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National Institute for Health and Care Excellence (NICE)A2014PsychiatrieGynäkologieAllgemeinmedizin

Peripartale psychische Erkrankungen: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf National Institute for Health and Care Excellence (NICE) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Valproat ist bei Frauen im gebärfähigen Alter ohne strenges Schwangerschaftsverhütungsprogramm absolut kontraindiziert.
  • Psychopharmaka sollten in der Schwangerschaft idealerweise als Monotherapie und in der niedrigsten wirksamen Dosis eingesetzt werden.
  • Ein systematisches Screening auf Depressionen (z.B. EPDS, PHQ-9) und Angststörungen (GAD-2, GAD-7) wird bei allen Schwangeren empfohlen.
  • Bei schweren psychischen Erkrankungen (z.B. Bipolare Störung, Postpartale Psychose) ist eine frühzeitige Überweisung an spezialisierte perinatale Zentren indiziert.
  • Stillen wird grundsätzlich empfohlen, außer bei Einnahme von Carbamazepin, Clozapin oder Lithium.
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Hintergrund

Psychische Erkrankungen in der Schwangerschaft und der Postpartalzeit (bis zu einem Jahr nach der Geburt) erfordern eine sorgfältige klinische Abwägung. Die NICE-Leitlinie betont, dass unbehandelte psychische Erkrankungen erhebliche Risiken für die Mutter, den Fötus und das Neugeborene bergen. Eine integrierte und multidisziplinäre Versorgung ist essenziell.

Diagnostik und Screening

Die Prävalenz von Depressionen und Angststörungen wird in der Peripartalzeit häufig unterschätzt. Ein systematisches Screening wird bei Erstkontakt und im weiteren Verlauf empfohlen:

ToolIndikationBemerkung
2-Fragen-TestDepressionInitiales Screening nach Stimmung und Interessenverlust
EPDS / PHQ-9DepressionZur weiteren Abklärung bei positivem Initial-Screening
GAD-2AngststörungenInitiales Screening (Nervosität, unkontrollierbare Sorgen)
GAD-7AngststörungenZur Vertiefung bei einem GAD-2 Score ≥ 3

Bei Verdacht auf eine schwere psychische Erkrankung (z. B. Bipolare Störung, Schizophrenie, Postpartale Psychose) muss eine sofortige Überweisung an eine spezialisierte perinatale psychiatrische Einrichtung erfolgen.

Medikamentöse Therapie

Vor dem Einsatz von Psychopharmaka ist die höhere Schwelle für pharmakologische Interventionen in der Schwangerschaft zu beachten. Psychologische Interventionen (z. B. kognitive Verhaltenstherapie) sind bei leichten bis mittelschweren Erkrankungen oft die erste Wahl.

Wenn Medikamente eingesetzt werden, gelten folgende Prinzipien:

  • Niedrigste effektive Dosis wählen.
  • Monotherapie bevorzugen.
  • Dosisanpassungen im Verlauf der Schwangerschaft einplanen.

Spezifische Wirkstoffgruppen

WirkstoffgruppeEmpfehlung / RisikoBemerkung
ValproatKontraindiziertHohes Risiko für Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen. Nur zulässig, wenn Alternativen fehlen und ein strenges Verhütungsprogramm vorliegt.
LithiumStrenge IndikationRisiko für fetale Herzfehler. Engmaschiges Monitoring erforderlich.
SSRI / SNRIIndividuelle AbwägungRisiko für postpartale Hämorrhagie und neonatales Adaptationssyndrom.
AntipsychotikaIndividuelle AbwägungRisiko für Gestationsdiabetes und Gewichtszunahme. Depot-Präparate meiden.
BenzodiazepineNur kurzzeitigNur bei schwerer Angst oder Agitation indiziert.
CarbamazepinNicht empfohlenRisiko für Fehlbildungen und Interaktionen.

Management unter Lithium-Therapie

Für schwangere Patientinnen, die zwingend auf Lithium angewiesen sind, gibt die Leitlinie ein klares Stufenschema zur Überwachung vor:

  • Reguläre Schwangerschaft: Plasma-Lithium-Spiegel alle 4 Wochen kontrollieren.
  • Ab der 36. SSW: Wöchentliche Spiegelkontrollen.
  • Unter der Geburt: Lithium pausieren, auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
  • Postpartal: Spiegelkontrolle 12 Stunden nach der letzten Dosis.

Postpartale Phase und Stillzeit

Nach der Geburt muss die Medikation bei Frauen mit schweren psychischen Erkrankungen umgehend reevaluiert werden. Neugeborene, die in utero Psychopharmaka ausgesetzt waren, benötigen ein vollständiges neonatales Assessment.

Stillen wird grundsätzlich empfohlen und gefördert. Ausnahmen bilden folgende Medikamente, bei denen vom Stillen abgeraten wird:

  • Carbamazepin
  • Clozapin
  • Lithium

💡Praxis-Tipp

Überprüfen Sie bei allen Frauen im gebärfähigen Alter mit psychischen Erkrankungen den Verhütungsstatus. Setzen Sie Valproat niemals ohne ein strenges Schwangerschaftsverhütungsprogramm ein.

Häufig gestellte Fragen

Ja, Stillen wird generell empfohlen und gefördert. Ausnahmen bilden die Einnahme von Carbamazepin, Clozapin oder Lithium, bei denen vom Stillen abgeraten wird.
Die Plasma-Lithium-Spiegel müssen alle 4 Wochen, ab der 36. Schwangerschaftswoche sogar wöchentlich kontrolliert werden. Unter der Geburt ist Lithium zu pausieren.
Es wird ein initialer 2-Fragen-Test empfohlen. Bei Auffälligkeiten sollten weiterführende Fragebögen wie die EPDS (Edinburgh Postnatal Depression Scale) oder der PHQ-9 genutzt werden.
Benzodiazepine sollten in der Schwangerschaft und Postpartalzeit vermieden werden. Sie sind nur zur kurzzeitigen Behandlung von schweren Angstzuständen oder Agitation indiziert.

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