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NICEA2022Neurologie

Multiple Sklerose (MS): Aktuelle Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose der MS erfolgt durch einen Neurologen basierend auf den revidierten McDonald-Kriterien (2017).
  • Ein akuter Schub wird primär mit oralem Methylprednisolon (0,5 g/Tag für 5 Tage) behandelt.
  • Zur medikamentösen Behandlung der MS-Fatigue können Off-Label Amantadin, Modafinil oder SSRI erwogen werden.
  • Bei Spastik ist orales Baclofen die Therapie der ersten Wahl, gefolgt von Gabapentin.
  • MS-Patienten sollten mindestens einmal jährlich ein umfassendes multidisziplinäres Review erhalten.
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Hintergrund

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Die aktuelle NICE-Leitlinie fokussiert sich auf die Diagnostik, Symptomkontrolle und das Management von Schüben bei Erwachsenen.

Modifizierbare Risikofaktoren:

  • Sport: Regelmäßige körperliche Aktivität wird empfohlen und hat keine schädlichen Auswirkungen auf die MS.
  • Rauchen: Patienten sollten das Rauchen aufgeben, da es die Progression der Behinderung beschleunigt.
  • Impfungen: Standardimpfungen sollten gemäß den aktuellen Empfehlungen durchgeführt werden.

Diagnostik

Die Präsentation der MS ist vielfältig. Häufige Erstsymptome sind Visusverlust auf einem Auge (mit schmerzhaften Augenbewegungen), Doppelbilder, aufsteigende Sensibilitätsstörungen, Lhermitte-Zeichen oder progrediente Gangstörungen.

Die Diagnose wird durch einen Neurologen anhand der revidierten McDonald-Kriterien (2017) gestellt. Dies umfasst:

  • Anamnese und klinische Untersuchung
  • MRT-Befunde (Nachweis der zeitlichen und räumlichen Dissemination)
  • Liquordiagnostik (oligoklonale Banden), falls die MRT-Kriterien für die zeitliche Dissemination nicht erfüllt sind.

Wichtig: Die Diagnose darf nicht allein auf Basis von MRT-Befunden gestellt werden.

Schubtherapie

Ein Schub ist definiert als das Auftreten neuer oder die Verschlechterung bestehender Symptome über mehr als 24 Stunden (nach einer stabilen Phase von mindestens 1 Monat) und in Abwesenheit von Infektionen.

TherapieDosierungIndikation
Methylprednisolon p.o.0,5 g/Tag für 5 TagePrimäre Schubtherapie
Methylprednisolon i.v.1 g/Tag für 3-5 TageBei Versagen der oralen Therapie oder schwerem Schub

Bemerkung: Patienten sollten keine Steroide zur Selbstverabreichung für zukünftige Schübe mit nach Hause bekommen.

Symptomkontrolle

Fatigue

Vor der Behandlung einer MS-assoziierten Fatigue müssen andere Ursachen (z. B. Schlafstörungen, Depressionen, Schilddrüsenfehlfunktionen) ausgeschlossen werden.

WirkstoffIndikationBemerkung
AmantadinMS-FatigueOff-Label
ModafinilMS-FatigueOff-Label, kontraindiziert bei (geplanter) Schwangerschaft
SSRIMS-FatigueOff-Label, niedrigste wirksame Dosis

Hinweis: Vitamin-B12-Injektionen und hyperbare Sauerstofftherapie werden zur Behandlung der Fatigue nicht empfohlen.

Spastik

Die Therapie der Spastik sollte individuell abgewogen werden, da einige Patienten den erhöhten Muskeltonus zur Erhaltung ihrer Haltung oder Mobilität benötigen.

StufeTherapieBemerkung
1. WahlBaclofen p.o.Dosis schrittweise in 2-Wochen-Intervallen steigern
2. WahlGabapentinOff-Label, bei Unverträglichkeit/Wirkverlust von Baclofen
KombinationBaclofen + GabapentinWenn Monotherapie unzureichend ist

Weitere Symptome

  • Oszillopsie: 1. Wahl Gabapentin, 2. Wahl Memantin.
  • Emotionale Labilität: Amitriptylin erwägen.
  • Mobilität: Fampridin wird aufgrund mangelnder Kosteneffizienz nicht empfohlen. Vestibuläre Rehabilitation und überwachte Trainingsprogramme sind indiziert.

Schwangerschaft und Familienplanung

MS stellt kein Hindernis für die Familienplanung dar. Wichtige Beratungspunkte:

  • Die Fruchtbarkeit wird durch MS nicht beeinträchtigt.
  • Eine Schwangerschaft erhöht nicht das Risiko für eine Krankheitsprogression.
  • Die Schubrate kann während der Schwangerschaft sinken, jedoch 3 bis 6 Monate postpartal ansteigen.
  • Stillen ist sicher (sofern keine kontraindizierten krankheitsmodifizierenden Therapien eingenommen werden).

Jährliches Review

Alle Patienten sollten mindestens einmal jährlich ein umfassendes Review durch ein multidisziplinäres Team erhalten. Dieses umfasst die Beurteilung von MS-Symptomen (Mobilität, Blase/Darm, Kognition, Fatigue), dem Krankheitsverlauf (Schübe, Progression), der allgemeinen Gesundheit sowie sozialen und pflegerischen Bedürfnissen.

💡Praxis-Tipp

Schließen Sie bei Verdacht auf einen MS-Schub immer zuerst einen Infekt (insbesondere Harnwegs- oder Atemwegsinfekte) als Trigger aus, bevor Sie eine hochdosierte Steroidtherapie einleiten.

Häufig gestellte Fragen

Ein Schub liegt vor, wenn neue Symptome auftreten oder sich bestehende verschlechtern, diese länger als 24 Stunden anhalten, keine Infektion vorliegt und die letzte Krankheitsaktivität mindestens 1 Monat zurückliegt.
Die primäre Therapie besteht aus oralem Methylprednisolon (0,5 g täglich für 5 Tage). Bei schweren Schüben oder Unverträglichkeit kann auf eine intravenöse Gabe (1 g täglich für 3-5 Tage) ausgewichen werden.
Nein, die Diagnose erfordert eine Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung, MRT und ggf. Liquordiagnostik gemäß den McDonald-Kriterien (2017).
Orales Baclofen ist die Therapie der ersten Wahl. Bei Unverträglichkeit oder unzureichender Wirkung kann Gabapentin (Off-Label) eingesetzt oder mit Baclofen kombiniert werden.
Nein, eine Schwangerschaft beschleunigt die Krankheitsprogression nicht. Die Schubrate kann während der Schwangerschaft sogar sinken, auch wenn sie 3 bis 6 Monate nach der Entbindung vorübergehend ansteigen kann.

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