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NICEA2020Psychiatrie

Bipolare Störung: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Lithium ist die pharmakologische Therapie der ersten Wahl zur Langzeitbehandlung und Rezidivprophylaxe.
  • Strenge Indikationsstellung für Valproat: Kontraindiziert bei Personen unter 55 Jahren ohne Zweitmeinung und bei Frauen ohne Verhütungsprogramm.
  • Bei akuter Manie sollten Antidepressiva abgesetzt und ein Antipsychotikum (z.B. Haloperidol, Olanzapin) eingesetzt werden.
  • Die bipolare Depression wird primär mit psychologischen Interventionen sowie pharmakologisch mit Fluoxetin/Olanzapin oder Quetiapin behandelt.
  • Patienten unter Lithium-Therapie benötigen regelmäßige Kontrollen von Plasmaspiegel, Schilddrüsen- und Nierenfunktion sowie Calcium.
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Hintergrund

Die bipolare Störung ist eine potenziell lebenslange Erkrankung, die durch Episoden von Manie oder Hypomanie sowie depressiven Phasen gekennzeichnet ist. Die Leitlinie umfasst Empfehlungen für Bipolar I, Bipolar II, gemischte affektive Störungen und Rapid Cycling. Rapid Cycling wird therapeutisch nicht anders behandelt als andere Formen der bipolaren Störung.

Diagnostik und Überweisung

In der Primärversorgung (Hausarztpraxis) sollten keine Fragebögen zur Diagnosefindung eingesetzt werden.

  • Bei Verdacht auf Manie oder schwere Depression muss eine dringliche Überweisung an einen psychiatrischen Facharzt erfolgen.
  • Die Diagnosestellung bei Kindern und Jugendlichen erfordert ein intensives, prospektives und longitudinales Monitoring durch Spezialisten.

Akuttherapie der Manie

Bei der Behandlung einer akuten Manie oder Hypomanie ist eine reizarme Umgebung wichtig. Wichtige Entscheidungen sollten auf die Zeit nach der Episode verschoben werden.

StufeTherapieBemerkung
BasisAntidepressiva absetzenGilt für Monotherapie und Kombinationstherapie
1. WahlAntipsychotikumHaloperidol, Olanzapin, Quetiapin oder Risperidon
2. WahlAlternatives AntipsychotikumBei Unverträglichkeit oder Ineffektivität wechseln
3. WahlLithium additivWenn Monotherapie in maximaler Dosis nicht ausreicht
4. WahlValproat additivWenn Lithium ineffektiv oder ungeeignet ist

Wichtig: Lamotrigin darf nicht zur Behandlung der Manie eingesetzt werden.

Akuttherapie der bipolaren Depression

Die Behandlung der bipolaren Depression ruht auf psychologischen und pharmakologischen Säulen.

TherapiestufeBehandlungsoption
PsychologischSpezifische kognitive Verhaltenstherapie (CBT), interpersonelle Therapie oder Paartherapie
Pharmakologisch 1. WahlFluoxetin kombiniert mit Olanzapin ODER Quetiapin Monotherapie
Pharmakologisch 2. WahlOlanzapin Monotherapie ODER Lamotrigin Monotherapie

Bei Patienten, die bereits Lithium einnehmen, sollte der Spiegel optimiert und ggf. Fluoxetin/Olanzapin oder Quetiapin ergänzt werden.

Langzeittherapie und Rezidivprophylaxe

Nach jeder akuten Episode sollte die Langzeitbehandlung besprochen werden.

StufeTherapieBemerkung
1. WahlLithiumEffektivste Langzeittherapie
2. WahlAntipsychotikumAsenapin, Aripiprazol, Olanzapin, Quetiapin oder Risperidon
3. WahlValproat + Antipsychotikum/LithiumNur unter strenger Beachtung der Warnhinweise

Medikamentöses Monitoring

Regelmäßige Kontrollen sind essenziell für die Patientensicherheit.

MedikamentVor TherapiebeginnLaufendes Monitoring
LithiumGewicht, Nierenwerte (inkl. Calcium, eGFR), Schilddrüse, Blutbild, ggf. EKGSpiegelkontrolle (Ziel: 0,6-0,8 mmol/l), Nieren-/Schilddrüsenwerte alle 6 Monate
AntipsychotikaGewicht, Puls, Blutdruck, Nüchternblutzucker/HbA1c, Lipide, ggf. EKGGewicht, Stoffwechselparameter, extrapyramidale Symptome
ValproatGewicht, Blutbild, LeberwerteBlutbild und Leberwerte nach 6 Monaten, dann jährlich

Besondere Warnhinweise zu Valproat (MHRA)

Die Leitlinie betont strenge Restriktionen für den Einsatz von Valproat:

  • Unter 55 Jahren: Darf nicht erstmalig verschrieben werden, es sei denn, 2 Spezialisten dokumentieren unabhängig voneinander, dass keine andere Therapie wirksam/tolerabel ist.
  • Frauen und Mädchen: Kontraindiziert im gebärfähigen Alter, außer es greift ein striktes Schwangerschaftsverhütungsprogramm.
  • Männer: Empfehlung zur effektiven Kontrazeption während der Therapie und 3 Monate danach.

💡Praxis-Tipp

Überprüfen Sie bei Patienten unter Lithiumtherapie nach dem ersten Jahr mindestens alle 6 Monate den Plasmaspiegel, die Nieren- und Schilddrüsenfunktion sowie den Calciumwert. Bei älteren Patienten oder Interaktionsrisiko alle 3 Monate.

Häufig gestellte Fragen

Haloperidol, Olanzapin, Quetiapin oder Risperidon. Antidepressiva sollten umgehend abgesetzt werden.
Lithium ist die Erstlinientherapie zur Rezidivprophylaxe der bipolaren Störung.
Nur wenn andere Optionen ungeeignet sind und ein striktes Schwangerschaftsverhütungsprogramm eingehalten wird.
Bevorzugt mit einer Kombination aus Fluoxetin und Olanzapin oder mit Quetiapin als Monotherapie.
Bei Erstanwendung 0,6 bis 0,8 mmol/l. Bei Rezidiven unter Lithium oder Restsymptomen 0,8 bis 1,0 mmol/l.

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