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Chronische Nierenerkrankung (CKD): Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Klassifikation der CKD erfolgt kombiniert nach GFR-Kategorien (G1-G5) und Albumin-Kreatinin-Quotient (ACR A1-A3).
  • Zur initialen Detektion einer Proteinurie soll die Urin-ACR anstelle der Protein-Kreatinin-Ratio (PCR) verwendet werden.
  • Das Blutdruckziel liegt bei einer ACR < 70 mg/mmol bei < 140/90 mmHg, bei einer ACR >= 70 mg/mmol bei < 130/80 mmHg.
  • ACE-Hemmer oder ARBs sind indiziert bei Hypertonie und ACR > 30 mg/mmol sowie bei Diabetes und ACR >= 3 mg/mmol.
  • Bei renaler Anämie liegt der Hb-Zielbereich zwischen 100 und 120 g/l; eine Normalisierung wird nicht empfohlen.
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Hintergrund

Die chronische Nierenerkrankung (CKD) ist definiert durch Auffälligkeiten der Nierenfunktion oder -struktur, die länger als 3 Monate bestehen. Die aktuelle NICE-Leitlinie fokussiert sich auf die frühzeitige Erkennung, Risikostratifizierung und die Prävention von Progression und kardiovaskulären Komplikationen.

Diagnostik und Monitoring

Zur Einschätzung der Nierenfunktion soll die eGFR (bevorzugt mittels CKD-EPI-Formel) bestimmt werden. Bei Werten > 90 ml/min/1.73 m² wird ein Kreatinin-Anstieg von > 20% als signifikante Verschlechterung gewertet.

Für die Detektion einer Proteinurie wird die Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR) im Urin empfohlen, da sie sensitiver für niedrige Proteinmengen ist als die Protein-Kreatinin-Ratio (PCR). Urin-Teststreifen sollen bei Kindern nicht und bei Erwachsenen nur verwendet werden, wenn sie spezifisch Albumin messen können.

  • Klinisch relevante Proteinurie: Bestätigte ACR >= 3 mg/mmol.
  • Indikation zur ACR-Bestimmung: Diabetes, eGFR < 60, Verdacht auf CKD.

Klassifikation und Risiko

Die Einteilung der CKD und die Abschätzung des Risikos für unerwünschte Ereignisse (Progression, Mortalität) erfolgt durch die Kombination von GFR und ACR.

GFR-KategorieeGFR (ml/min/1.73 m²)ACR A1 (<3 mg/mmol)ACR A2 (3-30 mg/mmol)ACR A3 (>30 mg/mmol)
G1>= 90Niedriges RisikoModerates RisikoHohes Risiko
G260-89Niedriges RisikoModerates RisikoHohes Risiko
G3a45-59Moderates RisikoHohes RisikoSehr hohes Risiko
G3b30-44Hohes RisikoSehr hohes RisikoSehr hohes Risiko
G415-29Sehr hohes RisikoSehr hohes RisikoSehr hohes Risiko
G5< 15Sehr hohes RisikoSehr hohes RisikoSehr hohes Risiko

Pharmakotherapie und Blutdruckziele

Die Blutdruckeinstellung richtet sich nach dem Ausmaß der Proteinurie:

PatientenprofilSystolisches Ziel (mmHg)Diastolisches Ziel (mmHg)
ACR < 70 mg/mmol< 140 (Zielbereich 120-139)< 90
ACR >= 70 mg/mmol< 130 (Zielbereich 120-129)< 80

Einsatz von RAAS-Inhibitoren:

  • Indikation: ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) sollen bei Hypertonie und ACR > 30 mg/mmol sowie bei Diabetikern mit ACR >= 3 mg/mmol eingesetzt werden.
  • Dosierung: Bis zur höchsten tolerierten zugelassenen Dosis titrieren.
  • Kontraindikation: Keine Kombination von verschiedenen RAAS-Inhibitoren.
  • Monitoring: Kalium und eGFR vor Therapiebeginn, 1-2 Wochen danach und nach jeder Dosissteigerung kontrollieren.

Überweisungskriterien zum Nephrologen

Eine fachärztliche Vorstellung wird unter anderem in folgenden Fällen empfohlen:

  • 5-Jahres-Risiko für Nierenersatzverfahren > 5% (gemessen mit der 4-Variablen Kidney Failure Risk Equation)
  • ACR >= 70 mg/mmol (außer bei bekanntem Diabetes und adäquater Therapie)
  • ACR > 30 mg/mmol in Kombination mit Hämaturie
  • Beschleunigte Progression: eGFR-Abfall >= 25% plus Kategoriewechsel innerhalb von 12 Monaten ODER eGFR-Abfall >= 15 ml/min/1.73 m² pro Jahr
  • Therapierefraktäre Hypertonie (unter >= 4 Antihypertensiva)

Management von Komplikationen

Renale Anämie

Eine Abklärung ist indiziert bei einem Hb-Wert <= 110 g/l oder anämiespezifischen Symptomen.

MaßnahmeZielwert / EmpfehlungBemerkung
Hb-Zielbereich100 - 120 g/lKeine Normalisierung anstreben (kardiovaskuläres Risiko)
EisentherapieFerritin < 100 µg/l, TSAT < 20%Vor oder parallel zu ESA-Therapie optimieren
ESA-TherapieIndividuell nach Hb-VerlaufDosis anpassen, um Hb-Anstieg von 10-20 g/l pro Monat zu erreichen

Hyperphosphatämie (CKD Stadium 4-5)

  • Zunächst diätetische Beratung zur Phosphatrestriktion (unter Vermeidung einer Mangelernährung).
  • Phosphatbinder: Bei Erwachsenen primär Calciumacetat. Falls kontraindiziert oder nicht toleriert, Sevelamercarbonat erwägen.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie zur initialen Quantifizierung einer Proteinurie immer die Urin-Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR) anstelle der Protein-Kreatinin-Ratio (PCR). Kombinieren Sie bei der medikamentösen Therapie niemals zwei RAAS-Inhibitoren (z. B. ACE-Hemmer und ARB) miteinander.

Häufig gestellte Fragen

Ein eGFR < 60 ml/min/1.73 m² über mindestens 90 Tage oder das Vorliegen von Nierenschäden (z. B. Proteinurie) definiert die CKD.
Bei einer ACR < 70 mg/mmol gilt ein Ziel von < 140/90 mmHg. Bei einer ACR >= 70 mg/mmol sollte der Blutdruck < 130/80 mmHg liegen.
Unter anderem bei einem 5-Jahres-Risiko für Nierenersatzverfahren > 5%, einer ACR >= 70 mg/mmol, beschleunigtem GFR-Abfall oder therapierefraktärer Hypertonie unter 4 Medikamenten.
Der Zielbereich liegt bei 100 bis 120 g/l. Eine Normalisierung des Hb-Wertes wird aufgrund erhöhter kardiovaskulärer Risiken nicht empfohlen.
Bei Erwachsenen wird primär Calciumacetat empfohlen. Alternativ kann Sevelamercarbonat eingesetzt werden.

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