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Akute Nierenschädigung (AKI): Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose einer AKI erfolgt bei einem Kreatinin-Anstieg von ≥ 26 µmol/l in 48h, ≥ 50 % in 7 Tagen oder einer Oligurie (< 0,5 ml/kg/h).
  • Bei Kontrastmittelgabe besteht ein erhöhtes Risiko für eine AKI insbesondere bei einer eGFR < 30 ml/min/1.73 m2.
  • Schleifendiuretika sind nicht routinemäßig zur AKI-Therapie indiziert, sondern nur bei Volumenüberladung.
  • Bei Verdacht auf Pyonephrose muss innerhalb von 6 Stunden ein Ultraschall der Harnwege erfolgen.
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Hintergrund

Die akute Nierenschädigung (AKI) betrifft einen signifikanten Anteil akut erkrankter Patienten und ist mit einer hohen Mortalität assoziiert. Die NICE-Leitlinie fokussiert sich auf die frühzeitige Erkennung, Prävention und das Management durch Nicht-Spezialisten, um Komplikationen zu reduzieren.

Risikofaktoren und Prävention

Bei akut erkrankten Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen muss das Risiko einer AKI evaluiert werden. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:

  • Chronische Nierenerkrankung (CKD), insbesondere bei eGFR < 60 ml/min/1.73 m2
  • Herzinsuffizienz, Lebererkrankungen oder Diabetes
  • Hypovolämie oder Sepsis
  • Einnahme nephrotoxischer Medikamente in der letzten Woche (z. B. NSAR, Aminoglykoside, ACE-Hemmer, Sartane, Diuretika)
  • Oligurie (< 0,5 ml/kg/h)
  • Urologische Obstruktionen

Präventive Maßnahmen: Bei Patienten mit hohem Risiko (z. B. bei Diarrhö, Erbrechen oder Sepsis) sollte ein temporäres Absetzen von ACE-Hemmern und Sartanen erwogen werden, bis sich der klinische Zustand stabilisiert hat.

Diagnostik und Kriterien

Die Diagnose der AKI erfolgt basierend auf den (p)RIFLE-, AKIN- oder KDIGO-Kriterien. Eines der folgenden Kriterien muss erfüllt sein:

ParameterDiagnosekriterium
Serum-KreatininAnstieg um ≥ 26 µmol/l innerhalb von 48 Stunden
Serum-KreatininAnstieg um ≥ 50 % (bekannt oder vermutet) innerhalb der letzten 7 Tage
Urinausscheidung< 0,5 ml/kg/h für > 6 Stunden (Erwachsene) bzw. > 8 Stunden (Kinder)
eGFR (nur Kinder)Abfall um ≥ 25 % innerhalb der letzten 7 Tage

Sobald eine AKI vermutet wird, ist eine Urinstreifentestung (Blut, Protein, Leukozyten, Nitrit, Glukose) durchzuführen.

Kontrastmittel-assoziierte AKI

Der Einsatz von jodhaltigen Kontrastmitteln erfordert eine Nutzen-Risiko-Abwägung. Ein erhöhtes Risiko besteht insbesondere bei einer eGFR < 30 ml/min/1.73 m2.

SituationEmpfehlung
NotfallKontrastmittelgabe nicht verzögern, falls klinisch signifikant
Elektiv (Outpatient)eGFR der letzten 6 Monate nutzen, falls Patient klinisch stabil ist
Prävention (Standard)Orale Hydratation vor und nach der Prozedur fördern
Prävention (Hochrisiko-Inpatient)Intravenöse Volumengabe (isotonisches Natriumbikarbonat oder 0,9 % NaCl) erwägen

Hinweis: Zu den Hochrisiko-Patienten zählen Personen mit eGFR < 30, Nierentransplantat, großen Kontrastmittelmengen oder intraarterieller Gabe mit First-Pass-Nierenexposition.

Bildgebung (Ultraschall)

Ein routinemäßiger Ultraschall der Harnwege ist nicht indiziert, wenn die Ursache der AKI bekannt ist.

IndikationZeitfenster für Ultraschall
Verdacht auf PyonephroseSofort (innerhalb von 6 Stunden)
Unklare Ursache oder ObstruktionsrisikoDringlich (innerhalb von 24 Stunden)

Therapie und Management

Die medikamentöse Therapie der AKI beinhaltet keinen routinemäßigen Einsatz von Schleifendiuretika oder niedrig dosiertem Dopamin. Schleifendiuretika sind nur zur Behandlung einer Volumenüberladung oder von Ödemen indiziert.

Bei urologischen Obstruktionen muss eine sofortige Überweisung an die Urologie erfolgen. Eine Entlastung (Nephrostomie oder Stent) sollte innerhalb von 12 Stunden nach Diagnose durchgeführt werden.

Indikationen zur Nierenersatztherapie (RRT)

Eine sofortige Überweisung zur Nierenersatztherapie ist erforderlich, wenn folgende Komplikationen nicht auf eine medikamentöse Therapie ansprechen:

  • Hyperkaliämie
  • Metabolische Azidose
  • Symptome oder Komplikationen einer Urämie (z. B. Perikarditis, Enzephalopathie)
  • Volumenüberladung
  • Lungenödem

Chronische Nierenerkrankung (CKD) Stadien

Zur Einordnung der vorbestehenden Nierenfunktion nutzt die Leitlinie folgende Klassifikation:

StadiumeGFR (ml/min/1.73 m2)Beschreibung
1≥ 90Nierenschaden, normale oder erhöhte GFR
260 - 89Nierenschaden, leicht reduzierte GFR
3A45 - 59Moderat reduzierte GFR
3B30 - 44Moderat reduzierte GFR
415 - 29Schwer reduzierte GFR
5< 15Terminales Nierenversagen

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei elektiven Kontrastmitteluntersuchungen eGFR-Werte aus den letzten 6 Monaten, sofern der Patient klinisch stabil ist, um unnötige Verzögerungen zu vermeiden. Setzen Sie ACE-Hemmer und Sartane bei akuter Dehydratation temporär ab.

Häufig gestellte Fragen

Bei klinisch stabilen Patienten ohne bekannte Nierenerkrankung oder wenn ein eGFR-Wert aus den letzten 6 Monaten vorliegt.
Nein, sie sollen nicht routinemäßig eingesetzt werden, sondern nur zur Behandlung einer Volumenüberladung oder von Ödemen.
Innerhalb von 6 Stunden, wenn der Verdacht auf eine Pyonephrose (infizierte und gestaute Niere) besteht.
Bei therapierefraktärer Hyperkaliämie, metabolischer Azidose, Lungenödem, Volumenüberladung oder Urämie-Komplikationen.

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