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NICEA2024Psychiatrie

Psychose und Schizophrenie: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Antipsychotika dürfen nicht zur Prävention bei Personen mit erhöhtem Psychoserisiko eingesetzt werden.
  • Die Basistherapie der Erstepisode besteht aus einer Kombination von oralen Antipsychotika und psychologischen Interventionen (CBT, Familienintervention).
  • Ein therapeutischer Versuch mit einem Antipsychotikum sollte in optimaler Dosierung über 4 bis 6 Wochen erfolgen.
  • Vor und während der Antipsychotika-Gabe ist ein strukturiertes Monitoring von metabolischen und kardiovaskulären Parametern zwingend erforderlich.
  • Clozapin ist indiziert, wenn mindestens zwei verschiedene Antipsychotika (darunter ein Nicht-Clozapin-SGA) keine ausreichende Wirkung zeigten.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie umfasst die Behandlung und das Management von Psychosen und Schizophrenie bei Erwachsenen (ab 18 Jahren). Der Begriff "Psychose" schließt hier Schizophrenie, schizoaffektive Störungen, schizophreniforme Störungen und wahnhafte Störungen ein. Affektive Psychosen (wie bipolare Störungen oder psychotische Depressionen) werden in dieser Leitlinie nicht behandelt.

Prävention und Risikopatienten

Personen mit erhöhtem Psychoserisiko (z. B. durch transiente psychotische Symptome oder erstgradige Verwandte mit Schizophrenie in Kombination mit Funktionsverlust) sollten umgehend an spezialisierte Frühinterventionsdienste überwiesen werden.

  • Empfohlen: Individuelle kognitive Verhaltenstherapie (CBT), ggf. mit Familienintervention.
  • Kontraindiziert: Es dürfen keine Antipsychotika zur Prävention oder bei erhöhtem Risiko verordnet werden.

Diagnostik und Erstepisode

Die Beurteilung einer Erstepisode erfordert ein umfassendes multidisziplinäres Assessment (psychiatrisch, medizinisch, psychosozial).

  • Ein routinemäßiges strukturelles Neuroimaging wird nicht als Teil der Initialdiagnostik empfohlen.
  • Antipsychotika sollten bei einer Erstepisode in der Primärversorgung nicht ohne Rücksprache mit einem Psychiater begonnen werden.

Therapie der Erstepisode

Die Behandlung sollte stets mehrgleisig erfolgen:

  1. Orale Antipsychotika
  2. Psychologische Interventionen (CBT und Familienintervention)

Wenn Patienten psychologische Interventionen als Monotherapie wünschen, sollte ein Zeitrahmen (max. 1 Monat) vereinbart werden, um die Behandlungsoptionen (inkl. Antipsychotika) neu zu bewerten.

Antipsychotika: Anwendung und Monitoring

Die Wahl des Antipsychotikums erfolgt gemeinsam mit dem Patienten unter Abwägung der Nebenwirkungsprofile (metabolisch, extrapyramidal, kardiovaskulär, hormonell).

  • Dosierung: Mit einer Dosis am unteren Ende des zugelassenen Bereichs beginnen und langsam auftitrieren.
  • Dauer: Ein Behandlungsversuch sollte in optimaler Dosierung über 4 bis 6 Wochen erfolgen.
  • Vermeiden: Keine "Loading Dose" (schnelle Neuroleptisierung) und keine reguläre Kombinationstherapie von Antipsychotika (außer kurzzeitig bei Umstellung).

EKG-Indikationen vor Therapiebeginn

Ein EKG sollte vor Beginn angeboten werden, wenn:

  • es in der Fachinformation (SPC) gefordert wird
  • ein spezifisches kardiovaskuläres Risiko besteht
  • eine persönliche Anamnese für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegt
  • der Patient stationär aufgenommen wird

Monitoring-Schema unter Antipsychotika

ParameterVor TherapiebeginnWoche 1-6Woche 12Nach 1 JahrJährlich
GewichtJaWöchentlichJaJaJa
BauchumfangJa---Ja
Puls & BlutdruckJa-JaJaJa
Nüchternblutzucker / HbA1cJa-JaJaJa
LipidprofilJa-JaJaJa

Psychologische Interventionen

Psychologische Verfahren sind ein zentraler Baustein der Therapie und sollten nach manualisierten Standards durchgeführt werden.

InterventionUmfang / DauerZielgruppe / Indikation
Kognitive Verhaltenstherapie (CBT)Mindestens 16 geplante Sitzungen (1:1)Alle Patienten mit Psychose/Schizophrenie (akut und zur Rezidivprophylaxe)
FamilieninterventionMindestens 10 Sitzungen über 3-12 MonateFamilien/Angehörige in engem Kontakt mit dem Patienten
KunsttherapienGruppenbasiert, durch registrierte TherapeutenInsbesondere zur Linderung von Negativsymptomen

Therapieresistenz und Clozapin

Bei unzureichendem Ansprechen auf die Therapie ist ein strukturiertes Vorgehen erforderlich:

StufeMaßnahmeBemerkung
1. ReevaluationDiagnose, Adhärenz und Substanzkonsum prüfenSicherstellen, dass Dosis und Dauer der bisherigen Therapie adäquat waren.
2. ClozapinMonotherapie mit ClozapinIndiziert nach sequenziellem Einsatz von mind. 2 verschiedenen Antipsychotika (davon mind. 1 Nicht-Clozapin-SGA).
3. AugmentationZweites Antipsychotikum zu ClozapinNur bei unzureichendem Ansprechen auf optimierte Clozapin-Dosis. Versuch über 8-10 Wochen.

Akute Exazerbation und Krisenintervention

Bei akuten Episoden sollten primär Kriseninterventionsteams (Crisis resolution and home treatment teams) als erste Anlaufstelle in der Gemeinde eingesetzt werden, um stationäre Aufnahmen zu vermeiden oder zu verkürzen. Bei Eigen- oder Fremdgefährdung kann eine Akutsedierung (Rapid Tranquillisation) erforderlich sein, die nach den entsprechenden Leitlinien für Gewalt und Aggression durchzuführen ist.

💡Praxis-Tipp

Vermeiden Sie den Einsatz von Antipsychotika zur reinen Prävention bei Risikopatienten. Setzen Sie stattdessen auf kognitive Verhaltenstherapie (CBT) und ein engmaschiges metabolisches Monitoring bei allen Patienten unter Antipsychotika.

Häufig gestellte Fragen

Ein EKG ist indiziert, wenn es in der Fachinformation gefordert wird, bei spezifischem kardiovaskulärem Risiko, bei positiver Eigenanamnese für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder bei einer stationären Aufnahme.
Ein therapeutischer Versuch sollte in optimaler Dosierung über 4 bis 6 Wochen durchgeführt werden.
Clozapin sollte angeboten werden, wenn die Erkrankung trotz sequenziellem Einsatz von mindestens zwei verschiedenen Antipsychotika (darunter mindestens ein Nicht-Clozapin-SGA) in adäquater Dosierung nicht ausreichend angesprochen hat.
Nein, die Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, Antipsychotika bei Personen mit erhöhtem Psychoserisiko zur Prävention einzusetzen.
Empfohlen wird eine Kombination aus individueller kognitiver Verhaltenstherapie (CBT) mit mindestens 16 Sitzungen und einer Familienintervention über 3 bis 12 Monate.

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