Endometriose: Diagnostik & Therapie (NICE-Leitlinie)
📋Auf einen Blick
- •Der transvaginale Ultraschall ist die primäre Bildgebung und sollte allen Patientinnen mit Verdacht auf Endometriose angeboten werden.
- •Ein unauffälliger Ultraschall oder Tastbefund schließt eine Endometriose nicht aus.
- •Die Bestimmung von CA125 im Serum ist zur Diagnostik der Endometriose nicht empfohlen.
- •Bei Kinderwunsch verbessert die laparoskopische Exzision oder Ablation die spontane Schwangerschaftsrate.
- •Hormonelle Therapien verbessern die Schwangerschaftsrate bei Kinderwunsch nicht und sollten hierfür nicht eingesetzt werden.
Hintergrund
Die Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die erhebliche physische, sexuelle und psychologische Auswirkungen haben kann. Die NICE-Leitlinie empfiehlt den Aufbau eines gestuften Versorgungsnetzwerks aus Primärversorgung, allgemeiner Gynäkologie und spezialisierten Endometriose-Zentren, um Diagnoseverzögerungen zu minimieren und eine koordinierte Behandlung zu gewährleisten.
Leitsymptome und Anamnese
Ein Verdacht auf Endometriose besteht bei einem oder mehreren der folgenden Symptome, insbesondere wenn eine positive Familienanamnese (Verwandte 1. Grades) vorliegt:
| Symptom-Kategorie | Spezifische Beschwerden |
|---|---|
| Schmerz | Chronische Beckenschmerzen, Dysmenorrhoe (mit Einschränkung der Lebensqualität), tiefe Dyspareunie |
| Gastrointestinal | Zyklische oder menstruationsbezogene Darmsymptome (z. B. Schmerzen beim Stuhlgang) |
| Urologisch | Zyklische urologische Symptome (z. B. Hämaturie, Schmerzen beim Wasserlassen) |
| Reproduktiv | Infertilität in Kombination mit obigen Symptomen |
Diagnostik
Die Diagnostik sollte parallel zur initialen medikamentösen Therapie erfolgen, um Verzögerungen zu vermeiden.
- Transvaginaler Ultraschall: Allen Patientinnen anbieten, um Endometriome und tiefe Endometriose (Darm, Blase, Ureter) zu identifizieren.
- CA125: Nicht zur Diagnostik verwenden.
- MRT / Spezial-Ultraschall: Zur genauen Beurteilung einer tiefen Endometriose vor operativen Eingriffen.
- Diagnostische Laparoskopie: Auch bei unauffälliger Bildgebung erwägen. Eine systematische Inspektion mit Dokumentation und ggf. Biopsie wird empfohlen.
Wichtig: Ein unauffälliger Tastbefund und ein normaler Ultraschall schließen eine Endometriose nicht aus.
Medikamentöse Therapie
| Stufe | Therapieoption | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1. Wahl (Schmerz) | Paracetamol oder NSAR | Kurzzeitiger Versuch (z. B. 3 Monate) |
| Hormontherapie | Kombinierte Pille oder Gestagene | Reduziert Schmerzen, kein negativer Effekt auf spätere Fertilität |
| Reserve | GnRH-Antagonisten (z. B. Linzagolix, Relugolix) | Gemäß spezifischer Zulassung nach Vortherapie |
Operative Therapie
- Laparoskopischer Zugang: Standardverfahren für die chirurgische Therapie.
- Endometriome: Exzision gegenüber Ablation bevorzugen, jedoch Ovarialreserve und Kinderwunsch beachten.
- Hysterektomie: Wenn indiziert (z. B. bei Adenomyose), immer mit der Exzision aller sichtbaren Endometrioseherde kombinieren.
Management bei Kinderwunsch
Bei Patientinnen mit primärem Kinderwunsch gelten besondere Empfehlungen, da die Erhaltung der Ovarialreserve und die Optimierung der Konzeptionswahrscheinlichkeit im Vordergrund stehen.
| Maßnahme | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Exzision/Ablation + Adhäsiolyse | Empfohlen | Verbessert die Rate spontaner Schwangerschaften bei peritonealer Endometriose |
| Ovarialzystektomie vs. Drainage | Individuell abwägen | Drainage und Ablation schonen die Ovarialreserve potenziell besser als eine Zystektomie |
| Hormontherapie | Nicht empfohlen | Verbessert die Schwangerschaftsrate nicht (weder allein noch perioperativ) |
💡Praxis-Tipp
Ein unauffälliger Tastbefund und ein normaler Ultraschall schließen eine Endometriose nicht aus. Überweisen Sie Patientinnen bei persistierenden, alltagseinschränkenden Beschwerden dennoch zur weiteren Abklärung an einen Spezialisten.