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Schilddruesenkarzinom: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Greyscale-Ultraschall ist die initiale Diagnostik, gefolgt von Feinnadelaspirationszytologie (FNAC) bei Auffaelligkeiten.
  • Die chirurgische Therapie reicht von aktiver Ueberwachung bei Mikrokarzinomen bis zur totalen Thyreoidektomie bei T3/T4 oder Metastasen.
  • Radiojodtherapie (RJT) wird bei Hochrisikopatienten (T3/T4, N1, M1) mit einer Standardaktivitaet von 1,1 GBq oder 3,7 GBq empfohlen.
  • Die TSH-Suppression wird nach 9-12 Monaten basierend auf dem dynamischen Risikoprofil angepasst.
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Hintergrund

Diese Leitlinie des National Institute for Health and Care Excellence (NICE) behandelt die Diagnostik, Behandlung und Nachsorge des differenzierten Schilddruesenkarzinoms bei Erwachsenen ab 16 Jahren. Ziel ist die Standardisierung der Versorgung und Verbesserung der Ueberlebensraten.

Diagnostik und Assessment

Die initiale Abklaerung von Schilddruesenknoten erfolgt mittels Greyscale-Ultraschall. Ein etabliertes System zur Ultraschall-Graduierung entscheidet ueber die Indikation zur Feinnadelaspirationszytologie (FNAC).

  • Calcitonin: Nicht routinemaessig bestimmen, ausser bei Verdacht auf ein medullares Schilddruesenkarzinom (MTC).
  • TPO-Antikoerper: Nicht routinemaessig messen, jedoch erwaegen zur Interpretation einer unklaren Zytopathologie.
  • Schnittbildgebung (CT/MRT): Nicht routinemaessig bei T1/T2 ohne weitere Indikationen. Erwaegen bei T3/T4, N1, M1 oder klinischem Verdacht auf Metastasen.

FNAC-Management

Die weitere Vorgehensweise richtet sich nach dem initialen FNAC-Ergebnis (basierend auf der RCPath BTA-Klassifikation):

Zytologie-ErgebnisManagement und weiteres Vorgehen
Thy1 (inadaequat)Erneute Probenentnahme anbieten (bevorzugt Stanzbiopsie [CNB] oder FNAC mit ROSE). Bei wiederholt Thy1 diagnostische Hemithyreoidektomie erwaegen.
Thy1c (zystisch)Erneute FNAC. Bei wiederholt Thy1c und auffaelligem Ultraschall diagnostische Hemithyreoidektomie erwaegen.
Thy2 / Thy2c (benigne)Ultraschallkontrolle erwaegen. Bei erneutem Erreichen des FNAC-Schwellenwerts erneute FNAC oder CNB.
Thy3a (Atypie)Erneute Probenentnahme (bevorzugt CNB). Bei wiederholt Thy3a diagnostische Hemithyreoidektomie oder aktive Ueberwachung.
Thy3f (follikulaer)Diagnostische Hemithyreoidektomie erwaegen.
Thy4 / Thy5 (maligne)Diagnostische oder therapeutische Hemithyreoidektomie bzw. totale Thyreoidektomie anbieten.

Chirurgische Therapie

Die Wahl des chirurgischen Verfahrens haengt von der Tumorgroesse und dem Stadium ab:

IndikationEmpfohlene Therapie
Solitaeres Mikrokarzinom (T1a, N0)Hemithyreoidektomie oder aktive Ueberwachung erwaegen.
Tumor >1 cm oder multifokal (T1a[m] bis T2N0M0)Hemithyreoidektomie oder totale Thyreoidektomie anbieten.
T3/T4, N1, M1 oder adverse MerkmaleTotale Thyreoidektomie anbieten.
Struktureller Lymphknotenbefall (N1)Kompartiment-orientierte Halslymphknotendissektion (zentral oder lateral) anbieten. Keine prophylaktische Dissektion (ausser ipsilateral zentral bei lateraler Dissektion).

Radiojodtherapie (RJT)

Die RJT dient der Ablation von residualem Schilddruesengewebe nach totaler oder Komplettierungs-Thyreoidektomie. Vor der RJT soll Thyrotropin alfa zur Stimulation angeboten werden (Vorsicht bei Hirn-/Spinalmetastasen wegen Tumor-Flare-Risiko).

  • Indikation zur RJT: Anbieten bei T3/T4, N1, M1 oder adversen pathologischen Merkmalen.
  • Keine RJT: Nicht anbieten bei T1a/T1b (auch multifokal), ausser es liegen adverse Merkmale oder Metastasen vor.
  • Aktivitaet: Standardmaessig 1,1 GBq anbieten. 3,7 GBq erwaegen bei Hochrisikomerkmalen (T4, N1b, M1, aggressive Subtypen) oder wenn multiple Ablationen vermieden werden muessen (z.B. bei schweren Komorbiditaeten).

TSH-Suppression

Eine TSH-Suppression wird nur fuer Patienten empfohlen, die eine totale Thyreoidektomie und RJT erhalten haben. Die Steuerung erfolgt ueber eine dynamische Risikostratifizierung 9 bis 12 Monate nach der initialen RJT:

TherapieansprechenTSH-ZielwertBemerkung
Initial (bis 9-12 Monate)< 0,1 mIU/lStandard nach OP und RJT.
Exzellentes Ansprechen0,3 - 2,0 mIU/lLebenslang fortfuehren.
Intermediaeres Ansprechen0,1 - 0,5 mIU/lSuppression leicht lockern.
Persistierende Erkrankung< 0,1 mIU/lStrikte Suppression beibehalten.

Hinweis: Nach >10 Jahren TSH-Suppression sollte eine Ueberpruefung stattfinden, da eine Reduktion das Risiko fuer kardiale und ossaere Komplikationen senken kann.

Nachsorge

Die Nachsorge basiert auf der Messung von Thyreoglobulin (Tg) und Tg-Antikoerpern. Bei Patienten nach totaler Thyreoidektomie und RJT erfolgt die Messung in den ersten 2 Jahren alle 3-6 Monate, danach alle 6-12 Monate.

RisikogruppeDefinitionNachsorge-Intervall
Geringes RisikoTg <0,2 µg/l (oder stimuliert <1 µg/l), keine Bildgebungsbefunde2 bis 5 Jahre (mind. jaehrlich)
Mittleres RisikoTg 0,2 - 1,0 µg/l (oder stimuliert 1-10 µg/l)5 bis 10 Jahre (mind. jaehrlich)
Hohes RisikoTg >1,0 µg/l (oder stimuliert >10 µg/l)10 Jahre (mind. jaehrlich)
Persistierende ErkrankungStruktureller oder biochemischer NachweisLebenslang (mind. jaehrlich)

Patienten mit einem solitaeren Mikrokarzinom (T1a), das chirurgisch entfernt wurde, benoetigen keine routinemaessige Nachsorge.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie Thyreoglobulin immer zusammen mit Thyreoglobulin-Antikoerpern, da diese das Messergebnis verfaelschen koennen. Verzichten Sie bei T1a-Mikrokarzinomen nach vollstaendiger Resektion auf eine routinemaessige Nachsorge.

Häufig gestellte Fragen

Bei Tumoren im Stadium T3 oder T4, Lymphknotenbefall (N1), Fernmetastasen (M1) oder adversen pathologischen Merkmalen.
Standardmaessig werden 1,1 GBq empfohlen. Eine hoehere Dosis von 3,7 GBq ist Hochrisikopatienten (z.B. T4, N1b, M1) oder Patienten mit schweren Komorbiditaeten vorbehalten.
Initial auf <0,1 mIU/l. Nach 9-12 Monaten kann der Zielwert bei exzellentem Ansprechen auf 0,3-2,0 mIU/l gelockert werden.
Nur bei konkretem Verdacht auf ein medullares Schilddruesenkarzinom (z.B. positive Familienanamnese oder typischer Ultraschallbefund), nicht als Routineparameter.
Nein, eine prophylaktische zentrale oder laterale Dissektion wird nicht empfohlen, es sei denn, es erfolgt ohnehin eine laterale Dissektion (dann ipsilateral zentral erwaegen).

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