ClariMedClariMed
National Institute for Health and Care Excellence (NICE)A2014Psychiatrie

Psychose & Schizophrenie: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf National Institute for Health and Care Excellence (NICE) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Antipsychotika sollten bei erhöhtem Psychose-Risiko nicht präventiv eingesetzt werden; empfohlen wird stattdessen kognitive Verhaltenstherapie (CBT).
  • Die Erstlinientherapie der Erstepisode besteht aus einer Kombination von oralen Antipsychotika und psychologischen Interventionen.
  • Vor und während der Gabe von Antipsychotika ist ein strenges, strukturiertes Monitoring von Gewicht, Herz-Kreislauf- und Stoffwechselparametern erforderlich.
  • Bei unzureichendem Ansprechen auf zwei verschiedene Antipsychotika (davon ein Nicht-Clozapin-Atypikum) ist der Einsatz von Clozapin indiziert.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Psychosen und Schizophrenie sind schwere psychiatrische Erkrankungen, die durch positive Symptome (wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen) sowie negative Symptome (wie emotionale Apathie und sozialer Rückzug) gekennzeichnet sind. Die NICE-Leitlinie legt großen Wert auf eine frühzeitige Intervention, die körperliche Gesundheit der Patienten und die Förderung der langfristigen Genesung (Recovery).

Prävention und Risikostadien

Personen mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Psychose (z. B. bei transienten psychotischen Symptomen oder erstgradigen Verwandten mit Psychose) sollten umgehend an spezialisierte Zentren überwiesen werden.

  • Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) (mit oder ohne Familienintervention) ist die Maßnahme der Wahl.
  • Keine Antipsychotika: Antipsychotika dürfen nicht mit dem Ziel der Prävention oder Risikominderung einer Psychose eingesetzt werden.

Erstepisode einer Psychose

Patienten mit einer Erstepisode sollten ohne Verzögerung durch spezialisierte Früherkennungszentren (Early Intervention in Psychosis Services) beurteilt werden.

  • In der Primärversorgung (Hausarztpraxis) dürfen Antipsychotika bei einer Erstepisode nur in Rücksprache mit einem Facharzt für Psychiatrie angesetzt werden.
  • Die Standardtherapie besteht aus der Kombination von oralen Antipsychotika und psychologischen Interventionen (CBT und Familienintervention).

Antipsychotische Therapie und Monitoring

Die Wahl des Antipsychotikums muss als gemeinsame Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) unter Aufklärung über metabolische, extrapyramidale, kardiovaskuläre und hormonelle Nebenwirkungen erfolgen. Jede Einstellung ist als individueller therapeutischer Versuch zu werten.

PhaseMaßnahmen und ParameterBemerkung
Baseline (vor Start)Gewicht, Bauchumfang, Puls, Blutdruck, Nüchternblutzucker/HbA1c, Lipide, Prolaktin, ErnährungsstatusEKG nur bei spezifischem Risiko, stationärer Aufnahme oder laut Fachinformation
TitrationsphaseWöchentliche Gewichtskontrolle (Woche 1-6), Erfassung von Nebenwirkungen und AnsprechenStart mit niedriger Dosis, langsame Auftitration. Trial für 4 bis 6 Wochen in optimaler Dosis
Woche 12 & JährlichGewicht, Bauchumfang (jährlich), Puls, Blutdruck, Nüchternblutzucker/HbA1c, LipideÜbergang des Monitorings in die Primärversorgung nach 12 Monaten (bei Stabilität) möglich

Psychologische Interventionen

Psychologische Therapien sind ein zentraler Pfeiler der Behandlung und sollten von kompetenten, supervidierten Therapeuten durchgeführt werden.

TherapieformUmfangIndikation und Ziel
Kognitive Verhaltenstherapie (CBT)Mindestens 16 geplante EinzelsitzungenErstepisode, akute Exazerbation, Förderung der Recovery
Familienintervention3 bis 12 Monate (mind. 10 Sitzungen)Einbezug der Familie, Problemlösung, Krisenmanagement
KunsttherapieGruppenformatInsbesondere zur Linderung von Negativsymptomen

Akute Exazerbation und Krisenintervention

Bei akuten Krisen sollten primär ambulante Kriseninterventionsteams (Crisis Resolution and Home Treatment Teams) als erste Anlaufstelle dienen, um stationäre Aufnahmen möglichst zu vermeiden.

  • Therapie der Wahl ist die erneute Gabe oder Anpassung von oralen Antipsychotika kombiniert mit CBT und Familienintervention.
  • Bei Eigen- oder Fremdgefährdung kann eine medikamentöse Ruhigstellung (Rapid Tranquillisation) notwendig sein. Nach der Maßnahme muss dem Patienten die Möglichkeit gegeben werden, das Erlebnis zu besprechen.

Therapieresistenz und Stufenschema

Wenn die Erkrankung nicht ausreichend auf die Therapie anspricht, muss zunächst die Diagnose, die Adhärenz und der mögliche Substanzkonsum überprüft werden.

StufeTherapieKriterium für nächste Stufe
1Erstes Antipsychotikum + CBTUnzureichendes Ansprechen nach 4-6 Wochen in optimaler Dosis
2Zweites AntipsychotikumUnzureichendes Ansprechen (mind. eines der beiden Medikamente muss ein Nicht-Clozapin-SGA sein)
3ClozapinUnzureichendes Ansprechen auf optimierte Clozapin-Dosis
4Clozapin + 2. AntipsychotikumAugmentation für 8 bis 10 Wochen testen

Körperliche Gesundheit und Lebensstil

Patienten mit Psychosen haben ein hohes Risiko für metabolische und kardiovaskuläre Erkrankungen.

  • Es sollten kombinierte Programme für gesunde Ernährung und körperliche Aktivität angeboten werden.
  • Rauchentwöhnung: Unterstützung anbieten. Achtung: Bupropion ist bei Psychosen kontraindiziert. Bei Vareniclin besteht ein erhöhtes Risiko für neuropsychiatrische Symptome (enges Monitoring in den ersten 2-3 Wochen).

💡Praxis-Tipp

Beachten Sie bei der Rauchentwöhnung Ihrer Patienten zwingend pharmakokinetische Interaktionen: Ein Rauchstopp reduziert den Metabolismus von Clozapin und Olanzapin signifikant, was zu toxischen Spiegeln führen kann. Passen Sie die Dosis entsprechend an.

Häufig gestellte Fragen

Nein, die Leitlinie rät explizit vom Einsatz von Antipsychotika zur reinen Prävention ab. Empfohlen wird stattdessen kognitive Verhaltenstherapie (CBT).
Zu den Baseline-Untersuchungen gehören Gewicht, Bauchumfang, Puls, Blutdruck, Nüchternblutzucker oder HbA1c, Lipide, Prolaktin sowie die Erfassung von Bewegungsstörungen. Ein EKG ist nur bei spezifischen Risiken oder stationärer Aufnahme zwingend.
Clozapin sollte angeboten werden, wenn die Erkrankung auf die sequenzielle Gabe von mindestens zwei verschiedenen Antipsychotika (davon ein Nicht-Clozapin-Präparat) in adäquater Dosis und Dauer nicht ausreichend angesprochen hat.
Ein therapeutischer Versuch mit einem oralen Antipsychotikum sollte in optimaler Dosierung über 4 bis 6 Wochen durchgeführt werden.

Verwandte Leitlinien