf bei Frauen mit Kinderwunsch nicht (weder allein noch perioperativ) zur Steigerung der Schwangerschaftsrate angeboten werden, da sie diese nicht verbessert.

💡Praxis-Tipp

Ein unauffälliger Ultraschall- oder MRT-Befund schließt eine Endometriose nicht aus. Überweisen Sie Patientinnen bei persistierenden Symptomen dennoch zur weiteren Abklärung (z.B. Laparoskopie).

Häufig gestellte Fragen

Typische Symptome sind chronische Beckenschmerzen, Dysmenorrhoe, tiefe Dyspareunie, zyklische Darm- oder Blasenbeschwerden sowie Infertilität.
Nein, primär wird ein transvaginaler Ultraschall empfohlen. Ein MRT oder Spezial-Ultraschall ist erst bei Verdacht auf tiefe Endometriose indiziert.
Nein, hormonelle Therapien verbessern die spontane Schwangerschaftsrate nicht und sollten bei alleinigem Kinderwunsch nicht angeboten werden.
Nein, die Leitlinie rät explizit davon ab, das Serum-CA125 zur Diagnose der Endometriose zu verwenden.

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