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KDIGO (Kidney Disease: Improving Global Outcomes)2024NephrologieInnere Medizin

Chronische Nierenerkrankung (CKD): KDIGO-Leitlinie 2024

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf KDIGO (Kidney Disease: Improving Global Outcomes) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die CKD ist definiert als strukturelle oder funktionelle Nierenanomalie, die seit mindestens 3 Monaten besteht.
  • Die Stadieneinteilung erfolgt nach dem CGA-Schema: Ursache (Cause), GFR-Kategorie (G1-G5) und Albuminurie-Kategorie (A1-A3).
  • Zur GFR-Schätzung wird die CKD-EPI-Formel (2021) ohne Einbezug der ethnischen Zugehörigkeit empfohlen.
  • Die kombinierte Schätzung aus Kreatinin und Cystatin C (eGFRcr-cys) bietet eine präzisere Annäherung an die gemessene GFR.
  • Bei älteren Patienten mit Sarkopenie kann die rein kreatininbasierte eGFR die Nierenfunktion überschätzen.
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Hintergrund

Die chronische Nierenerkrankung (CKD) ist ein weltweites Gesundheitsproblem, von dem schätzungsweise über 850 Millionen Menschen betroffen sind. Die KDIGO-Leitlinie 2024 aktualisiert die Empfehlungen von 2012 und legt einen starken Fokus auf eine präzise Diagnostik, Risikostratifizierung und die Berücksichtigung besonderer Patientengruppen.

Diagnosekriterien

Eine CKD liegt vor, wenn strukturelle oder funktionelle Nierenanomalien mit gesundheitlichen Auswirkungen für mindestens 3 Monate bestehen. Es muss mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt sein:

KriteriumSpezifikation
Nierenschädigung (Marker)Albuminurie (ACR ≥ 30 mg/g bzw. ≥ 3 mg/mmol)
Auffälligkeiten im Urinsediment (z. B. persistierende Hämaturie)
Elektrolyt- und andere Anomalien durch tubuläre Störungen
Histologische Auffälligkeiten
Strukturelle Auffälligkeiten in der Bildgebung
Zustand nach Nierentransplantation
Verminderte GFRGFR < 60 ml/min/1.73 m² (GFR-Kategorien G3a–G5)

CGA-Klassifikation

Die Klassifikation der CKD erfolgt nach dem CGA-Schema, welches die Ursache (Cause), die GFR-Kategorie (G) und die Albuminurie-Kategorie (A) kombiniert.

GFR-Kategorien

KategorieGFR (ml/min/1.73 m²)Beschreibung
G1≥ 90Normal oder hoch
G260–89Mild vermindert
G3a45–59Mild bis moderat vermindert
G3b30–44Moderat bis schwer vermindert
G415–29Schwer vermindert
G5< 15Nierenversagen

(Hinweis: Ohne Nachweis eines Nierenschadens erfüllen G1 und G2 nicht die Kriterien einer CKD.)

Albuminurie-Kategorien

KategorieACR (mg/g)ACR (mg/mmol)Beschreibung
A1< 30< 3Normal bis mild erhöht
A230–3003–30Moderat erhöht
A3> 300> 30Schwer erhöht

Diagnostik und GFR-Bestimmung

  • Initiale Schätzung: Zur initialen Beurteilung der GFR sollte das Serumkreatinin (SCr) in Kombination mit einer Schätzformel verwendet werden. Empfohlen wird die CKD-EPI-Formel von 2021, die den Faktor für die ethnische Zugehörigkeit (Race) nicht mehr enthält.
  • Cystatin C: Die kombinierte Formel aus Kreatinin und Cystatin C (eGFRcr-cys) stellt eine genauere Annäherung an die gemessene GFR (mGFR) dar und wird zur präziseren Risikoeinschätzung empfohlen.

Besondere Patientengruppen

  • Ältere Erwachsene: Bei älteren Patienten liegt häufig eine Sarkopenie vor. Eine rein kreatininbasierte eGFR (eGFRcr) kann die Nierenfunktion in diesen Fällen überschätzen, während die Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR) fälschlicherweise zu hoch ausfallen kann. Strenge Blutdruckziele müssen gegen Risiken wie Schwindel, Stürze und Frakturen abgewogen werden.
  • Kinder und Jugendliche: Bis zu 50 % der CKD-Fälle im Kindesalter beruhen auf angeborenen Anomalien (CAKUT). Da gesunde Kinder eine exzellente Nierenfunktion haben, gilt eine eGFR < 90 ml/min/1.73 m² bereits als vermindert.
  • Frauen und Schwangerschaft: Frauen haben weltweit eine höhere Prävalenz der nicht-dialysepflichtigen CKD. Eine Schwangerschaft bei CKD birgt erhöhte Risiken für Präeklampsie, Frühgeburten und eine Progression der Nierenerkrankung. Eine interdisziplinäre Betreuung und Überprüfung der Medikation (Vermeidung teratogener Substanzen) ist essenziell.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei älteren, sarkopenischen Patienten nicht allein auf das Serumkreatinin. Die rein kreatininbasierte eGFR überschätzt hier oft die Nierenfunktion. Nutzen Sie ergänzend Cystatin C (eGFRcr-cys) für eine präzisere Einschätzung.

Häufig gestellte Fragen

Eine CKD liegt vor, wenn strukturelle oder funktionelle Nierenanomalien (z. B. GFR < 60 ml/min/1.73 m² oder Albuminurie ≥ 30 mg/g) für mindestens 3 Monate bestehen.
Die Einteilung erfolgt nach dem CGA-Schema: Cause (Ursache), GFR-Kategorie (G1-G5) und Albuminurie-Kategorie (A1-A3).
Die KDIGO-Leitlinie empfiehlt die CKD-EPI-Formel von 2021, die den Faktor für die ethnische Zugehörigkeit (Race) nicht mehr enthält.
Die kombinierte Formel aus Kreatinin und Cystatin C (eGFRcr-cys) ist genauer als Kreatinin allein, insbesondere bei Patienten mit veränderter Muskelmasse (z. B. Sarkopenie im Alter).

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