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Kopf-Hals-Tumoren (UADT): Aktuelle NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein systemisches Staging wird für alle Patienten empfohlen, ausgenommen bei T1N0- oder T2N0-Tumoren.
  • Bei oropharyngealen Plattenepithelkarzinomen ist eine p16-Immunhistochemie zur HPV-Testung obligatorisch.
  • Die Beurteilung des Therapieansprechens nach Radiochemotherapie sollte nach 3 bis 6 Monaten mittels FDG-PET-CT erfolgen.
  • Bei frühem Mundhöhlenkarzinom (T1-T2, N0) wird eine Sentinel-Lymphknoten-Biopsie anstelle einer elektiven Neck-Dissection empfohlen.
  • Eine De-Eskalation der kurativen Therapie bei HPV-positiven Oropharynxkarzinomen darf nur im Rahmen klinischer Studien erfolgen.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie behandelt die Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen des oberen Aerodigestivtraktes (Kopf-Hals-Tumoren) bei Personen ab 16 Jahren. Ziel ist es, die Überlebensraten zu verbessern und die klinische Praxis zu standardisieren. Die Stadieneinteilung basiert auf der TNM-Klassifikation:

StadiumBeschreibung
T0Kein Primärtumor, ggf. präkanzeröse Zellen
T1-T4Zunehmende Größe und/oder Ausdehnung des Primärtumors
N0Keine Lymphknotenmetastasierung
N1+Zunehmender Lymphknotenbefall

Diagnostik und Staging

Bei Verdacht auf einen Kopf-Hals-Tumor durch eine Halsraumforderung sollte eine ultraschallgesteuerte Feinnadelaspiration oder Stanzbiopsie erwogen werden.

CUP-Syndrom (Occult Primary):

  • FDG-PET-CT als erste Untersuchung zur Suche des Primärtumors bei metastasiertem Plattenepithelkarzinom unbekannten Ursprungs.
  • Falls das PET-CT negativ ist: Einsatz von Narrow-Band-Imaging-Endoskopie und Biopsien.
  • Chirurgische Diagnostik (z. B. Tonsillektomie, Zungengrundmukosektomie), falls der Primärtumor weiterhin unklar bleibt.

Klinisches Staging:

  • Systemisches Staging für alle Patienten, außer bei T1N0- oder T2N0-Erkrankungen.
  • FDG-PET-CT zwingend bei T4-Karzinomen des Hypopharynx oder Nasopharynx sowie bei N3-Status.

Therapie im Frühstadium

Die Wahl der Therapie richtet sich stark nach der genauen Lokalisation und dem Tumorstadium:

LokalisationStadiumTherapieempfehlung
GlottisT1aTransorale Lasermikrochirurgie
GlottisT1b-T2Transorale Lasermikrochirurgie ODER Radiotherapie
SupraglottisT1b-T2Transorale Chirurgie ODER Radiotherapie
MundhöhleT1-T2, N0Sentinel-Lymphknoten-Biopsie (statt elektiver Neck-Dissection)
OropharynxT1-T2, N0Transorale Resektion ODER primäre Radiotherapie

Therapie im fortgeschrittenen Stadium

Für fortgeschrittene Tumoren ist oft ein multimodaler Ansatz erforderlich. Bei T3-Larynxkarzinomen haben Patienten die Wahl zwischen Radiochemotherapie oder Chirurgie mit adjuvanter Radiotherapie. Bei T4a-Larynxkarzinomen sollte primär operiert werden.

Bei lokal fortgeschrittenen Hypopharynxkarzinomen wird eine larynxerhaltende Therapie (Radiotherapie mit Chemotherapie) empfohlen, sofern keine tumorbedingte Dysphagie (die eine Ernährungssonde erfordert), keine Atemwegskompression und keine rezidivierenden Aspirationspneumonien vorliegen.

Systemische Therapieoptionen:

WirkstoffIndikationVoraussetzung / Bemerkung
Cetuximab + RTLokal fortgeschrittenKarnofsky-Index ≥90%, platinbasierte Therapie kontraindiziert
PembrolizumabMetastasiert / InoperabelPD-L1 CPS ≥1 (max. 2 Jahre Therapiedauer)
NivolumabRezidiviert / MetastasiertProgress innerhalb von 6 Monaten nach platinbasierter Chemo
Cetuximab + ChemoRezidiviert / MetastasiertNur bei primärem Mundhöhlenkarzinom

HPV-assoziierte Erkrankungen

Alle Plattenepithelkarzinome des Oropharynx müssen mittels p16-Immunhistochemie getestet werden. Ein positives Ergebnis erfordert eine starke nukleäre und zytoplasmatische Färbung in >70% der Tumorzellen. Zur Bestätigung sollte eine High-Risk HPV DNA- oder RNA-In-situ-Hybridisierung erwogen werden.

Wichtig: Eine De-Eskalation der kurativen Therapie bei HPV-positiven Oropharynxkarzinomen wird außerhalb klinischer Studien nicht empfohlen.

Beurteilung des Therapieansprechens

Nach einer radikalen Radiochemotherapie ist die Bildgebung entscheidend für das weitere Vorgehen:

  • FDG-PET-CT 3 bis 6 Monate nach Abschluss der Therapie durchführen.
  • Indiziert bei Oropharynxkarzinomen mit ≥2 positiven Lymphknoten (<6 cm).
  • Keine Neck-Dissection durchführen, wenn das PET-CT keine abnormale FDG-Aufnahme oder residuelle Weichteilmasse zeigt.

Rehabilitation

Der Bedarf an enteraler Ernährung (inkl. prophylaktischer Sondenanlage) muss bereits bei Diagnosestellung im interdisziplinären Team bewertet werden. Patienten unter Radiotherapie sollten frühzeitig Schluck- und Mundöffnungsübungen durchführen, um Spätfolgen zu minimieren.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie ein FDG-PET-CT zur Beurteilung des Therapieansprechens nach Radiochemotherapie frühestens nach 3 bis 6 Monaten durch, um falsch-positive Ergebnisse durch therapiebedingte Entzündungen zu vermeiden. Ist das PET-CT negativ, ersparen Sie dem Patienten eine unnötige Neck-Dissection.

Häufig gestellte Fragen

Ein systemisches Staging wird für alle Patienten empfohlen, mit Ausnahme der frühen Stadien T1N0 und T2N0.
Primär mittels p16-Immunhistochemie (positiv bei >70% Färbung der Tumorzellen), gefolgt von einer High-Risk HPV In-situ-Hybridisierung zur Bestätigung.
Nein, eine De-Eskalation der kurativen Therapie wird außerhalb klinischer Studien ausdrücklich nicht empfohlen.
Das FDG-PET-CT sollte 3 bis 6 Monate nach Abschluss der Radiochemotherapie durchgeführt werden.
Es wird eine Sentinel-Lymphknoten-Biopsie anstelle einer elektiven Neck-Dissection empfohlen, sofern kein zervikaler Zugang für eine Rekonstruktion benötigt wird.

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