Ösophagus- & Magenkarzinom: Leitlinie (NICE)
📋Auf einen Blick
- •F-18 FDG PET-CT wird für alle potenziell kurativen Ösophagus- und Übergangstumoren (außer T1a) empfohlen.
- •Bei potenziell kurablem Magenkarzinom soll immer eine Staging-Laparoskopie angeboten werden.
- •Nach Stent-Einlage bei maligner Obstruktion soll keine routinemäßige externe Radiotherapie (EBRT) erfolgen, außer bei anhaltenden Blutungen.
- •Eine routinemäßige klinische oder radiologische Nachsorge zur reinen Rezidivsuche bei asymptomatischen Patienten wird nicht empfohlen.
Hintergrund
Das Ösophagus- und Magenkarzinom erfordert eine interdisziplinäre Betreuung. Die NICE-Leitlinie empfiehlt, dass alle Patienten Zugang zu einer spezialisierten Pflegekraft (Clinical Nurse Specialist) haben und Behandlungsentscheidungen in einem multidisziplinären Tumorboard (MDT) getroffen werden. Kurative Resektionen sollen ausschließlich in spezialisierten chirurgischen Zentren durch spezialisierte Chirurgen erfolgen.
Diagnostik und Staging
Die initiale Diagnostik umfasst Endoskopie und Ganzkörper-CT. Darauf aufbauend gelten folgende Empfehlungen zur Evaluation der kurativen Resektabilität:
| Entität | Empfohlene Diagnostik | Bemerkung |
|---|---|---|
| Ösophagus / Übergang | F-18 FDG PET-CT | Für alle potenziell kurablen Tumoren (außer T1a) |
| Ösophagus / Übergang | Endosonographie (EUS) | Nur wenn es das weitere Management ändert (nicht nur zur T2/T3-Unterscheidung) |
| Magenkarzinom | Staging-Laparoskopie | Allen Patienten mit potenziell kurablem Tumor anbieten |
| Magenkarzinom | F-18 FDG PET-CT | Nur bei Verdacht auf Metastasierung und therapeutischer Konsequenz |
Bei metastasiertem ösophagogastralem Adenokarzinom soll routinemäßig eine HER2-Testung erfolgen.
Radikale Therapie
Die Wahl der kurativen Therapie hängt von der genauen Lokalisation, der Histologie und dem Tumorstadium ab.
| Tumorstadium / Entität | Therapieoptionen | Bemerkung |
|---|---|---|
| T1N0 Ösophagus | Endoskopische Mukosaresektion (EMR) | Dient primär dem exakten Staging |
| T1bN0 Plattenepithel | Definitive Radiochemotherapie oder OP | Gemeinsame Entscheidungsfindung |
| Plattenepithel (resektabel) | Radikale Radiochemotherapie oder neoadjuvante Radiochemotherapie + OP | Gemeinsame Entscheidungsfindung |
| Adenokarzinom Ösophagus/Übergang (ab T2) | Perioperative Chemotherapie oder neoadjuvante Radiochemotherapie | Vor chirurgischer Resektion |
| Magenkarzinom | Perioperative Chemotherapie | Vor und nach radikaler Resektion |
Chirurgische Prinzipien
- Magenkarzinom: Bei kurativer Gastrektomie sollte eine D2-Lymphknotendissektion erwogen werden.
- Ösophaguskarzinom: Bei kurativer Ösophagektomie (offen oder minimal-invasiv/hybrid) sollte eine Zwei-Feld-Lymphknotendissektion erwogen werden.
Palliative Therapie
Für Patienten, die nicht für eine kurative Therapie infrage kommen, steht der Erhalt der Lebensqualität im Vordergrund.
Systemtherapie
- HER2-positiv: Trastuzumab in Kombination mit Cisplatin und Capecitabin/5-FU als Erstlinientherapie.
- HER2-negativ: Erstlinien-Kombinationschemotherapie (Doublet oder Triplet mit 5-FU/Capecitabin, Cisplatin/Oxaliplatin, ggf. Epirubicin) bei gutem Allgemeinzustand (Performance Status 0-2).
- Zweitlinientherapie: Kann erwogen werden, alternativ Teilnahme an klinischen Studien prüfen.
Management der malignen Dysphagie (Update 2023)
Bei luminaler Obstruktion durch Ösophagus- oder Übergangstumoren:
| Maßnahme | Indikation |
|---|---|
| Selbstexpandierende Stents | Zur sofortigen Linderung der Dysphagie |
| Stents oder Radiotherapie | Abhängig von Dysphagie-Grad, Prognose und Performance-Status |
| Externe Radiotherapie (EBRT) nach Stent | Nicht routinemäßig anbieten. Nur bei anhaltenden Blutungen oder bekannten Gerinnungsstörungen erwägen |
Hinweis zu Magenkarzinomen: Bei Magenausgangsstenose unbeschichtete Metallstents oder palliative Chirurgie anbieten (abhängig von OP-Fähigkeit und Prognose).
Ernährung und Supportivtherapie
- Radikale Therapie: Sofortige enterale oder parenterale Ernährung nach radikaler Ösophagus-/Übergangs-OP anbieten.
- Palliativ: Frühzeitige Einbindung spezialisierter Ernährungsberater für Onkologie.
Nachsorge
Für asymptomatische Patienten nach kurativer Therapie gibt es klare Empfehlungen zur Vermeidung von Überdiagnostik:
- Keine routinemäßigen klinischen Follow-ups nur zur Rezidivsuche.
- Keine routinemäßige radiologische Surveillance (Bildgebung) nur zur Rezidivsuche.
- Stattdessen: Aufklärung über Rezidivsymptome und Angebot eines schnellen Zugangs zum Tumorboard bei Auftreten von Beschwerden.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei asymptomatischen Patienten nach kurativer Therapie auf routinemäßige radiologische Nachsorgeuntersuchungen. Bieten Sie stattdessen einen schnellen Zugang zum Tumorboard bei neuen Symptomen an.