KDIGO 2024 Leitlinie: Chronische Nierenerkrankung (CKD)
📋Auf einen Blick
- •CKD wird definiert als strukturelle oder funktionelle Nierenanomalie, die seit mindestens 3 Monaten besteht.
- •Die Klassifikation erfolgt nach dem CGA-Schema: Ursache (Cause), GFR-Kategorie (G1-G5) und Albuminurie-Kategorie (A1-A3).
- •Zur initialen GFR-Bestimmung wird Serumkreatinin mit einer Schätzgleichung (eGFRcr) empfohlen, idealerweise ergänzt durch Cystatin C.
- •Das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Nierenversagen steigt mit abnehmender GFR und zunehmender Albuminurie.
Hintergrund
Die chronische Nierenerkrankung (CKD) ist ein weltweites Gesundheitsproblem, von dem schätzungsweise mehr als 850 Millionen Menschen betroffen sind. Die KDIGO 2024 Leitlinie aktualisiert die Empfehlungen von 2012 und integriert neue Erkenntnisse zur Diagnostik, Risikobewertung und Therapie.
CKD wird definiert als strukturelle oder funktionelle Nierenanomalie, die seit mindestens 3 Monaten besteht und gesundheitliche Auswirkungen hat.
Zu den Markern eines Nierenschadens gehören:
- Albuminurie (ACR >= 30 mg/g)
- Auffälligkeiten im Urinsediment
- Persistierende Hämaturie
- Elektrolytstörungen durch tubuläre Erkrankungen
- Histologische oder bildgebende Auffälligkeiten
- Zustand nach Nierentransplantation
Klassifikation der CKD (CGA-Schema)
Die Einteilung der CKD erfolgt nach dem CGA-Schema, welches drei Dimensionen umfasst: Cause (Ursache), GFR-Kategorie und Albuminurie-Kategorie.
| GFR-Kategorie | GFR (ml/min/1,73 m2) | Beschreibung |
|---|---|---|
| G1 | >= 90 | Normal oder hoch |
| G2 | 60–89 | Mild verringert |
| G3a | 45–59 | Mild bis moderat verringert |
| G3b | 30–44 | Moderat bis schwer verringert |
| G4 | 15–29 | Schwer verringert |
| G5 | < 15 | Nierenversagen |
(Hinweis: Ohne Nachweis eines Nierenschadens erfüllen G1 und G2 nicht die Kriterien einer CKD.)
| Albuminurie-Kategorie | ACR (mg/g) | ACR (mg/mmol) | Beschreibung |
|---|---|---|---|
| A1 | < 30 | < 3 | Normal bis mild erhöht |
| A2 | 30–300 | 3–30 | Moderat erhöht |
| A3 | > 300 | > 30 | Schwer erhöht |
Diagnostik und Screening
Die frühzeitige Erkennung einer CKD ist entscheidend, insbesondere bei Hochrisikopatienten (z. B. mit Diabetes, Hypertonie oder kardiovaskulären Erkrankungen).
- Initiale GFR-Bestimmung: Messung des Serumkreatinins und Nutzung einer Schätzgleichung (eGFRcr).
- Erweiterte Diagnostik: Wenn verfügbar, sollte die GFR-Schätzung durch die Kombination von Kreatinin und Cystatin C (eGFRcr-cys) erfolgen, da dies eine präzisere Risikobewertung ermöglicht.
- Albuminurie: Bestimmung der Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR) im Urin.
Spezielle Patientengruppen
Die Betreuung von Menschen mit CKD erfordert eine Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Lebensphase:
- Kinder und Jugendliche: Der Fokus liegt auf Wachstum, neurokognitiver Entwicklung und dem Übergang in die Erwachsenenmedizin. Die GFR steigt in den ersten Lebensjahren an, weshalb eine eGFR < 90 ml/min/1,73 m2 in dieser Altersgruppe bereits eine eingeschränkte Nierenfunktion darstellt.
- Ältere Erwachsene: Multimorbidität, Gebrechlichkeit (Frailty), kognitive Einschränkungen und Polypharmazie erfordern individualisierte Therapieziele. Eine strikte Blutdrucksenkung muss gegen das Risiko von Stürzen abgewogen werden.
- Schwangerschaft: CKD erhöht das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen (z. B. Präeklampsie, Frühgeburt). Eine interdisziplinäre Beratung vor der Empfängnis ist essenziell.
Risikobewertung und Prognose
Das Risiko für unerwünschte klinische Ereignisse steigt kontinuierlich mit abnehmender GFR und zunehmender Albuminurie. Die Daten des CKD Prognosis Consortium (CKD-PC) zeigen eine starke Assoziation der CKD-Kategorien mit folgenden Endpunkten:
- Gesamtmortalität und kardiovaskuläre Mortalität
- Nierenversagen und akute Nierenschädigung (AKI)
- Kardiovaskuläre Ereignisse (Herzinsuffizienz, Myokardinfarkt, Schlaganfall)
Je niedriger die eGFR und je höher die ACR, desto größer ist das relative Risiko für diese Komplikationen.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie zur initialen GFR-Schätzung die eGFRcr-Gleichung und ziehen Sie bei Verfügbarkeit Cystatin C (eGFRcr-cys) heran, um die Genauigkeit der Risikobewertung zu erhöhen.